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Donnerstag, 14. Dezember 2017

Baulogistik

Deckenschalung wandert im Logistik-Takt

Von Elmar Wallerang | 18. Oktober 2013 | Ausgabe 42

Um Ablauf und Baufortschritt von Rohbauten zu optimieren, kommt es nicht zuletzt auf den gezielten Einsatz der Betonschalung an. Dank entsprechender Logistik dauerte bei einem Gewerbebaukomplex in Ditzingen bei Stuttgart die Rohbauzeit nur acht Monate. Es handelt sich um die Errichtung von vier Gebäuden mit jeweiliger Grundfläche von 70 m x 65 m bei zwei bis vier Geschossen.

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Beim zeitlichen Ablauf von Bauarbeiten spielt Logistik eine zentrale Rolle. Das gilt nicht zuletzt für den Rohbau. Ein Beispiel für entsprechendes Vorgehen liefert ein in Betonbauweise entstehender Gewerbebaukomplex des Bauherrn FOM Real Estate in Ditzingen bei Stuttgart, dessen Rohbau jetzt abgeschlossen wurde.

Dass die Bauausführenden schon nach acht Monaten Bauzeit den Richtkranz hätten hochziehen können, sei – so Anbieter Doka – nicht zuletzt der gezielten Vorhaltung der Ortbetonschalung zu verdanken.

Bei den vier Gewerbebauten der Gebäudeanlage kam eine Deckenschalung zum Einsatz, die ein Ausmaß von 10 000 m2 erreichte. Das Bemerkenswerte hierbei: Entsprechende Deckentische mussten für diese Gesamtfläche gleichzeitig zur Verfügung stehen. Eine besondere logistische Herausforderung, so der Schalungsanbieter.

Grundsteinlegung für die Gewerbebauanlage war am 19. Oktober 2012. Doch bereits für Mai 2014 hat das ausführende Bauunternehmen, die Stuttgarter Ed. Züblin AG, die schlüsselfertige Übergabe der neuen Liegenschaft an den Bauherrn geplant, was sich nicht zuletzt auf den zügigen Ablauf des Rohbaus zurückführen lässt. Dieser wurde am 14. Juni dieses Jahres abgeschlossen.

Im Ganzen entstehen auf dem 19 600 m2 großen Bauplatz in Ditzingen im Auftrag ein Parkhaus sowie vier Büro-, Entwicklungs- und Produktionsgebäude mit zwei bis vier aufgehenden Geschossen. Im Grundriss messen die einzelnen Gebäudeteile jeweils rund 70 m x 65 m, mit einem typischen Achsraster von 5,4 m x 5,4 m. Die aufgehenden Geschosse umschließen je einen rund 45 m x 39 m großen Lichthof. Jeweils an den Ecken verschneiden sich die Gebäudekörper über zwei Achsen um 13,5 m.

Den gesamten Baukomplex haben die Planer als Stahlbetonskelettkonstruktion mit elf aussteifenden Treppenhauskernen und Aufzugsschächten konzipiert, wobei die Decken in allen Geschossen weitgehend als Ortbeton-Flachdecken ausgeführt wurden. Die lichte Deckenhöhe beträgt in den unterkellerten Bereichen 3,65 m, im Erdgeschoss 4,35 m und 4,65 m und in den aufgehenden Geschossen 3,48 m. Einige Abschnitte des Untergeschosses reichen bis 8 m hoch ins Erdgeschoss.

Die Beschränkung der Rohbauzeit auf acht Monate sei durch eine spezielle Taktung der Arbeiten möglich geworden, erläutert Projektleiter Tomislav Pupacic des Stuttgarter Bauunternehmens. Dies bedeutete – so Züblin-Bauleiter Thomas Plag – eine Woche Arbeitszeit pro Decke und eine bis eineinhalb Wochen für die Ortbetonstützen, Wandscheiben und Fertigteilbrüstungen eines kompletten Geschosses.

Hieraus habe sich die Forderung nach weitgehend parallelem Arbeiten an allen vier Gebäudebereichen mit einem entsprechend hohen Bedarf an Schalungsmaterial ergeben, ergänzt Systemanbieter Doka. Das bedeutete eine hohe logistische Herausforderung für das Unternehmen. Man habe die Logistik so weit durchgeplant, dass in vielen Fällen "sogar Just-in-time-Lieferung sichergestellt war".

Unter anderem habe man für die Deckenschalung die kompletten Deckenfelder vorgehalten, betont Doka. Da es kein Fassadengerüst gab und ein Arbeitsraum von mindestens 80 cm Auskragung im Bereich der Deckenschalung zu berücksichtigen gewesen sei, habe sich die Stuttgarter Niederlassung des Schalungsanbieters entschlossen, spezielle Schalungstische ins Rennen zu werfen.

Der Anbieter nennt seine Entwicklung "Dokamatic-Tische". Diese erlaubten das einfache Versetzen der Deckenstützen, so dass sich auskragende Randtische mit Überständen von bis zu 1,5 m jederzeit erstellen ließen, erläutert Doka. Die Deckenstützen seien schwenk- und arretierbar, um ein einfaches Ausfahren in den hier überall vorhandenen Brüstungsbereichen zu gewährleisten.

Für die Gebäudeecken konstruierte Doka zwei spiegelbildliche Typen asymmetrischer Eckrandtische mit je 4,1 m x 3,4 m Fläche. Hiervon hat ein Schalungsvormontageteam des Anbieters drei und vier Stück direkt auf der Baustelle vorinstalliert. In den hohen Deckenbereichen bis 8 m wurde die Deckenschalung mit Traggerüsten unterstellt.

Für jeden der vier Gebäudebereiche stand ein kompletter Deckentischsatz mit entsprechender Nachlaufunterrüstung zur Verfügung. Die Deckentische wurden nur vertikal in die nächsthöhere Etage umgesetzt, "sprangen" also nicht zwischen den einzelnen Gebäudeteilen.

Insgesamt lieferte Doka rund 800 Deckentische der Größen 250 cm x 500 cm, 250 cm x 400 cm, 200 cm x 500 cm und 200 cm x 400 cm auf die Baustelle. Mit sieben Kranen stand so viel Kapazität für die Andienung zur Verfügung, dass man auf der Baustelle auf ein Tischhubsystem zum vertikalen Umsetzen der Deckentische habe verzichten können, so der Systemanbieter.

Sieben Sätze Schachtschalung aus Rahmenschalungselementen und Ausschalecken dienten als Innenschalung für die Schächte mit einer lichten Weite von bis zu 5,12 m x 3 m. Das Umsetzen erfolgte jeweils unzerlegt per Kran. Dazu wurde die Innenschalung mithilfe der Ausschalecken mit Spindel ausgeschalt, erläutert Doka, was ein Ausschalspiel von rundum 6 cm ergebe. Nach dem Zurückspindeln stand die Innenschalung wieder maßgenau zur Verfügung. Klettern ließ man die Schachtschalung auf Schachtbühnen, vom Doka-Fertig-
service vormontiert.

Die Wände der Untergeschosse und Wandscheiben der aufgehenden Geschosse entstanden ebenfalls mit Rahmenschalung. Bei den Ortbetonstützen mit 40 cm x 40 cm und 50 cm x 50 cm Querschnitt sorgte eine Stützenschalung für raschen Baufortschritt. "Kürzeste Aus- und Einschalzeiten ergaben sich durch einfaches Öffnen und Schließen der Schalung", so Doka. Es entfielen zeitaufwendige Montage- und Demontagearbeiten.

Nur ein einziger Kranhub sei zum Umsetzen der Schalungseinheit erforderlich gewesen, erläutert der Schalungsanbieter, komplett mit Einrichtstützen, Aufstiegssystem und Betonierbühne. Querschnittsänderungen hätten von 20 cm bis 60 cm im 5-cm-Raster jederzeit erfolgen können und erforderten keinen Schalhautwechsel. Die 21 mm dicke Schalhaut war von hinten verschraubt und hinterließ keine Abdrücke im Beton.

Die anfängliche Baustellenbetreuung seitens Doka erfolgte über einen Fachberater und einen technischen Projektleiter. "Bis alle Bauteile durchgeplant waren, nahmen beide Ansprechpartner an den wöchentlichen Baustellenbesprechungen teil", erinnert sich Doka. Hier habe man auch alle Schalungslieferungen und Baustellenabläufe abgeklärt. ELMAR WALLERANG

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