Passwort vergessen?  |  Anmelden
 |  Passwort vergessen?  |  Anmelden

Donnerstag, 18. Mai 2017, Ausgabe Nr. 20

Donnerstag, 18. Mai 2017, Ausgabe Nr. 20

Informationstechnik

Energieeffizienz wird heute noch nicht gelebt

Von Geiger | 1. März 2013 | Ausgabe 9

Die Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) könnte einen wesentlichen Beitrag zu nachhaltigeren Strukturen und Verbrauchsgewohnheiten in der Gesellschaft leisten. Doch fehlt es bisher sowohl an Bewusstsein als auch an Systemen, die Menschen dabei unterstützen, ihre Lebensweise grundlegend zu verändern. Dies ist eines der zentralen Ergebnisse der ersten internationalen Konferenz "ICT for Sustainability", die Mitte Februar in Zürich stattfand.

John A. "Skip" Laitner, Direktor für Wirtschafts- und Sozialanalyse beim American Council for an Energy-Efficient Economy (ACEEE) in Washington DC, zeigte in seiner Keynote auf, warum es "höchste Zeit" ist, sich intensiv mit dem Thema Energieverbrauch und mehr Effizienz zu beschäftigen.

"In den USA verschwenden wir aktuell noch 86 % der eingesetzten Energie innerhalb eines Prozesses", sagte Energieeffizienzexperte Laitner. Typisches Beispiel seien die rund 272 000 Ampelanlagen in seinem Heimatland, die viel Stop-and-go-Verkehr erzeugten und so einen enormen Treibstoffverbrauch verursachten.

"Allein durch die Ausstattung von Ampeln mit Sensoren und anderen intelligenten IT-Komponenten könnte der Benzinverbrauch um 5 % bis 10 % gesenkt werden", erläuterte Laitner.

Generell, so ist der US-Amerikaner überzeugt, seien Wissenschaft und Technologie in der Lage, bessere Lösungen für eine energieeffiziente Welt zu schaffen. Ein Beispiel seien Geräte, die Feedback über ihren aktuellen Energieverbrauch geben. "Doch letztlich ist es der Mensch, der seine Einstellungen und sein Verhalten ändern muss, damit dies erfolgreich umgesetzt wird", betonte er.

Das Thema Energieeffizienz, so ist Laitners Eindruck, werde heute noch nicht in seiner ganzen Tragweite verstanden, geschweige denn gelebt. Dementsprechend müssten weitere Anstrengungen unternommen werden, um einen wirklichen Wandel zu erreichen.

Wie dies gelingen kann, zeigte Robert Laubacher, Wissenschaftler am Zentrum für kollektive Intelligenz an der MIT Sloan School of Management, am Beispiel eines globalen Projekts zum Klimawandel. Das "Klima CoLab" hat das Ziel, kollektive Intelligenz mit Einsatz von Open-Source-Software und Wikipedia zu nutzen, um nachhaltige Verhaltensänderungen zu erzielen.

Am Klima CoLab kann jedermann weltweit teilnehmen. Die Teilnehmer werden aufgefordert, ihre Ideen zu Themen wie effiziente Gebäudetechnik oder Energieversorgung in Wettbewerben einzureichen. Eine Jury wählt die besten Ideen aus und präsentiert die Arbeiten der Öffentlichkeit. Weitere gezielte Aktivitäten sollen anschließend dazu führen, veränderte politische Rahmenbedingungen und Infrastrukturen zu schaffen oder neue Geschäftsmodelle für nachhaltiges Wirtschaften zu entwickeln.

Die Bilanz des intensiven Expertenaustausches in Zürich klang ermutigend und ernüchternd zugleich. Mit IKT-Technologien ließen sich grundsätzlich Strukturen für einen nachhaltigen Energieverbrauch schaffen. "Doch trägt technologischer Fortschritt nicht automatisch zu einer nachhaltigen Entwicklung bei", heißt es in einem gemeinsamen Schlusskommuniqué von Referenten und Teilnehmern.

Dementsprechend kommt die Konferenz zu dem Fazit: "Nur mit gezielten Anstrengungen der Politik, der Industrie und der Verbraucher wird es möglich, das ganze Potenzial der Informations- und Kommunikationstechnologie zu entfalten, um schließlich tatsächlich eine nachhaltigere Gesellschaft zu schaffen."

Zu den zentralen Themen, mit denen sich IKT-Wissenschaftler derzeit befassen, gehört die Fragestellung: "Wie lässt sich Software nutzen, um den Energieverbrauch der Hardware zu senken?" In Zürich wurde deutlich: Je nachdem, welche Entscheidungen bei der Gestaltung der Systemsoftware getroffen und wie Softwareanwendungen entwickelt werden, hat dies Konsequenzen für die Funktionsweise von Hardware – zum Beispiel bei Ladezeiten. Und Software hat definitiv Einfluss darauf, wie viel Energie dabei verbraucht wird.

"Dies sollten sich Softwareingenieure mehr bewusst machen", heißt es im Kommuniqué. Energiethemen müssten viel stärker als bisher in die eigene Arbeit einzogen werden dies schließe automatisierte Lösungen für energieeffizientes Verhalten von Softwaresystemen mit ein. "Am besten wäre es, das Thema Energieeffizienz würde bereits adäquat in die Ausbildung von Softwareingenieuren mit einbezogen", so das Fazit.

Zudem äußerten die Konferenzteilnehmer den mehrheitlichen Wunsch, dass IKT-Wissenschaftler künftig intensiver an Fragestellungen arbeiten, welche die Beziehung zwischen Softwarestrukturen und Energieverbrauch deutlich herausarbeiten.

Darüber hinaus sollten Normierungsgremien auf Grundlage etablierter Erkenntnisse und aktuellem Know-how Metriken und Labels für die Energieeffizienz von Software entwickeln. Politik sollte dies anstoßen und fördern.

Auch die Cloud war Thema in Zürich: Diensteanbieter, so der Expertenrat, "sollten den Energieverbrauch kommunizieren und transparent darstellen". Und die Nutzer von IKT-Diensten sollten konsequent auf Cloud-Computing umsteigen, sofern dies eindeutig zu Nettoenergieeinsparungen führe. MICHAELA GEIGER

stellenangebote

mehr