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Montag, 11. Dezember 2017

Industrie

Industriepolitik: Mix aus Beratung, Geld, Infrastruktur

Von Hartmut Steiger | 23. Mai 2014 | Ausgabe 21

Um Wachstum und Beschäftigung zu sichern, ist die Stärkung der Industrie die bessere Alternative als der Ausbau von Finanzdienstleistungen, sagt Martin Gornig, Ökonom am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin.

Martin Gornig
Foto: DIW

Martin Gornig: Industriepolitik soll nur das Ziel haben, eine leistungs- und wettbewerbsfähige Industrie zu schaffen.

VDI nachrichten: Brauchen Deutschland und Europa industrielle Champions?

Gornig: Ja. Es gibt vor allem in Deutschland eine starke Basis mit vielen kleinen Weltmarktführern. Aber wenn man eine führende Industrienation bleiben will, braucht man auch die großen Spieler, und zwar bundes- und europaweit.

Welche Ziele sollte Industriepolitik verfolgen?

Es sollten keine anderen Ziele dahinterstehen als eine leistungs- und wettbewerbsfähige Industrie zu schaffen.

Welche Mittel sollen angewendet werden?

Patentrezepte gibt es nicht, weil technologische Umbrüche zu neuen Industriestrukturen führen. Die Palette ist breit: von der Sicherung einer guten Ausbildung über die Finanzierung von Forschung und Entwicklung bis zur Kooperation von Unternehmen. Wichtig ist, dass nicht einzelne Unternehmen, sondern viele vom Fortschritt profitieren. Wenn man es kurz sagen will: Industriepolitik ist ein Mix von Beratung, Geld und Infrastruktur.

Sollen Unternehmen direkt finanziell gefördert werden?

Generell nicht. Es lässt sich manchmal aber nicht vermeiden, wenn z. B. auf bestimmten Feldern, die man unterstützen will, nur wenige Unternehmen tätig sind.

Soll der Staat entscheiden, wo Champions entstehen?

Der Staat kann nicht die Zukunftsfelder beschreiben. Er sollte keine Vorgabe machen, sondern im Dialog mit der Wirtschaft Chancen und Risiken ausloten.

Kritiker sagen, Industriepolitik führt zu Marktverzerrungen.

Wenn es die Welt ohne Marktverzerrung gäbe, könnte man diese Position einnehmen. Aber auch wenn der Staat sich komplett zurückzöge, gäbe es Marktversagen.

Soll auch das Ausscheiden älterer Industrien aus dem Markt abgefedert werden?

Die Kohleförderung war ein langer Prozess, der insgesamt nicht hilfreich war. Sicher ist aus sozialpolitischen Gründen immer zu überlegen, dass solche Brüche gemildert werden. Es sollte das Ausscheiden aus dem Markt aber nicht zu lange hinausgezögert werden.

Mit der Stärkung der Industrie soll die Abhängigkeit von den Finanzmärkten verringert werden. Ist das richtig?

Die Politik meinte lange, dass Beschäftigungs- und Wachstumschancen allein im Dienstleistungssektor lägen, vor allem bei Finanzdienstleistungen. Dort wurden die höchsten Renditen eingefahren. Der Zusammenbruch der Finanzmärkte zeigte das hohe Risiko dieser Strategie. Eine bescheidenere, aber sicherere Strategie ist die Stärkung der Industrie.

Ist Japan ein Vorbild für Industriepolitik in Deutschland?

Ja und nein. Japan ist es gelungen, in vielen Bereichen wie der Elektronik die technologische Führerschaft zu übernehmen. Vorbildlich war hier sicherlich die Zusammenarbeit zwischen Forschungspolitik und Großunternehmen. Auf der Strecke bleibt in Japan vielfach aber der Mittelstand, auch weil er sich gegenüber der Politik weniger gut artikulieren kann.  has

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