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Donnerstag, 21. September 2017, Ausgabe Nr. 38

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Halbleitermarkt

Deutscher Chipmarkt wächst solide

Von Werner Schulz | 16. Januar 2015 | Ausgabe 03

Der Umsatz mit Halbleitern ist in Deutschland 2014 um 7,2 % gewachsen und folgt damit dem Trend des Weltmarktes. Automobil- und Industrieelektronik sind die zwei Säulen dieses Erfolgs.

Halbleitermarkt Schulz_BU
Foto: Bosch

Autonomes Fahren mithilfe der Elektronik: Halbleiter finden im Auto immer neue Anwendungsfelder. Vor allem für deutsche und europäische Chipanbieter ist das ein lukrativer Markt.

Der Rückblick ist objektiv besser als gefühlt: 2014 ist der deutsche Inlandsmarkt für Halbleiter – also der Verbrauch, nicht die heimische Produktion – auf 11,3 Mrd. € angewachsen, mit einem auch für verwöhnte Chipstrategen gesunden Plus von 7,2 %. Auch im Rahmen der Weltwirtschaft ist das eine respektable Entwicklung.

Vor allem, wenn man sie vor dem Hintergrund der Finanzmarktkrise 2009 betrachtet. „Damit wird der deutsche Halbleitermarkt das Vorkrisenniveau von 2007 zum ersten Mal wieder deutlich überschreiten“, konstatierte Stephan zur Verth, Vorsitzender der Fachgruppe I Halbleiterbauelemente im ZVEI, kürzlich auf der jährlichen Pressekonferenz in München zur aktuellen Entwicklung der Halbleiterindustrie.

Auch für das europäische Umland des erstaunlich rund laufenden Konjunkturmotors Deutschland standen 2014 die Zeichen wieder auf „Go“: mit einer Zunahme von 6,5 % auf insgesamt 36 Mrd. $. Und damit fangen die üblichen Probleme der Statistik wegen des stark gesunkenen Euro-Kurses gegenüber dem Dollar an. Zur Verth: „Wir würden natürlich gerne in Euro berichten, aber der Halbleiterweltmarkt ist nun mal Dollar-basiert.“

Zum Ausblick auf das neue Jahr: 2015 erwartet der ZVEI ein Wachstum des Inlandsmarkts um nur mehr 5% auf rund 12 Mrd. €, und der europäische Markt soll um 3 % auf 37 Mrd. $ wachsen. In der Marktdynamik dürfte 2015 das Jahr 2014 nicht erreichen, und schon gar nicht übertreffen.

Doch 2015 wird es auch im Weltmarkt leicht gebremst vorangehen: mit einem Anstieg um 4 % bis 5 % (nach 7,9 % 2014, s. Beitrag unten) auf dann 345 Mrd. $. „Der Halbleitermarkt hat sich zu einem sogenannten ‚erwachsenen Markt‘ entwickelt“, kommentiert zur Verth. „Das Wachstum liegt dabei im Durchschnitt um 5 % pro Jahr.“

Mit seinem stabilen industriellen Abnehmerkreis hat der deutsche Halbleitermarkt 2014 besonders vom vitalen Segment der Automobilherstellung profitiert – mit einem Anteil von jetzt 43 % und einem überproportionalen Wachstum um 10 % auf 4,9 Mrd. €.

Halbleitermarkt ist „erwachsen“ mit durchschnittlich 5 % Zuwachs pro Jahr

Das verweist die Industrieelektronik mit ihrem Anteil von 24,3 % und einem Plus von 6 % klar auf die zweite Position. Und das drückt die Datentechnik mit ebenfalls plus 6 % und 24 % Marktanteil auf Platz drei. Telekommunikation (7 %) und Konsumelektronik (2 %) sind weit abgeschlagen.

Durch den steigenden Elektronikgehalt der Fahrzeuge gewinnt die Automobilindustrie laufend weiter an Bedeutung als Abnehmer von Halbleitern. Doch lässt sich dieser Bedarf maßgeblich von heimischen Chipproduzenten decken? Zur Verth: „Wichtig ist, dass wir als Halbleiterindustrie weiterhin vorn an der Technologiefront bleiben und intensiv entwickeln.“

Auf der Münchner Fachmesse Electronica wurden dazu vielversprechende Ansätze und Projekte demonstriert, sagte zur Verth, etwa im Bereich ‚Car2X‘, also der Echtzeitvernetzung der Kfz-Elektronik mit der mobilen und stationären Verkehrsumgebung. „Auch die Entwicklung der Fahrerassistenzsysteme wird maßgeblich durch deutsche und europäische Halbleiterhersteller getrieben.“

Die Frage ist, welche Arten von innovativen Halbleitern in den angepeilten Zukunftsmärkten, wie Internet der Dinge, Smart Home und Lifestyle-Wearables (zur körpernahen multisensorischen Vernetzung), verstärkt an Bedeutung gewinnen.

Die Antwort des ZVEI-Mannes zur Verth lautet: „Die Verteilung ist in den letzten Jahren nahezu konstant geblieben. Über 80 % der Umsätze werden immer noch von den ‚Standard-ICs‘ abgedeckt. Optoelektronik, Sensorik und diskrete Halbleiter wachsen zwar in ihrer Bedeutung und auch prozentual schneller, aber sie können im Moment noch nichts an der Marktdurchdringung ändern.“ Eine Kontinuität, deren Dynamik man im Auge behalten muss.

Denn auch die Anwendermärkte für Halbleiter durchlaufen gravierende Änderungen. Noch 1993 war Asien-Pazifik mit 18 % Weltmarktanteil die umsatzschwächste Region. Doch inzwischen ist Asien, sei es als gelobtes oder abschreckendes Beispiel, mit mehr als 57 % aller verbrauchten Halbleiter der Spitzenreiter der Elektronikproduktion. Das vor allem bei Massenprodukten wie Telekommunikation, Konsumelektronik und Datentechnik.

Japan und Europa verharren bei je 11 % des Halbleiterverbrauchs. Und das könnte so bleiben, denn „Europa hat gute Chancen“, meint zur Verth, „sich auf dem niedrigen Niveau von 10 % zu stabilisieren“. In einer stabilen Nische.

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