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Donnerstag, 12. Januar 2017, Ausgabe Nr. 01

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Energiespeicherung

Akkus aus Elektroautos als Pufferspeicher für Ökostrom

Von Ralf Köpke | 13. November 2015 | Ausgabe 46

Erst im Mai hatte Daimler angekündigt, für sein Tochterunternehmen Deutsche Accumotive ein alternatives Geschäftsfeld mit stationären Energiespeichern aufbauen zu wollen. Letzte Woche ließ der Automobilhersteller erste Taten folgen.

w - Recyclingbatterie BU
Foto: Daimler AG

Schippen für die Energiewende: Remondis-Chef Klemens Rethmann, Uwe Beckmeyer, Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Daimler-Chef Dieter Zetsche, Karl Gerhold, CEO des Energiedienstleisters Getec, und Thomas Raffeiner (CEO von The Mobilty House) (von links) starteten letzte Woche die Bauarbeiten für den mit 13 MWh weltgrößten stationären Batteriespeicher im westfälischen Lünen.

Der Stuttgarter Automobilkonzern Daimler will zusammen mit dem Energiedienstleister Getec und The Mobility House, einem Spezialisten für Ladestationen, einen XXL-Batteriespeicher bauen. Das Besondere: Die eingesetzten Batterien stammen aus Elektroautos. Mit einer Kapazität von 13 MWh wird dieser sogenannte Second-Use-Speicher der absehbar weltweit größte seiner Art sein. Zusammen investieren die Partner, wie zu hören ist, einen einstelligen Millionenbetrag – ohne öffentliche Förderung.

„Diese Zweitnutzung hilft nicht nur, die Klimabilanz unserer E-Autos zu verbessern, sondern ist ein weiterer Baustein auf dem Weg zur Energiewende“, betonte Daimler-Chef Dieter Zetsche Anfang November beim offiziellen Spatenstich auf dem Werksgelände des Recyclingunternehmens Remondis in Lünen vor den Toren von Dortmund. Anfang des nächsten Jahres soll der Speicher in Betrieb gehen. Die Großbatterie soll helfen, die Schwankungen im Stromnetz auszugleichen, die durch die fluktuierende Einspeisung wachsender Ökostrommengen entstehen.

In dem Großspeicher werden im ersten Schritt vor allem rund 650 Lithium-Ionen-Module eingesetzt, die aus der E-Smart-Testflotte von Daimler stammen. Vorgesehen sind nach Abschluss aller Ausbaustufen bis zu 2000 Batterien, die – so weit es geht – aus Elektroautos von Daimler stammen sollen.

Auf einer Art Hochregallager in einer eigens gebauten Halle werden die Akkus gelagert und zusammengeschaltet. „Genau diese Zweitnutzung macht den eigentlichen wirtschaftlichen Kick aus“, erläuterte Karl Gerhold, Chef der Getec-Gruppe, in Lünen. „Mit neuen Batterien lägen die Kosten spezifisch doppelt so hoch.“ Bereits für das kommende Jahr sind nach seinen Worten zwei weitere Speicherprojekte vorgesehen.

Zusammen mit Mobility House wird Getec den Speicher in Lünen betreiben. „Den Strom wollen wir vor allem an den Regelenergiemärkten vermarkten“, so Gerhold. Zwar ist das ein Nischenmarkt in der Energiewirtschaft, aber einer, auf dem sich zurzeit anders als mit der konventionellen Energieerzeugung noch Geld verdienen lässt.

Getec-Chef Gerhold sieht in den Speichern mit gebrauchten Elektroautobatterien ein neues Geschäftsfeld mit Perspektive: „Die Zahl der Elektroautos wird sicherlich, wenn auch nicht so schnell wie politisch gewünscht, steigen, so dass für eine weitere Nutzung der Betriebsakkus das Volumen größer wird.“ In der Regel tauschen die Autohersteller die Batterien aus, wenn sie etwa 20 % weniger Kapazität haben. „Dann können wir sie weitere zehn Jahren nutzen“, so Gerhold.

Erst danach ist das Recycling der Batterien vorgesehen, ein Grund, warum die Remondis-Gruppe als weiterer Partner in das Projekt mit eingestiegen ist. Im ersten Schritt beschränkt sich das Engagement allerdings auf die Verpachtung des Geländes an das Konsortium um Daimler. „Bei uns im Haus laufen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten, wie sich diese Batterien künftig am besten wiederverwerten lassen“, ließ Klemens Rethmann, Chef der Remondis-Gruppe, durchblicken. Steigen die Stückzahlen der nicht mehr benötigten Antriebsakkus, wird das Wiederverwertungsgeschäft für sein Unternehmen interessant.

Remondis ist auf industrielles Recycling spezialisiert. Bei Autoantriebsbatterien lässt sich neben dem metallischen Gehäuse unter anderem Lithium und Kupfer wieder verwenden. Bei den bisherigen Schredder- und Einschmelzverfahren der Autobatterien bleiben diese Wertstoffe ungenutzt. Zetsche rechnet angesichts der steigenden Nachfrage nach Elektroautos mit weiter sinkenden Preisen für Speichersysteme: „Für das kommende Jahr gehen wir von einem Rückgang in Höhe von 20 % aus.“

Mit dem Second-Use-Speicher sind Daimler, Getec, The Mobility House und Remondis nicht allein auf weiter Flur unterwegs. Für das kommende Jahr hat BMW zusammen mit Bosch und Vattenfall ein Speicherprojekt mit Altbatterien in Hamburg angekündigt. Mit einer Kapazität von 2 MWh ist der Batteriespeicher um einiges kleiner als der in Lünen. Für das Projekt sind 100 gebrauchte Batterien vorgesehen, die in BMW-Elektrofahrzeugen vom Typ ActiveE und i3 eingesetzt waren. 

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