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Freitag, 24. Oktober 2014, Ausgabe Nr. 43

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Arbeitsmarkt

Deutsche Forscher kehren USA den Rücken

Von Wolfgang Schmitz | 9. November 2012 | Ausgabe 45

Eine Studie des Forschungsministeriums bestätigt einen Trend, der schon länger anhält: Die USA sind für deutsche Forscher nicht mehr das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Die schwächelnde US-Wirtschaft treibt Talente in den Schoß deutscher Forschungseinrichtungen und Hochschulen.

Deutsche Forscher kehren USA den Rücken

Rund zwei Drittel der deutschen Wissenschaftler, die ihr Glück in den USA gesucht haben, kehren in ihr Heimatland zurück. Das geht aus einer Studie im Auftrag des Bundesforschungsministeriums (BMBF) hervor, die am Montag in Berlin vorgestellt wurde. Die Erkenntnisse beruhen auf einer Befragung unter 1665 Teilnehmern der vom "German Academic International Network" (GAIN) zwischen 2004 und 2011 organisierten Jahrestagungen. Das Netzwerk hilft Forschern bei der Rückkehr nach Deutschland.

Der Trend, sich von den USA abzuwenden und die Forschungen in Deutschland wieder aufzunehmen, hält an. "Der direkte Vergleich zeigt, dass die Chance, eine dauerhafte Stelle zu bekommen, in Deutschland besser ist als in den USA", heißt es aus dem BMBF.

12,5 % der Zurückgekehrten hätten eine W2- oder W3-Professur in Deutschland, die mit einer Dauerstelle in den USA vergleichbar ist, 10,7 % eine Juniorprofessur. Dagegen hätten nur 7,1 % der in Nordamerika Verbliebenen eine Stelle als Associate oder Full Professor. "Die weitaus meisten (67 %) arbeiten dort als Postdoktoranden oder wissenschaftliche Mitarbeiter in Positionen, die in der Regel schlechter bezahlt werden als vergleichbare Positionen in Deutschland."

Der Anteil derer, die zwischen 40 000 € und 80 000 € pro Jahr verdienen, läge, so das BMBF, unter den Rückkehrern mit 70 % gegenüber 38 % in Nordamerika wesentlich höher. Mit weniger als 40 000 € müssten 14 % der Rückkehrer leben, aber 47 % der in Nordamerika Verbliebenen.

Die Vermutung liegt nahe, dass sich die meisten Forscher nicht wegen des deutschen Wissenschaftssystems von Nordamerika abwenden, sondern wegen der drastisch sinkenden Attraktivität der USA. Laut National Science Foundation, einer unabhängigen US-Einrichtung zur finanziellen Unterstützung von Forschung und Bildung, ist die Zahl der ausländischen Promovenden zwischen 2008 und 2011 um rund 11 % gesunken. Das National Research Council, das die Forschungen in den USA steuert, zählte im Jahr 2010 nur noch 156 naturwissenschaftliche Doktoranden aus Deutschland, im Jahr zuvor waren es 207.

Das hat Gründe. Die Wirtschaftskrise setzt den amerikanischen Hochschulen vehement zu. Wie die Deutsche Universitätszeitung (duz) basierend auf einem Bericht der Illinois State University dokumentiert, sanken die Zuschüsse für Colleges im vergangenen Jahr um fast 8 %. "Staaten wie Arizona haben ihr Collegebudget seit 2007 um fast ein Drittel zurückgefahren", heißt es in der duz.

Die rund 1700 öffentlichen Universitäten und Colleges wurden in der Vergangenheit zu wesentlichen Teilen von den Bundesstaaten finanziert, inzwischen hat sich das Verhältnis aufgrund dünner Steuereinnahmen verschoben: Bei den großen Forschungsuniversitäten trug die öffentliche Hand 2010 nur 23 % der Ausgaben, Anfang der 1990er Jahre waren es noch 40 %. Um die Kassen aufzufüllen, greifen die Hochschulen nun den Studierenden tiefer in die Geldbörse, darüber hinaus wird über Stellenstreichungen und Fakultätenschließungen der Rotstift angesetzt.

Erschwerend kommt hinzu, dass seit dem 11. September 2001 die Visabestimmungen radikal verschärft wurden. Auch der Hinweis der Hochschulpräsidenten, ohne ausländische Wissenschaftler habe die US-Spitzenforschung keine Chance im globalen Wettbewerb, stieß bislang auf taube Politikerohren.

Deutschen Forschungseinrichtungen und Hochschulen kann es recht sein. Und so schlecht sind sie nun wirklich nicht. Das findet zumindest Baris Tursun, nach seiner Rückkehr, Gruppenleiter am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in Berlin. Die Möglichkeiten, in Deutschland Spitzenforschung zu betreiben, seien "enorm". Und die Bezahlung könne sich auch sehen lassen. Der Trend, Juniorprofessuren als Dauerstellen auszubauen, die stetig verbesserten Möglichkeiten in der Zusammenarbeit von universitären und außeruniversitären Forschungseinrichtungen, die Förderprogramme der Wissenschaftsverbünde sowie Dual Career Netzwerke zur Betreuung der Partner und Partnerinnen von berufenen Wissenschaftlern: Alles das seien triftige Gründe für Deutschland.

Auf die Arbeit von GAIN-Geschäftsführer Gerrit Rößler hat der Deutschland-Trend wesentliche Auswirkungen. Es gehe nun insbesondere darum, die Rahmenbedingungen für eine Rückkehr zu verbessen. "Der Fokus unserer Arbeit hat sich also vom ,Ob‘ zum ,Wie‘ verschoben", sagte er der duz.

Wie stabil der Trend ist, wird sich allerdings erst zeigen, wenn es den USA wirtschaftlich wieder besser geht. Zweiter Haken an der BMBF-Studie: Es wurden deutsche Wissenschaftler befragt, die eh mit GAIN in Kontakt stehen und daher vermutlich schon länger mit einer Rückkehr liebäugeln. ws

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