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Donnerstag, 10. August 2017, Ausgabe Nr. 32

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Jugendmedienschutz

Kindliche Straftäter im Netz

Von Christiane Schulzki-Haddouti | 13. Mai 2016 | Ausgabe 19

Im Netz geht es längst nicht mehr nur darum, Kinder und Jugendliche vor jugendgefährdenden Inhalten zu schützen. Immer mehr Heranwachsende werden hier selbst zu Straftätern. Schulen setzen auf Aufklärung.

Jugend BU
Foto: PantherMedia/Radius Masterfile

Immer online: Kinder nutzen ihre Smartphones intensiv, teilweise sogar tief in der Nacht.

Ab dem kommenden Schuljahr werden alle baden-württembergische Schulen ab Klasse 5 einen Basiskurs Medienbildung anbieten. Er soll auch der Kriminalprävention dienen. Der bestehende Jugendmedienschutz reicht laut Landesregierung in Zeiten einer „Vollversorgung mit internetfähigen Endgeräten“ nicht mehr aus.

Ein Beispiel: Eine zwölfjährige Gymnasiastin pflegt Kontakt zu einem Jungen aus einem anderen Bundesland über Facebook und Whatsapp. Sie will ihn kennenlernen, er aber will von ihr zunächst ein Nacktbild. Tatsächlich schickt sie ihm 10 min später eine Reihe von selbst angefertigten, nicht jugendfreien Selfies. Als das Handy des Jungen später von der Polizei beschlagnahmt wird, landet der Fall des Mädchens auf dem Schreibtisch von Kriminalhauptkommissar Uwe Belz von der Kriminalpolizeidirektion Waiblingen.

 Was ihn umtreibt: Solche Fälle haben im letzten Jahr enorm zugenommen, zuletzt mit einer Steigerungsrate von jährlich 30 %. Alle Eltern, die Belz mit den Bildern konfrontieren musste, sagten ihm: „Wir hatten keine Ahnung, was da abgeht.“

Ein einziges falsches Bild im Netz macht erpressbar

Die Entwicklung findet sich in der Polizeilichen Kriminalstatistik wieder: Beim Cybergrooming, also der sexuellen Anmache im Netz, gehörten Kinder und Jugendliche 2014 fast zur Hälfte zu den Tatverdächtigen. 10 % sind noch unter 14 Jahre, 36 % sind zwischen 14 und 21 Jahre alt. Die Strafanzeigen in diesem Bereich steigen jährlich um etwa 50 %, seitdem sich die Smartphone-Nutzung unter Kindern und Jugendlichen verbreitet hat.

Wie Kinder und Jugendliche mit ihren Smartphones umgehen, zeigt die aktuelle Umfrage „Digital Na(t)ives“. Im Landkreis Emsland wurden im vergangenen Jahr 5422 Kinder und Jugendliche an 23 Schulen in den Jahrgangsstufen 5 bis 10 zu ihrem Medienverhalten befragt. 16 % der befragten Schüler berichten, dass sie online bereits nach Nacktbildern gefragt wurden. Dabei kannte fast die Hälfte der betroffenen Schüler den Anfragenden persönlich.

Polizeihauptkommissar Peter Siebert, der das Projekt seit Jahren begleitet, geht davon aus, dass es sich dabei um Freunde und Mitschüler handelt. Die Anzahl der Anfragen steigt mit dem Alter: Während in Klasse 5 nur knapp 4 % der Mädchen betroffen waren, waren es in Klasse 10 schon 40 %. Bei Jungen lagen die Zahlen nur bei einem Drittel dieser Werte.

2 % der Schüler haben schon einmal eigene, „nicht jugendfreie“ Fotos von sich über das Smartphone verschickt, aber 7 % haben solche Bilder von Personen aus dem eigenen Umfeld bereits erhalten.

 Siebert versucht den Schülern klar zu machen: „Ist ein einziges Bild im Netz, bin ich erpressbar. Die Gefahr ist riesig, dann die Kontrolle zu verlieren.“

Im Zuge des Projekts wurde an mehreren Schulen im Emsland auch ein Verhaltenskodex zur Nutzung von Handys und Smartphones eingeführt, den Schüler und Eltern jedes Jahr erneut unterschreiben müssen. Damit sensibilisiert die Schule auch regelmäßig für die Probleme: „Es sollte selbstverständlich sein, vorher die Person um Erlaubnis zu fragen, von der du ein Foto machen möchtest. Sendest du Fotos unerlaubt weiter oder stellst du diese ins Internet, könntest du eventuell rechtliche Probleme bekommen.“ Ausdrücklich heißt es auch: „Das Verbreiten von Inhalten wie Gewaltvideos, nationalsozialistische Gedanken/Zeichen, Pornografie etc. ist verboten.“

Die Umfrageergebnisse zeigen aber auch, dass Eltern vielfach tätig werden könnten: 79 % der Schüler gaben an, dass sie ihre Smartphones abends nicht abgeben müssen – und die meisten nutzten es auch nach 22 Uhr, einige sogar bis 4 Uhr morgens.

Kommissar Belz empfiehlt den Eltern, Kindern unter 14 Jahren das Smartphone lediglich zu „leihen“, damit immer klar bleibt, wem das Handy gehört. Wichtig sei aber das „persönliche Vertrauen“, damit Kinder jederzeit ihren Eltern „etwas Komisches“ zeigen können, ohne gleich ein Handyverbot befürchten zu müssen.

Eltern sollten auf alle Fälle über eine Filtersoftware kontrollieren, was von den Jugendlichen genutzt werden darf. Belz hat außerdem zusammen mit seinem Sohn, der Informatiker und Kriminalkommissar ist, das Webangebot www.schutz-vor-schmutz.info entwickelt. Dort sind für Eltern die wichtigsten Informationen aufgearbeitet und weiterführende Angebote verlinkt.

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