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Donnerstag, 21. September 2017, Ausgabe Nr. 38

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Produktion

China wird zum Schlüsselmarkt für innovative Werkzeugmaschinenbauer

Von Dietmar Kippels | 14. September 2012 | Ausgabe 37

Trotz Eurokrise: Die deutschen Werkzeugmaschinenbauer fühlen sich technologisch gut aufgestellt und malen kurz vor "ihrer" Herbstmesse AMB 2012 in Stuttgart nicht schwarz für das kommende Jahr. Die größten Marktchancen wachsen dabei in Übersee heran: China sehen Branchenexperten als weltweit wichtigsten Zukunftsmarkt mit besten Absatzchancen - und hohem Wettbewerbsdruck. Doch auch chinesische Anbieter "mit Heimvorteil" werden immer stärker.

Minus 13 % lautet das Fazit im Auftragseingang der deutschen Werkzeugmaschinenbauer für das erste Halbjahr 2012. Aber: "Das war zu erwarten aufgrund des hohen Vorjahresniveaus und signalisiert eine Normalisierung der Bestelltätigkeit", betont Wilfried Schäfer, Geschäftsführer beim Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken (VDW) Frankfurt. Trotzdem werde die Produktion wegen des nach wie vor hohen Auftragsbestands im laufenden Jahr sogar noch wachsen: "Unsere Prognose bleibt bei 6 %."

Auch die Aussteller auf der AMB 2012 sehen derzeit wenig Grund für pessimistische Prognosen. "Die Auftragseingänge sind zwar niedriger als im Vergleichszeitraum des Jahres 2011, aber wir haben keine Auslastungsprobleme und blicken vorsichtig optimistisch in das Jahr 2013", betont Rainer Hammerl, Geschäftsführer bei Traub/Index in Esslingen.

"Die deutschen Maschinenbauer sind gut aufgestellt und haben aus den Krisen der Vergangenheit gelernt. Wir sind zuversichtlich, dass trotz der Euroschuldenkrise und der Auswirkungen auf die Weltwirtschaft die Entwicklung für das Jahr 2012 sehr positiv ausfällt", so Dieter Kollmar, Geschäftsführer bei Emag in Salach.

"Im vergangenen Jahr waren die Auftragsbücher der Werkzeugmaschinenbauer mehr als gut gefüllt. Doch unsere Kernmärkte sind und bleiben hart umkämpft", ergänzt Torsten Brumme, Geschäftsführer der Schiess GmbH in Aschersleben. Weltweite Marktpräsenz sei für erfolgreiche Werkzeugmaschinenbauer deshalb ein entscheidendes Kriterium: "In China beispielsweise wird nach wie vor der Ausbau von Automobilproduktion, Flugzeug-, Schiffs- und Eisenbahnbau sowie des Energiesektors intensiv vorangetrieben."

Das sieht Kollmar ähnlich: "Die Bric-Staaten, allen voran China, nehmen eine Schlüsselrolle in der Werkzeugmaschinenindustrie ein. Denn ein Großteil der Produktion wird in diese Staaten verkauft." Daher sei die Präsenz und Produktion in diesen Ländern unabdingbar.

Zudem wurde laut Brumme in vielen chinesischen Unternehmen erkannt, welches Potenzial in der Verbindung deutscher Technologie mit chinesischer Produktionskraft liegt: "Die Schiess GmbH ist bereits seit 2004 unter dem Dach der Shenyang Machine Tool Group (SYMG) China tätig." Qualitative Optimierung sei vor allem innerhalb des Konzerns mit einem Kooperationsdenken verbunden.

Aber es gibt, so Brumme, deutliche Unterschiede in den Qualitätsstrategien: "Der chinesische Qualitätsansatz ist ein anderer als der deutsche, der manchmal über den tatsächlich vorhandenen Bedarf hinausgeht." Deshalb könnte "Made in China" sicherlich ein Qualitätssiegel werden, aber mit der Botschaft: "Der Kunde erhält solide Qualität, die den geforderten Ansprüchen entspricht."

"Für internationale Hersteller von Werkzeugmaschinen wird China auf absehbare Zeit der wichtigste Wachstums- und Absatzmarkt der Welt sein", prognostiziert Joachim Stieler, Geschäftsführer der Stieler Technologie- und Marketing-Beratung in Lörrach. Allerdings werde es auch zum härtesten umkämpften Markt – und die einheimischen Wettbewerber würden stärker. "Wer die Führung in seinem wichtigsten Absatzmarkt verliert, und der liegt für Werkzeugmaschinen in China, der wird mittelfristig auch auf dem Weltmarkt Probleme bekommen", warnt Stieler. Eine der wichtigsten Aufgaben für das Management etablierter Werkzeugmaschinenhersteller werde es deshalb sein, die hohe Innovationskraft in ihren Unternehmen zu bewahren.

"Deutsche Anbieter dürfen auf keinen Fall die chinesischen Wettbewerber unterschätzen", ergänzt Emag-Geschäftsführer Kollmar. Aber sie hätten nach wie vor einen technischen Vorsprung gegenüber den Chinesen, den sie nicht verschenken bzw. "verschlafen" dürften.

Welche Herausforderungen die nahe Zukunft bringt, haben die hiesigen Unternehmen erkannt – und reagieren mit praxisnaher Hightechintegration und effektiven Servicestrategien, wie die kommende AMB 2012 zeigen wird.

Eine wesentliche Herausforderung sieht Eberhard Abele in der kostengünstigen und zuverlässigen Bearbeitung neuer Werkstoffe und Produkte. "Die nächsten Jahre werden im Luftfahrtbereich durch Verbundmaterialien, doch auch durch die Zunahme von Titanwerkstoffen gekennzeichnet sein", so der Leiter des Instituts für Produktionsmanagement, Technologie und Werkzeugmaschinen (PTW) an der TU Darmstadt. Die Bearbeitung dieser anspruchsvollen Werkstoffe erfordere neue Werkzeugtechnologien, insbesondere auch neue Werkzeugmaschinenkonfigurationen, welche für die Bearbeitung dieser Materialien optimiert worden sind.

Als weiteren Entwicklungsschwerpunkt hat Abele die Integration verschiedener Fertigungsverfahren ausgemacht: "Der Rüst- und Einrichtaufwand wird reduziert. Produktionszeiten verkürzen sich und Fehlerpotenziale werden verringert. Das bringt einen erheblichen Beitrag zur Reduzierung der Stückkosten."

Diesen Trend unterstreichen die Exponate der diesjährigen AMB-Aussteller: So ist Technologieintegration ein Schwerpunkt auf dem Messestand von MAG-IAS aus Göppingen. Geschäftsführer Martin Winterstein: "Durch die Kombination komplementärer Bearbeitungsplattformen schaffen wir einen Mehrwert für unsere Kunden." Passende Beispiele sind für Winterstein das Honen auf Fräsmaschinen oder hauptzeitparalleles Anfasen, Entgraten und Bohren auf Wälzfräsmaschinen.

Auch Heller-Chef Klaus Winkler hat "Multitasking" als Kombination verschiedenster Bearbeitungstechnologien und Prozesse im Blick: " Wir beobachten aktuell den Trend zu sogenannten Multitasking-Maschinen und -Anlagen, wobei die Verwendung von flexiblen Standardprodukten kostengünstige Lösungen erlaubt."

Und Paul Buschle, Bereichsleiter Service bei Chiron in Tuttlingen, hat eine "Faustformel" für erfolgreiche Dienstleistungen rund um den Werkzeugmaschinenbau parat: "Die erste Maschine verkauft der Vertrieb, die zweite der Service. Denn wer schnell hilft, hilft doppelt." 
 DIETMAR KIPPELS

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