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Sonntag, 17. Dezember 2017

Mobilfunk

Apple macht iPhone fit in Technik und Preis

Von R. Bönsch | 7. Oktober 2011 | Ausgabe 40

Die Welt wartete am Dienstagabend auf ein iPhone 5 und heraus kam ein iPhone 4S. Doch während Börsianer Apple-Chef Tim Cook und seine Mannschaft mit Kursverlusten abstraften, wissen technikaffine Blogs und Newsdienste die neuen Features des Geräts zu schätzen. Im hart umkämpften Smartphone-Markt ist Technik neben Preis und Patenten ohnehin nur eine Stellschraube für den Erfolg.

"Brauche ich heute einen Regenmantel?", fragte Scott Forstall, iPhone-Software-Manager, am Dienstagabend cora publikum das neue Smartphone von Apple. Prompt antwortete der intelligente Assistent siri: "Es sieht nach Regen aus." Apple wagt sich mit dem iPhone 4S auf das heikle Feld der Sprachsteuerung. Eines der neuen technischen Merkmale des überarbeiteten Geräts.

Und es gibt noch mehr: Dank neuem Dual-Core-Prozessor sei es bei grafisch aufwendigen Spielen siebenmal schneller als sein Vorgänger, betonte Phil Schiller aus dem Produktmarketing. Die Antennentechnik ist überarbeitet, der Akku soll länger halten, der 8-Megapixel-Sensor verspricht eine höhere Kameraauflösung. Über das neue Betriebssystem iOS5 ist Synchronisierung drahtlos möglich.

"Wie verbessert man ein Hit-Produkt?", fragte Schiller die Zuhörer provozierend und rückte damit laut Alex Oma vom iPhone-Blog die "komplette Renovierung unterhalb der zwei Glasscheiben" in den Vordergrund. Das Gehäuse bleibt, wie es ist. Damit, so Oma, folge Apple gängigen Regeln der Computerindustrie, die ebenfalls nicht im einjährigen Hardwarezyklus neue Notebook-Designs ins Regal stelle.

"Auf die inneren Werte kommt es an", so titelte denn auch Heise online. Doch, das scheint den Analysten nicht weit genug zu gehen. "Es hat 16 Monate gedauert und nun gibt es nur einen A5-Prozessor", kritisierte Collin Gillis von BGC Partners und spricht damit für viele seiner Kollegen.

Im hart umkämpften Smartphone-Markt, so unken schon jetzt einige, dürfte Apple so seiner Führungsrolle nicht gerecht werden. Zumal die Konkurrenz – allen voran Samsung, HTC, LG, aber auch Sony Ericsson, Huawei und ZTE – seit Monaten mit schnelleren Prozessoren, größeren Displays, besseren Kameras oder ersten LTE-Geräten punktet.

Wen wundert''s: Kaum ein Hightechmarkt erweist sich dynamischer als der Smartphone-Markt. Laut Bitkom werden allein in Deutschland 2011 rund 29 Mio. Handys verkauft. Vor allem der Absatz der intelligenten Varianten legte um 36 % gegenüber Vorjahr auf 10,1 Mio. Stück zu. Damit ist hierzulande jedes dritte verkaufte Handy ein Smartphone. Weltweit soll laut IMS Research noch in diesem Jahr die Marke von 420 Mio. verkauften Geräten überschritten werden.

Dabei liefern sich laut Kevin Restivo, Senior Research Analyst von IDC, die Top-5-Hersteller ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Löste im zweiten Quartal Apple den langjährigen Primus Nokia ab, so kann es nach Restivos Einschätzung an der Marktspitze auch schnell wieder zu einem Wechsel kommen. Samsung dürfte dabei besonders gut im Rennen liegen. Prompt teilte der südkoreanische Elektronikkonzern am Mittwoch mit, dass es in Frankreich und Italien patentrechtlich gegen den Verkauf des neuen iPhone 4S vorgehen wolle.

Wenige Stunden vor der iPhone-Präsentation kündigte Nokia-Chef Stephen Elop auf einer Messe in Helsinki an, dass sein Unternehmen im Herbst erste Smartphones – die Rede ist von mehreren – auf Basis von Windows Phone herausbringen werde. Schließlich wollten die Finnen in Kooperation mit Microsoft Apple ebenso wie Google nebst seinem Betriebssystem Android Paroli bieten. Es ging darum, so Elop, ein "eigenes Ökosystem" aufzubauen.

Doch nicht die Finnen, sondern Konkurrenten lieferten Neuigkeiten rund um das mobile Betriebssystem des IT-Riesen. Allein sieben Lizenzverträge schloss Microsoft in den letzten drei Monaten. Zur IFA zeigte HTC, die Nr. 5 im Smartphone-Markt, erste Geräte. Microsoft-Manager Achim Berg, weltweit für die Vermarktung von Windows Phone 7 verantwortlich, sprach von den Taiwanern als "immens wichtiger Partner".

Erst letzte Woche "hüpfte Samsung zu Microsoft ins Bett", wie der Dienst German.China.org es formulierte. Immerhin brillieren die Koreaner aktuell mit ihren hochwertigen Galaxy-Smartphones, die auf Basis des Google-Betriebssystems Android laufen. Es ist also jede Menge Musik im Smartphone-Markt und das nicht nur bei Apple.

Eines allerdings darf bei allen Diskussionen um die Technik nicht vergessen werden: Auch der Preis entscheidet über die Marktanteile. Und da hat Apple mit der Inthronisation des iPhone 4S deutlich abgespeckt. Eine Preisoffensive, die sich vor allem in Schwellenländern bemerkbar machen könnte. Beispiel Indien: Hier soll sich der Markt für Smartphones bis 2015 auf über 81 Mio. Geräte verachtfachen. Doch iPhones werden auf dem Subkontinent kaum verkauft. So hat Apple im zweiten Quartal 62 043 iPhones in Indien verkauft – weniger als in Norwegen, Belgien oder Israel. Vielleicht waren also die günstigeren Preise des iPhone 4S und aller Vorgängermodelle die eigentliche Nachricht vom Dienstagabend. R. BÖNSCH

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