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Donnerstag, 14. Dezember 2017

Formula Student 2012

"Wer kleine Motoren beherrscht, tut sich leicht, das auch an großen umzusetzen"

Von Regine Bönsch | 20. Juli 2012 | Ausgabe 29

Ulrich Dohle ist begeistert vom studentischen Konstruktionswettbewerb. Der Technik-Vorstand der Tognum AG, die Motoren für Schiffe, Lokomotiven und riesige Bergbaufahrzeuge baut, ist überzeugt davon, dass sich vieles von der Arbeit am kleinen Rennboliden auf große Maschinen übertragen lässt: "Vom Prinzip her sind es Verbrennungsmotoren, die den gleichen thermodynamischen Gesetzen folgen und vom Aufbau her sehr ähnlich sind."

VDI nachrichten: Dr. Dohle, Sie gelten als besonderer Freund der Formula Student. Warum mögen Sie diesen Wettbewerb so gerne?

Dohle: Zum einen ist dieser Wettbewerb in einigen Belangen durchaus mit den realen Formelrennen zu vergleichen. So wird auch hier sehr hart an technologischen Konzepten gearbeitet, um Rennwagen beweglich, schnell und gut handhabbar zu machen. Und, es ist erstaunlich, mit welch überschaubarem Mitteleinsatz hier gute Ergebnisse erzielt werden. Das macht einen Techniker wie mich auf jeden Fall neugierig.

Tognum sponsert einige Teams. Kann Ihr Unternehmen von der Formula Student profitieren?

Wir sind in der Breite als Sponsor tätig. Zum einen als Hauptsponsor des gesamten Konstruktionswettbewerbs Formula Student Germany. Hinzu kommen acht Hochschulteams, die wir konkret unterstützen. Das reicht bis hin zum internationalen Team der Oregon State University mit der Dualen Hochschule Ravensburg/Friedrichshafen.

Außerdem haben wir 2012 zum zweiten Mal einen Preis ausgelobt für das innovativste Antriebssystem. Einige meiner Abteilungsleiter sind als Juroren mit viel Spaß dabei und bewerten den Antriebsstrang vom Motor mit Getriebe bis hin zum Differential. Wir wollen auf jeden Fall signalisieren, dass unsere Firma ein hohes Interesse an der Veranstaltung hat.

Nun kommt Tognum ja von den großen Antriebssträngen für Schiffe, die eine ganz andere Dimension haben als die kleinen Formula-Student-Motoren. Kann man das vergleichen oder liegen Welten dazwischen?

Sicher, wir bauen hier große Motoren bis hin zu knapp 10 MW Leistung, also rund 13 000 PS. Aber vom Prinzip her sind es Verbrennungsmotoren, die den gleichen thermodynamischen Gesetzen folgen und vom Aufbau her sehr ähnlich sind. Natürlich brauchen wir andere Lösungen für mechanische Elemente, allein wegen des Gewichts unserer Bauteile. Auf der anderen Seite sind aber für uns auch Lösungen, die im Kleinmotorenbau – also bei Pkw oder Rennwagen – zum Tragen kommen, höchst interessant, bei der Einspritzung, dem Aufladen und vielem anderen mehr. Es gibt viele Ähnlichkeiten. Wer kleine Motoren beherrscht, tut sich leicht, das auch an großen umzusetzen.

Sie gehen also nicht als Lokführer ins Miniaturwunderland in Hamburg? Es gibt noch mehr Ähnlichkeiten, oder?

Die Physik ist dieselbe. Bei den Kleinmotoren kommt es darauf an, aus kleinen Hubräumen viel Leistung rauszuholen. Da haben wir andere Spielräume. Aber auch bei uns geht es darum, Leistung zu maximieren, Emissionen und Verbrauch zu minimieren. Die Grundprinzipien eines effizienten Motors und dessen Komponenten müssen im Kleinen wie im Großen beherrscht werden. Also hohe Ähnlichkeiten und daher auch bei uns das große Interesse daran, den ein oder anderen der angehenden Ingenieure für Tognum zu gewinnen bzw. mit ihnen in Kontakt zu bleiben. Wir wollen über das Sponsorship die Menschen ansprechen, die an diesem Wettbewerb teilnehmen.

Gab es denn schon mal eine tolle Idee aus der Formula Student, die sie in Ihre Großmotoren integrieren konnten?

Also eine eins zu eins patentfähige Lösung gab es so sicherlich noch nicht. Aber uns besticht gerade immer wieder diese Einfachheit bei den dort gefundenen Lösungen. Die Einfachheit bei Ingenieurslösungen ist auch für uns ein Ziel. Es muss nicht immer die teuerste Lösung sein, sondern sie sollte einfach, robust und effizient sein. Entscheidend: Die Denkweise und die Methodik sind durchaus übertragbar.

Wie wichtig ist der Teamgedanke?

Bei der Formula Student finden sich junge Studenten und Studentinnen in Teams zusammen und leisten gemeinsam Erstaunliches. Das ist genau die Sorte Mensch und Ingenieur, die wir im Unternehmen suchen. Der Wettbewerb ist eine gute Schule, um nachher in der Entwicklung oder in der Produktion erfolgreich zu sein.

Nur mit ersten Geigen können Sie kein Orchester bestücken. Teamgeist ist dabei nicht nur ein gutes Stück Ingenieurskunst. Ein erfolgreiches Unternehmen, das heute flexibel auf viele Veränderungen reagieren muss, kann das nur gemeinsam bewältigen. In einem Team, in dem sich die Menschen auch aufeinander verlassen können.

Ein großer Trend ist die Elektromobilität – auch bei der Formula Student. Fördern Sie auch E-Teams?

Tognum unterstützt unter anderem das E-Team der DHBW-Ravensburg in Friedrichshafen. Wir sind zwar im Kern ein Hersteller von Verbrennungskraftmaschinen – im Wesentlichen mit Diesel, aber auch mit Gas als Brennstoff. Aber aktuell arbeiten wir auch an Hybridlösungen, wo Elektromaschinen in Kombination mit dem Verbrennungsmotor eingesetzt werden. Reine Elektroantriebe für unsere Anwendungen, also für Schiffe, Lokomotiven, große Bergbaufahrzeuge und Trucks, sehe ich zurzeit allerdings nicht.

Was wenige wissen: Die Mining-Trucks im offenen Tagebau mit 400 t Fassungsvermögen fahren alle dieselelektrisch: ein Dieselmotor, dahinter sitzt ein Generator, der eigentliche Antrieb sind dann Elektromotoren, die am Rad sitzen. Das sind keine Voll-Hybride, weil sie keinen Energiespeicher haben, und beim Bremsen wird nicht rekuperiert, also keine Energie zurückgewonnen.

Vor allem sind ja dort, wo Ihre Anwendungen laufen, im Braunkohleabbau oder auf hoher See, wenig Steckdosen vorhanden ...

Das stimmt. Es gibt ohne Zweifel Anwendungen wie reiner Stadtbetrieb oder kleine Reichweiten, die für die Elektromobilität sehr interessant sind. Und es ist einfach genial, die Kreativität der jungen Leute auf dem Hockenheimring auch in Sachen E-Mobilität zu betrachten. Auch wenn heute nach über 100 Jahren Verbrennungsmotorgeschichte der Diesel oder der Benziner nicht mehr so sexy sein mögen, auch für diese Motoren gibt es noch hochspannende Lösungen zu entwickeln.

Tognum ist nicht mehr Tognum alleine, sondern gehört mittlerweile Daimler und Rolls-Royce. Verändert das etwas an dem Formula-Student-Engagement?

Nein, das spielt keine Rolle. Unsere neuen Eigner sind beide hochinnovative Firmen. Daimler engagiert sich bereits stark im Rennsport. Rolls-Royce fördert sehr stark die Ausbildung und hat viele Lehrstühle gesponsert. Sie versuchen an vielen Orten der Welt die Ingenieurausbildung und das Standing des Ingenieurs in der Gesellschaft zu verbessern. Mit der Formula Student rennen wir deshalb offene Türen ein.

Sie haben Maschinenbau an der RWTH Aachen studiert. Hätten Sie sich eine Formula Student auch während Ihres Studiums gewünscht?

Aber ganz bestimmt. Ich hab den Studenten auch schon gesagt, wie sehr ich sie beneide. Das hätte mich auch gereizt.

Haben Sie vor, dieses Jahr auch zur Formula Student zu gehen?

Ich versuche das in meinen immer sehr vollen Terminplan einzubauen.

  REGINE BÖNSCH

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