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Dienstag, 12. Dezember 2017

Olympia 2012

Olympische Spiele in Super Hi-Vision

Von Rainer Bücken | 20. Juli 2012 | Ausgabe 29

Wenn in sieben Tagen in London die Olympischen Sommerspiele beginnen, startet auch ein Wettbewerb um die besten Bilder, kämpft altes gegen neues HDTV. Die beste Technik ist aber einigen Zigtausend Zuschauern in England, Japan und den USA vorbehalten. Dort hat nämlich die japanische Fernsehanstalt NHK sogenannte Super-Hi-Vision-Kinos errichtet.

Im Londoner Radio Theatre im BBC Broadcasting House in der Nähe von Oxford Circus beginnt bereits kommenden Montag so etwas wie eine neue Epoche: Ingenieure der japanischen Fernsehanstalt NHK, der BBC und der Olympic Broadcast Services (OBS) haben in wochenlanger Fleißarbeit eine Großbildprojektion für Super-Hi-Vision-Bilder (SHV) aufgebaut. Das Wesentliche ist die 16-fache höhere Auflösung gegenüber "normalem" HDTV: nicht 1920 x 1080 Pixel, sondern 7680 x 4320 Pixel werden vom Projektor auf die Spezialleinwand geworfen.

Doch nicht nur in der Mitte Londons sind die Superbilder zu sehen, auch im National Media Museum in Bradford, der Unesco-Filmstadt in der Grafschaft West Yorkshire. Ebenfalls dürften Sportfans in den BBC Scotland Headquarters in Glasgow sowie an einigen anderen Orten ihr Vergnügen an den Super-Hi-Vision-Kinobildern haben. Spezialvorführungen gibt es in Japan in Shibuya, Akihabara und Fukushima, wobei die Leinwände bis zu 15 m breit sind.

Es sind allerdings nicht alle Wettkämpfe in Super Hi-Vision zu sehen, sondern nur die Eröffnungs- und Abschlusszeremonie am 27. Juli bzw. 12. August sowie besonders interessante Disziplinen wie Schwimmen – inklusive Synchronschwimmen –, Basketball, Radrennen und einige andere.

Die Bilder werden unkomprimiert ins olympische TV-Center übertragen. Von dort geht es über das 10-Gbit/s-Netz von UKs Janet Research Network zu verschiedenen Forschungseinrichtungen, so zur Cardiff University, zur Glasgow School of Arts und zur University of Essex. Über andere Wissenschaftsnetze wie GEANT European network, Internet2 in den USA, SURFnet in den Niederlanden sowie BBC und NTT Japan werden Washington, Tokio und Fukushima zum Teil mit acht parallelen Signalen bedient.

Im Vorfeld der Spiele gibt es noch Bilder mit dem "Making of", also den Vorbereitungen der Technik und der Spiele sowie dem Leben in London. Dazu sind NHK-Kameraleute erstmals mit einem leichten SHV-Camcorder in London unterwegs. Denn das ist das eigentliche Rezept von SHV – Bilder des realen Lebens zu zeigen.

Für Super Hi-Vision haben Panasonic und NHK ein Dutzend 145 Zoll große (3,70 m) Plasma-Displays entwickelt, natürlich mit 7680 x 4320 Pixel. "Es ist die Formel 1 unter den Displays und wir denken, dass davon auch unsere CE-Branche profitieren kann", so Armando Romagnolo, General Manager bei Panasonic, während des IFA Innovations Media Briefing zu den VDI nachrichten. Die Displays werden vor allem in London, Osaka und Tokio eingesetzt. Sharp ist mit seinen 85-Zoll-SHV-Displays ebenfalls dabei.

Insgesamt stehen 302 Medaillenentscheidungen in 26 Sportarten auf dem Programm des größten Sportfestes der Welt, das zugleich auch das wohl komplexeste und gigantischste Medienereignis dieses Jahres sein dürfte. Hierzulande geben sich ARD und ZDF alle Mühe, in "London live" dabei zu sein. An den Wettkampftagen senden die beiden Broadcaster abwechselnd fast 15 Stunden live aus London, insgesamt also rund 260 Stunden klassisches Fernsehen.

Deutlich größer indes ist die Präsenz im Internet. Olympia wird bei ARD und ZDF zu einem extrem umfangreichen Social-Media-Event. Vor allem sind auch die Sportlerinnen und Sportler aufgefordert, "ihre Erlebnisse, Eindrücke und Erfahrungen zu posten und zu bloggen". So ist damit zu rechnen, dass die Aktiven und ihre Betreuer auch Fotos vom Olympia-Gelände posten – was in Peking noch strikt verboten war. Auch verschiedene Sportexperten werden ihre persönlichen Eindrücke aus London schildern.

Zudem bieten ARD und ZDF neben dem Hauptprogramm im Web sechs Livestreams, um über Wettkämpfe zu berichten, abrufbar über PC, Smartphones, Tablet-PCs sowie Smart-TV-Geräte, also internetfähige Fernseher. "Wir planen, täglich bis zu 60 Stunden Live-Sport aus London zu streamen. So garantieren wir größtmögliche sportliche Vielfalt", ist Thomas Luerweg, Online-Sportchef des NDR, zuversichtlich. Insgesamt können über die verschiedenen Screens rund 900 Stunden Liveberichterstattung erlebt werden, von allen Sportarten eben. Mit einem Time-Shifting-Verfahren lassen sich Highlightvideos anhalten und zu einem späteren Zeitpunkt anschauen. Internetnutzer der BBC können via Interactive Live Player gleich 24 Livestreams sehen, alle in HD, versteht sich, und angereichert mit zusätzlichen interaktiven Möglichkeiten wie Pause und Rückspulen. Selbst zusätzliche Informationen über die jeweiligen Sportler stehen zur Verfügung.

Da die BBC auch 3-D-Bilder aufnimmt und anbietet, gibt es weltweit verschiedene Abnehmer, die ihre Zuschauern in die dritte Dimension mitnehmen. Allerdings ist die BBC eher skeptisch, was die Akzeptanz der 3-D-Bilder angeht. France Télévisions wird jedenfalls olympische Bilder in 3-D übernehmen, die Übertragung läuft über das Netz von Orange TV.

Die gewaltigen Kosten werden vor allem durch den Verkauf der TV-Rechte reingeholt. Laut eigenen Angaben muss alleine NBC Universal 1,18 Mrd. $ zahlen. Durch Weiterverkauf der Rechte und Werbeeinnahmen dürfte der Sender den größten Teil wieder reinholen – bis auf derzeit geschätzte 100 Mio. $. Über das Doppelte, nämlich 223 Mio. $, sollen die Verluste während der Olympischen Spiele in Vancouver betragen haben.   RAINER BÜCKEN

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