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Donnerstag, 16. November 2017, Ausgabe Nr. 46

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NAIAS 2015

Automobile Leistungsschau in Detroit

Von Michael Specht | 16. Januar 2015 | Ausgabe 03

Beflügelt von günstigen wirtschaftlichen Vorzeichen boomt der US-Automarkt. Das spiegelt sich auch auf der diesjährigen North American International Auto Show (NAIAS) wider. Die deutschen Hersteller setzen in Detroit auf automobile „Dickschiffe“ und leistungsstarke Motorisierung. Ein Überblick.

Automobilie Leistungsschau Detroit_BU_1
Foto: M. Blinch/Reuters

Applaus vom Boss: Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche hat auf der Automesse in Detroit gut lachen. Der US-Markt boomt – und verlangt nach leistungsstarken Oberklasse-Modellen wie dem neuen GLE-Coupé.

Die Kauflaune der Amerikaner ist ungebrochen. Das gilt besonders beim Thema Auto. Über 16,5 Mio. Neuwagen wurden im vergangenen Jahr in den USA zugelassen. Nährboden für den Boom sind niedrige Zinsen, eine starke Wirtschaft und günstige Benzinpreise, die momentan bei unter 50 Euro-Cent pro Liter liegen. Für das nächste Jahr prophezeien Experten sogar knapp 18 Mio. Neuzulassungen.

Der US-Automarkt in Zahlen

 Das wäre eine neue historische Höchstmarke. „Amerika hat sich wieder zur Wachstumslokomotive der Autobranche entwickelt“, sagt Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Center Automotive Research der Universität Duisburg-Essen. „Der Ölpreiseffekt wird die Vorliebe für größere bis riesige Autos verstärken“, prophezeit sein Kollege Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management (CAM).

Entsprechend positiv ist die Stimmung auf der North American International Auto Show (NAIAS), die in Detroit jeden Januar das neue Autojahr einläutet und als wichtiges Trendbarometer der Branche gilt. Von Zurückhaltung keine Spur. Motto: „Big is beautiful“. Besonders die „Big Three“ General Motors (GM), Ford und Chrysler, einst krisengeschüttelt, strotzen bei ihrem Messe-Heimspiel geradezu vor neuem Selbstbewusstsein. Allen voran Ford. Das Unternehmen aus dem nahe gelegenen Dearborn baut nicht nur seit 38 Jahren das meistverkaufte Modell Amerikas, den zuletzt rund 750 000 Mal pro Jahr verkauften Pickup der Baureihe F-150. Es will auch zeigen wie „ultimative Hochleistungssportwagen“ (Bill Ford) auszusehen haben. Der GT soll in der Liga von Lamborghini und Ferrari mitmischen, spätestens ab Herbst 2016.

Ähnlich potent präsentiert sich Acura, Hondas US-Nobelmarke. Wer beachtet auf dem Stand schon die jüngste Brennstoffzellentechnologie im ausgestellten FCV, wenn ein paar Meter weiter die Neuauflage des Supersportlers NSX mit 405-kW-Sechszylinder auf Käufer wartet? Überhaupt tun sich alternativ angetriebene Autos schwer in Detroit. Bei der Branchenschau stehen sie im Schatten der auf Hochglanz polierten Supersportler und schluckfreudigen XXL-SUVs, die mit den Hostessen im Cobo-Center um die Wette strahlen.

 Der NSX soll nach Willen seiner Macher den „Sportwagen der Zukunft“ verkörpern. Das heißt konkret: auf der einen Seite extreme Fahrleistungen bieten und gleichzeitig das grüne Gewissen befriedigen. Möglich machen soll das ein intelligenter Materialmix – und ein tiefer Griff in die konstruktive Trickkiste. Herausgekommen ist eine Leichtbaukombination aus Alu-Space-Frame-Chassis, Karbon-Karosserie, Aluminium-Fahrwerk, ein V6-Verbrenner und insgesamt drei Elektromotoren, von denen zwei unabhängig bremsen oder beschleunigen können sowie Neungang-Doppelkupplungsgetriebe. Die Japaner schwärmen von „unvergleichlicher Fahrdynamik“, die man bei einem Preis von rund 150 000 $ wohl auch erwarten kann. Gebaut wird der NSX, der unter der Marke Honda auch in Europa verkauft wird, ausschließlich in Amerika.

Für erstaunte Gesichter im Cobo-Center sorgte auch Buick. Die GM-Tochter, bringt erstmals seit 25 Jahren wieder ein Cabriolet auf den Markt. Der Cascada ist allerdings ein Abklatsch vom gleichnamigen Opel und wird aus Polen importiert. Zugleich ein Beispiel für den transatlantischen Transfer von deutschen Ingenieurleistungen im GM-Konzern. Denn konstruiert wurde der Oben-Ohne-Flitzer im internationalen technischen Entwicklungszentrum in Rüsselsheim, wo über 6000 Ingenieure arbeiten.

Vom Auto-Boom auf dem US-Markt profitieren erneut die deutschen Hersteller. BMW kann mit 339 738 Einheiten seinen Titel „stärkste deutsche Premium-Marke“ behaupten. Nur knapp dahinter: Mercedes mit 330 391 Auslieferungen. Audi bleibt mit 182 011 Einheiten zwar auf Abstand, meldet für sich jedoch ein Rekordergebnis – das fünfte in Folge. Genau wie Porsche. Die Schwaben kommen mit der Produktion kaum nach. 47 007 Autos fanden 2014 den Weg in die USA.

Während bei den Premium-Marken die Korken knallen, bleibt bei der Kernmarke Volkswagen die Situation angespannt. Der Passat läuft nicht wie erwartet. Stückzahlen macht nur der Jetta. Insgesamt setzte VW in den USA lediglich 367 000 Autos ab, 10 % weniger als 2013. Damit rückt das US-Absatzziel für 2018 in weite Ferne. Konzernchef Martin Winterkorn nannte einst die Marke von 800 000 Auslieferungen. Lösen soll das Dilemma ein Midsize-SUV, der bereits im vergangenen Sommer u. a. von VW-Konzernbetriebsrat Bernd Osterloh im Interview mit den VDI nachrichten vehement eingefordert wurde (s. Ausgabe 24/2014).

Wie dieses aussehen könnte, zeigen die Wolfsburger in Form der Studie Cross Coupé GTE. Sie gibt Ausblick auf das Design, mit dem man zukünftig in Amerika auftreten und verlorenes Terrain zurückerobern will. Während das Concept Car (Länge: 4,85 m) allerdings fünf Sitzplätze aufweist, wird die Serienversion (Länge: 4,99 m) sieben haben. Um auch preislich familienfreundlich zu bleiben, basiert das spätere SUV wie das Cross Coupé auf der maximalen Auslegung des modularen Konzernbaukastens MQB. „Dieser ist in der Lage, auch einen Sechszylindermotor aufzunehmen“, sagte VW Entwicklungschef Jacob-Heinz Neußer auf der Messe. Und: „Da ist noch mehr in der Pipeline“, ergänzte Konzernlenker Martin Winterkorn vieldeutig.

Foto: Volkswagen

Hoffnungsträger: Ein Mittelklasse-SUV auf Basis von VWs seriennaher Studie Cross Coupé GTE soll die Lücke in der US-Modellpalette der Wolfsburger schließen.

Beim in Detroit gezeigten Exponat handelt es sich um einen 3,6-Liter-VR6 mit 206 kW. Im Cross Coupé steckt zusätzlich ein Plug-in-Antrieb. Der Verbrenner arbeitet zusammen mit zwei Elektromotoren. Ein kleinerer mit 45 kW sitzt an der Vorder-, ein größerer mit 85 kW an der Hinterachse. Gebaut wird das Mittelklasse-SUV ab Ende 2016 im VW-Werk Chattanooga. Ein Coupé soll 2017 folgen.

SUVs, die Lieblinge der Amerikaner, stehen auch bei Audi und Mercedes auf der Detroiter Prioritätenliste. Die Ingolstädter nutzen die Bühne für die Premiere ihres neuen Q7. Die zweite Generation wiegt 325 kg weniger, bleibt damit unter zwei Tonnen Gesamtgewicht. Anbieten will man den Q7 erstmals auch mit Plug-in-Technik („e-tron“). Dabei setzt Audi – ganz unamerikanisch – auf eine Kombination mit Dieselmotor. Der 3,0-l-TDI-V6 leistet 190  kW, die E-Maschine 94 kW. Im Verbund ergibt das eine Systemleistung von 275 kW und ein maximales Drehmoment von 700 Nm. An Akkukapazität brachten die Ingenieure insgesamt 17,3 kWh unter. „Der neue Q7 e-tron kann 56 km im E-Modus fahren“, sagt Entwicklungsvorstand Ulrich Hackenberg. Rechnerisch schafft Audis SUV somit einen Normverbrauch von nur 1,7 l/100 km.

Mercedes reagiert nun endlich auf die Verkaufserfolge des BMW X6 und zeigt seinen – buchstäblich – schrägen Geländewagen GLE Coupé. Und weil die Münchener in Kürze die neue Generation des X6M mit 423 kW an den Start schicken, lassen auch die Stuttgarter ihr entsprechendes Pendant auf die Bühne fahren, mit dem sie die Nische zwischen den traditionellen Segmenten besetzen wollen. Name: GLE 63 AMG Coupé. Unter dem Blech steckt ein 5,5-l-Biturbo-V8 mit bis zu 430 kW.

Neben Modellen mit hoher Leistung parken auf dem Mercedes-Stand allerdings auch welche mit hoher Effizienz. Weltpremiere feiert die Plug-in-Hybrid-Variante (PHEV) der C-Klasse. Die Stuttgarter kombinieren eine 60 kW starke E-Maschine mit einem 2,0-l-Vierzylinder-Benziner (155 kW) und versprechen 31 km elektrische Reichweite und 48 g/km CO2-Ausstoß. Der C 350e ist ab März im Handel und bildet den Auftakt einer ganzen Reihe von PHEV-Versionen. „Bis 2017 werden wir insgesamt zehn Plug-in-Modelle im Portfolio haben“, sagt Entwicklungsvorstand Thomas Weber.

Auf null lokale Emission setzt General Motors. Amerikas größter Autobauer lässt sich vom Misserfolg des Chevrolet Volt nicht abschrecken, der trotz einer ausgeklügelten Antriebsstrategie bisher auf beiden Seiten des Atlantiks kaum Käufer fand. Besonders klassische Plug-in-Hybride haben dem Volt und seinem Zwillingsbruder Opel Ampera den Rang abgelaufen, bevor sie aus den Startlöchern kamen, indem sie denselben Reichweitenvorteil wie der vorrangig für Elektrobetrieb ausgelegte Volt realisieren. Dessen ungeachtet bringt GM beim Messe-Heimspiel die zweite Generation des E-Autos mit Range Extender an den Start. „Wir haben den Wagen rund 50 kg leichter gemacht, die Effizienz verbessert und die elektrische Reichweite um 35 % auf 80 km erhöht“, so GM-Chefin Marry Barra.

Foto: Daimler

„Bis 2017 werden wir insgesamt zehn Plug-in-Modelle im Portfolio haben.“ Thomas Weber, Entwicklungsvorstand der Daimler AG.

Und elektrisiert das Publikum gleich mit einem zweiten Stromauto, dem Chevrolet Bolt, ein rein batterieelektrischer Kleinwagen (BEV) im BMW-i3-Format, aber mit doppelter Reichweite. Gewiss auch inspiriert vom Markterfolg des deutschen Konkurrenten steht der größte amerikanische Volumenhersteller offenbar vor einem „U-Turn“ in seiner Alternativen Antriebsstrategie.: Versicherten die Opel-Verantwortlichen noch 2011, dass sie BEV allenfalls als langfristige Nischenmodelle für den Stadtverkehr sehen und daher ausschließlich auf Range-Extender-Konzepte setzen, so zeichnet sich nun eine Kehrtwende ab.

Noch gilt der kleine Stromer offiziell als Concept Car. Doch Marry Barra versichert: „Dieses Auto ist kein Experiment, es ist für die Wirklichkeit.“ 2017 soll der Bolt beim Händler stehen – für umgerechnet rund 25 000 €.  

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