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Donnerstag, 14. Dezember 2017

Mobilität

Bremsspuren im Pkw-Markt

Von Rudolf Schulze | 20. Juli 2012 | Ausgabe 29

Während die Fabriken zur Pkw-Produktion nach Angaben des Verbands der Automobilindustrie (VDA) an deutschen Standorten ausgelastet sind, macht die Absatzkrise im europäischen Markt Produzenten in Nachbarländern zu schaffen. Besonders betroffen sind Hersteller mit Absatzgebiet Südeuropa.

Der Autobauer Toyota will sich von der Absatzkrise in Europa nicht in die Parade fahren lassen. "Wir sehen keinen Grund, von unserem Ziel Abstand zu nehmen, in Europa mittelfristig eine Million Autos pro Jahr zu verkaufen", sagte Deutschland-Chef Toshiaki Yasuda am 12. Juli bei einer Branchenkonferenz in München. Für Toyota sei der europäische Markt auch ein Lackmus-Test: Was hier funktioniere, habe auch anderswo große Chancen.

Andere Konzerne betrachten die Verkaufszahlen für Europa nicht so optimistisch.

– Die Kölner Ford-Werke hatten bereits im April Kurzarbeit beantragt.

–General Motors setzte mitten in den Sanierungsplanungen vorige Woche den Deutschlandchef ab, berief am Dienstag den Sanierungsexperten Thomas Sedran zum neuen Chef von Opel.

– Am 12. Juli kündigte der größte Autobauer Frankreichs, PSA Peugeot Citroën, an, rund 8000 Stellen zu streichen und eine Fabrik bei Paris zu schließen.

Bei Ford sieht es hingegen wieder besser aus als zunächst befürchtet. "Im September werden wir nicht, wie ursprünglich geplant, vier Kurzarbeitstage einlegen. Die für Oktober beantragten Tage werden wir nach heutigem Stand gar nicht benötigen", teilte eine Sprecherin auf Anfrage der VDI nachrichten mit.

Während der Ford-Absatz im ersten Quartal in Deutschland stabil blieb, ging er in Europa im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als 7 % zurück. Vor allem in Südeuropa brach der Verkauf ein. In Köln wird der Fiesta gebaut, 80 % der Kleinwagen gehen in den Export.

Verkaufsprobleme auch bei Opel. Im ersten Halbjahr 2012 setzten die General-Motors-Töchter Opel und Vauxhall in den EU-Staaten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 15 % weniger Pkw ab. Das meldete der europäische Branchenverband Acea.

Nach dem abrupten Abschied von Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke befürchten Arbeitnehmer und Experten eine von der Konzernmutter GM verordnete Rosskur. Für den US-Konzern sei dies "der letzte Versuch", die Probleme bei seiner verlustreichen Tochter in den Griff zu bekommen, glaubt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer.

Unter neuer Führung wolle GM jetzt "Dinge durchprügeln: Kapazität runter, Leute raus – und hoffen, dass es hilft", so Dudenhöffer. Das Sanierungspaket samt Garantie für alle vier deutschen Werke bis Ende 2016 werde wohl wieder aufgeschnürt.

Um die Kosten zu senken, wollen die Opel-Mutter GM und Peugeot den Einkauf bündeln und bei der Logistik kooperieren. 1,5 Mrd. € im Jahr sollen so gemeinsam eingespart werden. Die ersten Pkw auf Basis einer gemeinsamen Architektur werden für 2016 erwartet. Doch der GM-Partner Peugeot steckt in der Krise.

Frankreichs größter Pkw-Hersteller PSA Peugeot Citroën navigiert sich schlechter als die Konkurrenz durch die Eurokrise. Der Konzern macht vor allem in den von der Schuldenkrise besonders geplagten südeuropäischen Ländern Geschäfte. Dort ist die Nachfrage aber weggebrochen.

Peugeot baut 8000 Stellen ab und schließt sein Werk Aulnay bei Paris. Die Schwere der Krise und ihre Auswirkungen auf das Geschäft in Europa machten diese Neuordnung unvermeidbar, begründete Peugeot den massiven Stellenabbau.

Für das erste Halbjahr stellte der Autobauer einen Nettoverlust in Aussicht. In der Autosparte werde sich ein operativer Verlust von 700 Mio. € ergeben. Der Konzern verbrenne, so ist aus Unternehmenskreisen zu hören, seit Mitte 2011 rund 200 Mio. € monatlich. Die Auslastung der PSA-Fabriken liegt nach Firmenangaben nur noch bei 76 %. Laut Branchenkennern beginnt aber frühestens bei 80 % Auslastung die Gewinnzone.

Die Autobranche kämpft in Europa seit Längerem mit Überkapazitäten. Die Nachfrageflaute sei wegen der Schuldenkrise noch verstärkt worden, heißt es bei PSA. Der Pkw-Absatz in der EU sei von 2007 bis 2012 um 23 % geschrumpft. Allein 2012 falle die Nachfrage gegenüber dem Vorjahr in der EU um 8 %.

Die Fabriken an den deutschen Standorten sind laut Verband der Automobilindustrie (VDA, Berlin) gut ausgelastet, die Produktionsauslastung betrage 90 %. Die Branche beschäftige in Deutschland 736 000 Mitarbeiter, 4 % mehr als im Vorjahr. Das Wachstum fände allerdings außerhalb Westeuropas statt. Weltweit werde die deutsche Automobilindustrie im Jahr 2012 gut 13,5 Mio. Pkw produzieren, schätzt der VDA, ein Plus von 4 % gegenüber 2011.   rus

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