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Donnerstag, 16. November 2017, Ausgabe Nr. 46

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Energiewende

Smart Grids: Die Technik funktioniert, nur der Verbraucher will nicht so recht

Von Birgit Böhret | 25. Januar 2013 | Ausgabe 4

Vier Jahre förderte die Bundesregierung unter dem Namen E-Energy deutschlandweit Projekte in sechs Modellregionen. Man wollte mithilfe von Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) neue Ansätze für intelligente Netze und Produkte finden. Die Projekte waren erfolgreich; offen ist, inwieweit die gefundenen Lösungen markttauglich und überregional nutzbar sind.

In den E-Energy-Modellregionen habe sich gezeigt, dass der Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologie, kurz IKT, "einen wichtigen Beitrag zum Gelingen der Energiewende leisten kann", erklärte die Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium, Anne Ruth Herkes, Ende letzter Woche auf der E-Energy-Abschlusskonferenz. Ihr Kollege aus dem Umweltministerium, Jürgen Becker, ergänzte, dass die Projekte konkret zeigten, "was intelligente Netze bedeuten und dass sie umsetzbar sind". 60 Mio. € hatten beide Ministerien investiert. Hinzu kamen 80 Mio. € aus der Wirtschaft.

Ein rundum erfolgreiches Gesamtprojekt, lautet das Fazit der Teilnehmer, die in den regionalen Modellen aufzeigen wollten, dass sich die volatile Einspeisung der erneuerbaren Energien steuern lässt und zusätzlich noch Einsparpotenziale bietet.

E-Energy

Doch die Umsetzung der Ergebnisse wird in der Realität noch etliche Hürden überwinden müssen. Die nahezu idealen Voraussetzungen im Mikrokosmos der Modellregionen brachten – so die Berichterstatter – zwar durchweg positive Erkenntnisse, aber bis zur Marktreife und damit auch bis zum Geldverdienen wird es noch ein Weilchen dauern.

"Es ist vieles gelungen, was noch nicht heißt, dass es in Kürze flächendeckend zu finden sein wird", lautete das Fazit von Ludwig Karg von B.A.U.M. Consult, der die E-Energy-Begleitforschung leitet.

Zum Abschluss stellte Karg fest, es gebe nicht "das" Smart Grid für Deutschland. So seien Netze im ländlichen Bereich hierarchisch aufgebaut, in der Stadt hingegen stark vermascht. Eine regionale Ausrichtung sei deshalb notwendig.

In den Feldversuchen wurde gezeigt, dass sich durch Einsatz von IKT der Stromverbrauch bis zu 10 % in privaten Haushalten und bis zu 20 % in Gewerbebetrieben senken lässt. Virtuelle Kraftwerke können Netz-
engpässe ausgleichen und ein sinnvolles Tarifsystem spornt zum Sparen an. Bei aller Begeisterung der Beteiligten warnt dennoch Siemens-Manager Jürgen Arnold, Vorsitzender der E-Energy-Arbeitsgruppe beim ITK-Branchenverband Bitkom: "Wir haben sechs Insellösungen, die zwar miteinander kooperieren, aber für einen Massen-Rollout reicht es nicht."

Hellmuth Frey vom Energieversorger EnBW warnt ebenfalls vor allzu großer Euphorie. Vor allem die Verbraucher funktionieren nicht immer so gut, wie es sich die Technikexperten wünschen. Zu viel Service in jedem Haushalt sei nicht möglich, dafür stecke "nicht genug Geld zum Aufteilen drin". Auch ABB-Smart-Grid-Experte Jochen Kreusel, Vorsitzender der Energietechnischen Gesellschaft im VDE, schätzt: "Wenn wir in jeden Haushalt noch einen Servicetechniker schicken müssen, klappt es nicht." Maximilian Irlbeck von der TU München, zuständig für die IKT-Evaluation des E-Energy-Programms, kritisierte Mängel bei der Hardwaresicherheit. Manche Systeme könne man dem Kunden nicht selbst überlassen.

Die Verbraucher benötigen neben einfach zu bedienender Technik finanzielle Anreize. Für Holger Krawinkel von der Verbraucherzentrale könnte das künftig eine Flatrate sein, die komplizierte Abrechnungen ersetzt. RWE-Manager Jürgen Tusch wünscht sich ebenfalls verbraucherfreundliche Lösungen. Im Idealfall fände es der Verbraucher "genauso cool, an der Energiewende teilzunehmen wie ein iPhone zu benutzen".

Was jetzt noch fehlt, ist eine Roadmap seitens der Bundesregierung. Roger Kohlmann vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft will sie schnell, "damit wir in Smart Grid investieren können". Die nächste Regulierungsperiode stehe bei der Bundesnetzagentur für 2016 an, wenn aber niemand wisse, was kommt, dann würde es auch mit den Investitionen nicht funktionieren.

Hinzu kommt die Befürchtung, dass der kommende Wahlkampf alle Initiativen stoppt. Aus den Ministerien kamen hoffnungsvolle Versprechen. Berthold Goeke, Ministerialdirigent im Bundesumweltministerium, sieht sein Haus zwar auch "vor der Umschaltung in den Wahlkampfmodus", versprach aber: "Wir Beamte stehen bereit, das Jahr zu nutzen." Sein Kollege Andreas Goerdeler vom Bundeswirtschaftsministerium ergänzte: "Hier wird weitergearbeitet, trotz der Wahl." BIRGIT BÖHRET

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