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Donnerstag, 20. April 2017, Ausgabe Nr. 16

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Internet

Kinderschutz im Netz bleibt ein Problem

Von Christiane Schulzki-Haddouti | 19. Februar 2016 | Ausgabe 07

Gefahren im Netz war das Thema des „Safer Internet Day“. Vor allem Eltern werden seit Jahren dazu aufgerufen, genauer hinzuschauen, was ihre Kinder im Netz machen. Doch was tun Unternehmen und staatliche Institutionen, um das Netz sicherer zu machen?

Kinderschutz BU
Foto: F1online/Imagebroker RM

Wohin klickst Du? Gerade im Bereich von interaktiven Onlinespielen drohen Kindern Gefahren durch gezielte Kontaktanbahnung durch Pädokriminelle.

Auf dem diesjährigen „Safer Internet Day“ in der vergangenen Woche beklagte der Verbund Klicksafe, dass extreme und illegale Äußerungen im Internet im letzten Jahr enorm zugenommen hätten. So verzeichnet die vom Internetverband Eco betriebene Internetbeschwerdestelle einen neuen Rekord an Hinweisen auf illegale Inhalte: 223 524 Meldungen gingen dort ein, während es im Vorjahr nur etwa 140 000 waren. Rund 200 000 Beschwerden bezogen sich auf Spammails. Juristen prüfen die Beschwerden und zeigen strafbare Inhalte an. Dazu zählten auch 233 Beschwerden über E-Mails mit pornografischen Inhalten.

Problematisch ist jedoch, dass diese Zahlen keinen Rückschluss darauf zulassen, ob Staat und Wirtschaft Kinder und Jugendliche im Netz wirklich ausreichend schützen. Ein Lichtblick: Im letzten Quartal 2015 waren von den 179 bei der Internetbeschwerdestelle gemeldeten kinderpornografischen Webinhalten 98 % schon nach einer Woche nicht mehr verfügbar. Genauer schlüsselt Eco die Beschwerdezahlen nicht auf.

Die an die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) angebundene Institution jugendschutz.net berichtet für 2014, dass bei 3334 von rund 8000 Verstößen gegen den Jugendschutz in Zusammenarbeit mit Anbietern und Plattformbetreibern eine schnelle Löschung von jugendgefährdenden Inhalten erreicht werden konnte. Das ist eine Erfolgsquote von nur rund 40 %. 99 Fälle wurden an die Staatsanwaltschaften abgegeben, wobei der Verfahrensausgang unbekannt ist.

Eine 100 %ige Erfolgsquote gibt es im Inland bei Missbrauchsdarstellungen. Jugendschutz.net gibt relevante Fälle an die Staatsanwaltschaften ab. In wie vielen Fällen es zu einer Verurteilung kommt, bleibt allerdings bisher unklar. Die Staatsanwaltschaften müssen nämlich nicht zurückmelden, wie ein Verfahren ausgegangen ist.

Das Wohl von Kindern und Jugendlichen kann aber nicht nur durch die Inhalte von Websites gefährdet werden: Fast jedes Kind entdeckt die Welt über Onlinespiele. Die Onlineumgebungen werden durch Interaktion mit anderen Spielern erst attraktiv, wobei auch emotionale Bindungen entstehen. Das wiederum wird von Pädokriminellen für das sogenannte „Cybergrooming“, die gezielte Ansprache Minderjähriger zur Anbahnung sexueller Kontakte, ausgenutzt. Die bei den Sicherheitsbehörden registrierten Strafanzeigen zeigen hier seit einigen Jahren mit um die 50 % die höchsten Steigerungszahlen auf, weiß der Kriminologe Thomas Gabriel Rüdiger.

In einem gemeinsamen Positionspapier forderten Kriminologen, Kinderschützer und Vertreter von Polizei und Justiz angesichts dieser Realität bereits vor vier Jahren ein Umdenken. Sie beklagten, dass sich die Diskussion zum Kinderschutz auf die Frage fokussiere, „ob gefährliche Webseiten nur gesperrt oder komplett gelöscht werden sollen“.

Dabei müssten vor allem die Interaktions- und Kommunikationsrisiken des Internets und entsprechende Schutzvorkehrungen diskutiert werden. Zu verbessern gibt es einiges: So mahnten die Experten an, die Alterseinstufung von Onlinespielen so zu überarbeiten, dass sie die Risiken reflektieren. Nicht nur Kinder und Jugendliche, sondern auch Lehrer, Polizisten, Staatsanwälte und Betreiber müssten für Risiken sensibilisiert werden.

Auch müsste diskutiert werden, welche Erkennungs- und Sperrmechanismen in Onlineumgebungen sinnvoll und wirksam sein können. Schließlich könnten sich auch die Spielebetreiber aufgeschlossener zeigen: „Warum sollten nicht auch in virtuellen Welten Polizei-Avatare integriert werden“, fragt Kriminologe Rüdiger. An diese könnten sich Kinder dann ebenso direkt wenden wie an den Schutzpolizisten auf der Straße.

Vor Kurzem griff die Kinderkommission des Bundestags das Thema auf, indem sie nach dem Motto „Safety by Design“ die Plattformbetreiber, Software- und Hardwarehersteller aufforderte, kindersichere Umgebungen zu schaffen. Das vom Bundesfamilienministerium 2012 eingerichtete „Zentrum für Kinderschutz im Internet“ hat 2014 dazu eine Erhebung durchgeführt. Demnach sehen es 44 % der 110 interviewten Unternehmen als Teil der Corporate Social Responsibility, den Jugendmedienschutz zu berücksichtigen.

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