Passwort vergessen?  |  Anmelden
 |  Passwort vergessen?  |  Anmelden

Donnerstag, 20. April 2017, Ausgabe Nr. 16

Donnerstag, 20. April 2017, Ausgabe Nr. 16

Ethik

Die Moral der Maschine

Von Wolfgang Schmitz | 4. Dezember 2015 | Ausgabe 49

Roboter sind inzwischen in der Lage, komplexe Entscheidungen autonom zu treffen. Wie groß aber darf ihr Handlungsspielraum sein? Die Wissenschaft sucht nach Antworten, wie die Technik den Alltag erleichtern kann, ohne die Selbstbestimmung des Einzelnen zu gefährden.

S1 Aufmacher Roboter Ethik (2)
Foto: Fraunhofer IPA/Jens Kilian

Ohne Pflegeroboter wird die alternde Gesellschaft nicht mehr auskommen. Aber wo liegen die Grenzen technischer Hilfen? Die Wissenschaft sucht nach Antworten.

Was autonome Roboter künftig leisten können, ist absehbar. Bereits heute haben sie sich unabhängig von menschlicher Steuerung gemacht. Wo aber die ethischen Grenzen technischer Möglichkeiten verlaufen, was Roboter in der produzierenden Industrie, in der Medizin, im Gesundheits- und Verkehrswesen abwickeln dürfen und sollen, darüber herrschen nur diffuse Vorstellungen.

Dass die Tagung „Roboterethik“ in Berlin mehr Fragen aufwarf als Antworten gab, spiegelt diese Problematik wider. Wer etwa „füttert“ die Roboter mit Vorgaben? Am besten ein bunter Strauß von Fachleuten, schlägt Alin Albu-Schäffer, Direktor des Instituts für Robotik und Mechatronik am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, vor. „Wir Ingenieure wollen und können das nicht allein entscheiden, solche Themen müssen rechtlich und gesellschaftlich diskutiert werden.“

Den gesetzlichen Rahmen muss die Politik setzen. Aber auch die scheint von dem Thema überwältigt. „Ich habe nur diffuse Vorstellungen vom politischen Handlungsbedarf“, gestand Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) in Berlin. Die Diskussion um die Atomkraft habe gezeigt, dass die Politik in einer demokratischen Gesellschaft regulatorisch flexibel sein könne und müsse, sagte Lammert. Ende der 50er-Jahre sei die friedliche Nutzung der Kernkraft auf große Zustimmung gestoßen, spätestens nach Fukushima sei die Stimmung extrem gekippt. Die Politik habe sich entsprechend geschmeidig gezeigt. „Sie kann Entscheidungen in Innovationsprozessen eben nicht ein für alle Mal treffen.“ Das gelte auch für die ethische Grenzsetzung von Robotersystemen. Nicht alles, was technisch möglich ist, sollte umgesetzt werden, meint Oliver Bendel. Der Wirtschaftsethiker mahnt, den normalen Verkehr von autonom fahrenden Autos möglichst zu trennen, im Pflegebereich die persönliche Zuwendung weiterhin Menschen zu überlassen und bei „Lauschangriffen“ im Kinderzimmer durch Daten speicherndes Spielzeug größte Vorsicht walten zu lassen.

Der Stand der Entwicklung sollte nicht überschätzt werden, betonte Alin Albu-Schäffer. Die Produktion „humanoider Roboter“ stelle Computertechnik und Robotik weiterhin vor gewaltige Herausforderungen. Oder, wie es der Bielefelder Neuroinformatiker Jochen Steil formulierte: „Menschsein ist für den Roboter immer noch kompliziert.“   

stellenangebote

mehr