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Donnerstag, 20. April 2017, Ausgabe Nr. 16

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Cebit 2016

Im Sog der Digitalisierung

Von Jens D. Billerbeck | 18. März 2016 | Ausgabe 11

Digitalisierung ändert alles: Branchen, Wertschöpfungsketten, Geschäftsmodelle, Prozesse, Produkte und Kommunikation. Das gilt auch für mittelständische Unternehmen, die derzeit noch eher zurückhaltend agieren. Dabei sehen sie weit überwiegend die Chancen der Digitalisierung, doch bei innovativen Geschäftsmodellen zeigen sich Defizite.

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Foto: PantherMedia/frenta

Für T-Systems-Chef Reinhard Clemens steht fest. „Wir sind in der zweiten Hälfte der Digitalisierung.“ Hatte er noch auf der letzten Cebit beklagt, dass Deutsche und Europäer die erste Halbzeit an Google, Facebook & Co. verloren hätten, so wittert er jetzt große Chancen. Schließlich gehe es nun um die Digitalisierung der Industrie. Er ist sich sicher: „Die zweite Halbzeit gehört uns.“

Doch die Realität in vielen Unternehmen sieht derzeit noch anders aus. Thorsten Dirks, Präsident des Branchenverbands Bitkom, kennt die Situation: „59 % der von uns befragten Unternehmen sehen sich selbst bei der Digitalisierung eher als Nachzügler, 7 % glauben, den Anschluss komplett verpasst zu haben.“ Nur knapp ein Drittel glaubt, eine Vorreiterrolle einzunehmen. Und das, obwohl in der gleichen Befragung 88 % die Digitalisierung eher als Chance für das eigene Unternehmen sehen. Daraus folgert der Bitkom-Präsident: „Jetzt noch abzuwarten ist eine völlig falsche Strategie.“

Foto: J. D. Billerbeck

„Jetzt müssen die Unternehmen Tempo machen und den digitalen Wandel aktiv vorantreiben.“ Thorsten Dirks, Präsident des Branchenverbands Bitkom.

Keine Frage: Die Digitalisierung führt zu tief greifenden Veränderungen in der deutschen Wirtschaft. So haben vier von zehn Unternehmen infolge der Digitalisierung bereits neue Produkte oder Dienste auf den Markt gebracht und 57 % bestehende Angebote angepasst. Dagegen musste jedes achte Unternehmen (12 %) bereits wegen des digitalen Wandels Waren oder Dienstleistungen vom Markt nehmen.

Für Dirks hat diese Entwicklung zwei Dimensionen: einerseits bei den Geschäftsprozessen, bei denen es um Kostensenkung, Effizienzsteigerung und erhöhte Produktivität geht; andererseits bei den Geschäftsmodellen, wo es um neue Produkte und Dienstleistungen geht, um Umsatzsteigerung und den Gewinn von Marktanteilen. Gerade im zweiten Bereich sieht Dirks deutliche Defizite bei deutschen Unternehmen. Eine Einschätzung, die der Präsident des VDI, Udo Ungeheuer, auch mit Zahlen aus einer eigenen Umfrage untermauert: „Nur 15 % der Befragten sehen Deutschland hier gut aufgestellt. Genau da müssen wir zulegen, denn dies ist der Schlüssel, um auch in Zukunft Geld zu verdienen.“

Dazu braucht die deutsche Industrie kreative Köpfe, die neue Wege beschreiten. Aber sie braucht auch die notwendige digitale Infrastruktur. Deswegen konnte Vize-Kanzler Sigmar Gabriel sich des Applauses der 2200 Gäste bei der Cebit-„Welcome Night“ sicher sein, als er seine Forderung nach einem Gigabit-Netzwerk für Deutschland und Europa aufstellte. „Die Gigabit-Gesellschaft ist Voraussetzung, um an der digitalen Ökonomie teilzuhaben.“

Im Übrigen brach Gabriel am Montagabend eine Lanze für den Mittelstand, der weiter sei, als manches Vorurteil bescheinige. Notwendig sei jedoch ein Umdenken: Nicht mehr das Produkt müsse im Mittelpunkt stehen, sondern digitale Plattformen, die zwischen Produkt und Kunde neue Dienstleistungen und damit Erlösquellen schaffen.

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