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Donnerstag, 23. Februar 2017, Ausgabe Nr. 08

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Energiepolitik

Dezentral ist Trumpf

Von Heinz Wraneschitz | 3. Juli 2015 | Ausgabe 27

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer lässt immer wieder Querschüsse bei der Energiewende los, vor allem, was den Stromtrassenausbau angeht. Eine VDE-Studie stützt jetzt seine Position und legt einen Dissens im Energiewendekonzept offen. Das Credo: erst einmal vor Ort unternehmen, was sich dort regeln lässt.

Energie
Foto: Billerbeck

Eine VDE-Studie rechnet vor, dass sich der Stromtransportbedarf durch dezentrale Energieerzeugung deutlich reduzieren ließe. Damit wären viele der geplanten neuen Höchstspannungsleitungen überflüssig.

Es schien schon in Vergessenheit geraten zu sein: Die deutsche Energiewende braucht auf lange Sicht ein weitgehend dezentral gesteuertes, von erneuerbaren Energieträgern dominiertes System. Genau dies bringt die Mitte Juni vorgestellte Studie „Der zellulare Ansatz“ des VDE wieder in die Debatte darüber ein, was vorrangig ist im Energiewendekonzept.

Amprion, größter deutscher Übertragungsnetzbetreiber, rief letzte Woche 2015 zum „entscheidenden Jahr für den Erfolg der Energiewende“ aus und fordert, den Trassenausbau zu forcieren. Die VDE-Studie rechnet hingegen vor, dass sich der Stromtransportbedarf um bis zu 45 % reduzieren ließe. Damit wären viele der geplanten neuen Höchstspannungsleitungen überflüssig. Es gelte, bei der Energieversorgung auf lokale Strukturen zu setzen und so den Stromnetzausbau zu optimieren.

Das ist Rückenwind für bayerische Forderungen. Ministerpräsident Horst Seehofer beharrt seit letztem Jahr darauf, den Bau der im Bundesnetzplan vorgesehenen Gleichstrompassage Süd-Ost und der Südlinktrasse ins unterfränkische Grafenrheinfeld zu unterlassen. Südlink solle vielmehr direkt nach Baden-Württemberg führen – mit Abzweig ins bayerisch-schwäbische Gundremmingen.

Kommunalversorger wie der fränkische Energiekonzern N-Ergie stellen den Trassenneubau infrage. Dezentraler Stromspeicherausbau vor Ort beiße sich mit den Großprojekten: „Das wäre aus volkswirtschaftlicher Sicht nicht sinnvoll“, sagte N-Ergie-Chef Josef Hasler den VDI nachrichten.

Für Josef Göppel ist die VDE-Studie „ein Volltreffer aus klimapolitischer Sicht“. Der Bundestagsabgeordnete und Sprecher des CSU-Arbeitskreises Umwelt tritt seit Jahren für die „nur auf lokaler Ebene mögliche Verknüpfung von Strom, Wärme und Mobilität“ ein. „Dezentrale Lösungen wie der zellulare Ansatz“ könnten zum „Erfolg der Energiewende einen Beitrag leisten“, erklärt Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner auf Nachfrage. Das klingt positiv. Wenn da nicht der Nachsatz wäre: „Die Energiewende ist ein Gesamtpaket.“

Bayerns Weg als Blaupause für die Energiewende? – Das mit dem Gesamtpaket ist zumindest bei Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel angekommen. Letzte Woche wollte er daher Seehofer entgegenkommen: Nicht auf Masten, sondern großteils unter der Erde sollen die Trassen nun verlaufen, schlug er vor. Allerdings nicht, um erneut die Prioritäten im Rahmen der Energiewende auszuhandeln, sondern, um den Widerstand in der Bevölkerung gegen die Trassenprojekte zu schwächen.  -Seite 8

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