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Donnerstag, 14. Dezember 2017

Energieeffizienz

Das Zuhause wird zur Tankstelle

Von Wilfried Urbe | 18. Oktober 2013 | Ausgabe 42

Denkt man an das Thema Nachhaltigkeit, denkt man nicht unbedingt direkt an Porsche. Und doch hat der Automobilhersteller gemeinsam mit der Hülpert Gruppe jetzt in Recklinghausen ein Autohaus eingeweiht, das dem Konzern künftig als Vorbild und Modellprojekt gilt, wenn es um nachhaltiges Bauen geht.

Mit neuer LED-Technologie, einer Heizung, die aus Biomasse-Fernwärme gespeist wird, und verbesserten Bauteilen mit höheren Wärmedämmeigenschaften soll im neuen Porsche-Zentrum Recklinghausen der Jahresprimärbedarf an Energie im Vergleich zu herkömmlichen Autohäusern um 50 % gesenkt werden.

"Natürlich ist auch bei uns Nachhaltigkeit wichtig. Die Themen Umweltfreundlichkeit und E-Mobility beispielsweise nehmen im Rahmen des Porsche-Wachstumspfades eine bedeutende Rolle ein. Die deutsche Handelsorganisation wird in den nächsten Jahren fast 200 Mio. € investieren, um die infrastrukturellen Voraussetzungen für das Wachstum zu schaffen." Das sagt Klaus Zellmer, Vorsitzender der Geschäftsführung von Porsche Deutschland. Er betont: "Für unseren Panamera S E-Hybrid installieren wir außerdem durchgängig in jedem Porsche-Zentrum modernste Lademöglichkeiten für den Elektroantrieb."

Nach dem Motto "mein Haus – meine Tankstelle" eröffnete Bundeskanzlerin Angela Merkel bereits in Berlin das 120 m2 große "Effizienzhaus Plus", das anschließend von einer Familie rund 15 Monate bewohnt wurde. Jetzt endete das Experiment. Das Ergebnis: Mittels Wärmepumpe, Photovoltaikanlagen auf Dach- und Fassadenflächen, deren Energiegewinne wiederum in Hochleistungsbatterien gespeichert wurden, ist das innovative Bauwerk selbst ein kleines Kraftwerk, da es einen Überschuss an Strom produziert. Elektrofahrzeuge können an eigenen Ladestationen versorgt werden.

Mitentwickelt wurde dieses Modellprojekt vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) in Stuttgart. Der Teamleiter für den Bereich "Urban Systems" Steffen Braun ist sich sicher, dass das "Effizienzhaus Plus" zukunftsweisend ist: "Für uns ging es darum, die verschiedenen Themenfelder unter der Fragestellung zu kombinieren, wie können Energiekonzepte mit Mobilitätskonzepten und nachhaltigem Bauen zusammenkommen?"

Als Antwort kreierten die Stuttgarter in der Wettbewerbsphase ein "intelligentes System" für die Speicherung und das Management von Energieströmen. "Da hat besonders das Batteriekonzept eine große Rolle gespielt", sagt Braun. "Batterien aus Elektro-Autos, die irgendwann im Lebenszyklus nicht mehr wirtschaftlich im Fahrzeug einsetzbar sind, wurden gezielt im Haus eingesetzt, weil sie dennoch große Potenziale im stationären Bereich bieten." Auch die Gebäudehülle, ein Holzbau mit ökologischer Dämmung, sei hocheffizient gewesen. Jetzt könnte das Haus wieder zurück zur Natur kehren, denn es ist fast vollständig recycelbar, selbst die meisten Möbel und Gebrauchsgegenstände.

"Wir halten das Thema ‚E-Mobile‘ – als Beispiel für integratives und systemisches Denken – für eines der wichtigsten, wenn es um nachhaltiges Bauen geht", erklärt Braun, "also hier konkret die Mobilität als Aufgabe des Bauens und Wohnens." Der Diplom-Ingenieur schätzt, dass zurzeit in Deutschland erste wenige solcher Häuser existieren, bei denen Nachhaltigkeit in Verbindung mit E-Mobilität umgesetzt wird.

Die Kosten des Berliner Prototyps dürften für die meisten Familien hierzulande zu hoch sein, auch wenn es in Serienproduktion kostengünstiger würde. Allerdings ist es auch als Forschungsprojekt mehr Hightechdemonstrator als nur reines Wohnobjekt. "Normales" nachhaltiges Bauen dagegen ist jedenfalls erschwinglich geworden.

"Vor einigen Jahren hatte man vielleicht 20 % Mehrkosten bei Erstellung besonders energieeffizienter Bauten im Privatbereich, die sich über zehn bis 15 Jahre amortisierten", schätzt Braun, "mittlerweile sind es weniger, bald wird der Unterschied kaum noch spürbar sein, im gewerblichen Bau sieht es anders aus."

Bei der Hülpert Gruppe, zu der auch das Recklinghausener Porsche Zentrum gehört, war man allerdings für das innovative Konzept direkt offen, wie Geschäftsführer Michael Sprenger bestätigt: "Nachhaltigkeit ist für Automobilindustrie und -handel mittlerweile ein wichtiges Thema. Das betrifft nicht nur die Kostensenkung durch die Energieersparnis – Unternehmen müssen heute zeigen, dass sie bereit sind, auch Verantwortung für die Umwelt zu übernehmen." WILFRIED URBE

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