Passwort vergessen?  | 
 |  Passwort vergessen?  | 
Suche
  • Login
  • Login

Donnerstag, 14. September 2017, Ausgabe Nr. 37

Donnerstag, 14. September 2017, Ausgabe Nr. 37

Energieeffizienz

Potenziale für Energieeffizienz werden nicht genug genutzt

Von B. Böhret | 25. November 2011 | Ausgabe 47

Energiesparen ist der entscheidende Schritt, um die Energiewende voranzubringen. Darüber herrschte unter den Experten des zweiten Dena-Effizienzkongresses Anfang dieser Woche in Berlin Konsens. Doch trotz dieser Erkenntnis: Viel geschehen ist in puncto Energieeffizienz bis heute nicht – weder hierzulande noch weltweit.

Rund 800 Teilnehmer aus Wirtschaft, Verbänden, Wissenschaft und Politik waren sich beim Effizienz-Kongress der Deutschen Energie-Agentur (Dena) weitgehend einig: Deutschland muss mehr Energie sparen, soll die Energiewende gelingen. Allein – schon der Weg dahin ist umstritten: Am Montag dieser Woche in Berlin waren sich Bundesumweltminister Norbert Röttgen und sein Wirtschaftskollege Philipp Rösler uneins, ob die EU-Vorgaben zum Energiesparen überhaupt sinnvoll seien. Rösler zeigte sich bei seiner Rede auf dem Kongress "besorgt" über die anstehende Brüsseler Richtlinie: Das Ziel, den Energieverbrauch bis 2020 um ein Fünftel zu reduzieren, sei richtig, der Weg falsch – Anreize seien sinnvoller als Zielvorgaben und Strafen. Der Umweltminister hingegen fand die Richtlinie in Ordnung.

Mittlerweile haben sich die Minister geeinigt. So gilt bei der Sanierung öffentlicher Gebäude in Deutschland nun ein Kompromiss von 2 % Energieeinsparung statt der EU-Forderung von 3 % im Jahr. Der Streit um den einen Prozentpunkt bringt jedoch wenig. Die Dimensionen machte Dena-Chef Stephan Kohler deutlich: Er berichtete, dass weltweit die Emissionen um 54 % gesenkt werden könnten, wenn die Effizienzpotenziale nur genutzt würden.

Ungenutzte Potenziale liegen zum Beispiel in China. Die Stadtplanerin Chen Weizhen vermisste auf dem Berliner Kongress einerseits ein politisches Umdenken in ihrem Land, sieht aber andererseits die immensen Probleme, vor denen China mit seiner stark wachsenden Bevölkerung steht. Allein Shanghai wachse jährlich um 30 Mio. m3 ins Umland hinein. Dies führe zwangsläufig auch dazu, dass die Wege zwischen Arbeit und Wohnen sich verlängerten und so mehr Energie verbraucht werde.

Ansätze für ökologischen Städtebau sind noch spärlich. Unter 600 Städten hat die Regierung in Beijing 200 ausgesucht, die in den kommenden Jahren zu "Öko-Pilotstädten" werden sollen. Es gebe leider auch keine brauchbaren Vorzeigemodelle für ihr Land, bedauerte Chen Weizhen. Die geplante Ökostadt Masdar im arabischen Emirat Abu Dhabi tauge wenig zum Vorbild; die geologischen Voraussetzungen zu ungleich seien. Das deutsche Freiburg sei schlicht "zu klein", um als Konzept für China dienen zu können. Zudem, räumte die Stadtplanerin ein, würden gerade die regionalen Regierungen noch immer dem Prinzip anhängen, möglichst viel auf kleiner Fläche unterzubringen.

Dass ökologisches Bauen in China schwierig ist, bestätigte Johannes Dell vom Architekturbüro Albert Speer & Partner. Dell ist dort für nachhaltige Stadtentwicklungsprojekte – mit Schwerpunkt China – zuständig. Er glaubt nicht, dass sich Megacitys wie Shanghai noch umbauen lassen. Wenn überhaupt, könnten ökologische Konzepte nur in neuen oder kleineren Städten entstehen.

Architekt Dell sah zwar durchaus einen "politischen Willen" zur Veränderung, doch es fehle insbesondere den Bürgern an "Bewusstsein" für eine nachhaltige Entwicklung. Ein Beispiel: Russland. Siemens-Manager Hans-Peter Böhm weiß, dass beispielsweise in St. Petersburg mit gängiger Technologie eine Einsparung von 45 % Primärenergie möglich wäre. Nicht nur Siemens ist in Russland aktiv. Die Dena selbst engagiert sich im Energieforum Russland. Doch Energiesparen findet bei der Bevölkerung wenig Anklang.

Böhm, wie auch Dena-Chef Kohler, sind überzeugt, dass die Energie einfach zu billig ist in Russland, das nur die hälfte seiner eigenen Energieproduktion selbst verbraucht. Ohnehin gehe es nicht ohne bürgerliches Engagement: Je überzeugter die Menschen seien, um so höher werde der Druck auf die Politik.

Dieser Druck scheint auch in Deutschland nicht groß genug. Ex-Umweltminister und Ethikrat-Vorsitzender Klaus Töpfer vermisst brauchbare Geschäftsmodelle für mehr Effizienz. Er fürchtet, bei dem derzeit vorgelegten Tempo für intelligente Energienutzung "werden wir nicht allzu weit kommen mit unserer Energiewende".

Doch Einsparappelle fruchten nicht recht. Die deutschen Unternehmen – führend in den entsprechenden Technologien – haben schon im eigenen Land Probleme. Weil "sichtbare Leuchttürme fehlen", glaubt Peter Eilers, Mitglied der Geschäftsleitung beim deutschen Energie- und Gebäudetechnikspezialisten Imtech. Auch dem sparsamsten Gebäude sehe man halt seine Energieeinsparung nicht an.

Mit und ohne bessere Effizienz – ohnehin bestimme der Netzausbau das Tempo der Energiewende, sagte Christian Schneller vom Übertragungsnetzbetreiber Tennet. Er plädierte für neue, aber billige Kraftwerke. Die neueste Gas- und Dampfturbinentechnologie müsse nicht sein, sie rentiere sich auf Dauer nicht. Gebraucht, so Tennet-Sprecher Schneller, würden "sportliche" Kraftwerke, die "am richtigen Ort stehen und geringe Kapitalkosten" haben.

Dass sich der Kraftwerksneubau nicht lohnt, sagte Ewald Woste, Vorstandschef des Stadtwerkeverbundes Thüga. Sein Rezept: Weniger Regulierung, weniger Subventionen, dafür den Ausbau erneuerbarer Energien fördern, Effizienzanreize bieten und lieber die Leistung bezahlen. Erst dann lohnten sich Investitionen wieder. B. BÖHRET

stellenangebote

mehr