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Dienstag, 12. Dezember 2017

Klimawissenschaften

Menschliche Aktivitäten Hauptursache für globale Erwärmung

Von Stephan W. Eder | 4. Oktober 2013 | Ausgabe 40

Der erste Teil des neuen Sachstandsberichts des Weltklimarats ist veröffentlicht. Forscher haben ein immer besseres Verständnis des Klimasystems gewonnen. Wer auf spektakuläre Ergebnisse hoffte, dürfte enttäuscht sein

Wissenschaftliche Grundlagen des Klimawandels gefestigt - Menschliche Aktivitäten Hauptursache für globale Erwärmung

"Die Debatte ist vorbei", das wünschten sich Demonstranten letzte Woche in Stockholm, als der Weltklimarat zu seinem neuen Bericht tagte. Foto: afp

Monika Rhein fasst die Haupterkenntnisse des Weltklimarats zu den wissenschaftlichen Grundlagen des Klimasystems so zusammen. "Die wesentlichen Botschaften sind: Der Klimawandel findet statt und die Hauptursache ist der Kohlenstoff, der durch menschliche Aktivitäten in die Atmosphäre entlassen wird."

IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change)

Rhein kennt sich aus mit dem Klima: Die Professorin aus dem Institut für Umweltphysik der Universität Bremen hat mitgearbeitet am jüngsten Teilbericht des Weltklimarats IPCC (s. Kasten). Gemeinsam mit einem Kollegen aus Australien verantwortete sie das Kapitel "Ozeanbeobachtungen" der Arbeitsgruppe 1, die diesen Teilbericht des 5. Sachstandsberichts erarbeitete, der komplett aber erst in einem Jahr vorgestellt werden wird.

Das Kurzfazit von Monika Rhein, das sie während eines Diskussionsforums am Montag in Berlin zog, scheint auf den ersten Blick nicht neu zu sein im Vergleich zum letzten Sachstandsbericht des IPCC von 2007. Der wissenschaftliche Erkenntnisfortschritt findet sich denn erst beim genaueren Hinsehen.

"Aussagen über mögliche künftige Entwicklungen des Klimas sind auf der Grundlage von erweiterten und verbesserten Modellen belastbarer und sicherer geworden", sagte Peter Lemke vom Alfred-Wegener-Institut.

Es habe die Sicherheit zugenommen, dass die Veränderung im Klimasystem den menschlichen Aktivitäten zugeordnet werden, erklärte Christiane Textor, die die Deutsche IPCC-Koordinierungsstelle in Bonn leitet.

Konkret geben die IPCC-Forscher an, jetzt mit 95 %iger Wahrscheinlichkeit sicher sein zu können, dass die seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts gestiegenen Temperaturen auf menschliche Aktivitäten zurückzuführen seien. 2007 waren es noch 90 % gewesen.

Im neuen Bericht haben sich die Angaben zur sogenannten Klimasensitivität geändert. Der Wert gibt an, um wie viel die globale Mitteltemperatur in Bodennähe ansteigen würde, würde sich der CO2-Gehalt in der Atmosphäre verdoppeln. 2007 gab das IPCC noch eine Spanne von 2 °C bis 4,5 °C für die Klimasensitivität an. Der neue Teilbericht nennt eine Spanne von 1,5 °C bis 4,5 °C. Dies sei aber kein Grund anzunehmen, es sei nun möglich, das 2-Grad-Ziel nun mit weniger Bemühungen zu erreichen, wurde in Berlin deutlich.

Jochem Marotzke, Direktor am Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg, erklärt, wie die erweiterte Spanne der Klimasensitivität zu verstehen ist. "Man kann sich das vorstellen wie der Zeitraum, der sich zum Beispiel als Erfahrungswert für den Weg zur Arbeit ergibt."

Nehme man eine Dauer zwischen zum Beispiel 20 min und 45 min, dann stelle man sich im Tagesablauf darauf ein, so Marotzke. "Jetzt wird auf einem Teil der Strecke ein bestehendes Tempolimit gelockert oder aufgehoben. Im Idealfall dauert die Fahrt dann 15 min, im schlechtesten Fall aber immer noch 45 min."

Jetzt, so der Physiker, komme das Entscheidende: "Weil es unter Umständen besser geht als bisher, ändert man ja nicht seinen Tagesablauf. Im schlechtesten Fall sind es eben immer noch 45 min, und das muss man berücksichtigen." Genauso sei es hier, wenn die Untergrenze der Klimasensitivität gesenkt werde, die Obergrenze aber bestehen bleibe.

Dabei, so betont Marotzke, bezeichne die Spanne zwischen 1,5 °C und 4,5 °C den "wahrscheinlichen" Bereich. Als "extrem unwahrscheinlich" stufen die Wissenschaftler eine Klimasensitivität von unter 1 °C, als "sehr unwahrscheinlich" eine über 6 °C ein.

Endlich weiß man auch, wo die zusätzlich von der Atmosphäre aufgenommene Wärme im Klimasystem der Erde bleibt – nämlich zu 93 % in den Weltmeeren. "Wir können die Energiebilanz schließen", konstatiert Michael Schulz, Direktor des Zentrums für maritimen Umweltwissenschaften der Universität Bremen.

Die globale Erwärmung habe sich in den letzten 15 Jahren zwar verlangsamt, hieß es weiter, aber das ändere nichts am Trend. Marotzke verweist als Erklärung auf die "interne Variabilität" des Klimasystems auf kurzen Zeitskalen (Jahre bis Jahrzehnte). Diese Variabilität können die Klimamodelle zwar qualitativ richtig, aber auf der Zeitachse nicht korrekt darstellen. Hinzu kommen Kühleffekte durch vulkanische Eruptionen und eine geringere Sonnenaktivität. swe

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