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Donnerstag, 16. November 2017, Ausgabe Nr. 46

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Maschinenbau

Druckmaschinen: „China ist der Markt, auf dem die Post abgeht“

Von Stephan W. Eder | 7. Oktober 2011 | Ausgabe 40

Die Weltwirtschaftskrise hatte die stark konjunkturabhängigen Hersteller von Druckmaschinen arg gebeutelt. Erst jetzt können die Unternehmen – nach harten Einschnitten – aufatmen. Die Zukunft liegt in China, glaubt der Branchenprimus, die Heidelberger Druckmaschinen AG. Der Konzern baut seine Fabrik in China aus, wohl nicht zum letzten Mal.

"Von Buch über Zeitungen und Kreditkartenhüllen – alles, was eben zur Tür reinkommt, wird auch gedruckt." So beschreibt Heidelberg-Chef Bernhard Schreier den typisch chinesischen Drucker. So einer ist Chen Jian Feng in Shanghai. Am Eingang seiner Firma Shanghai Pushun Printing Packaging Co. Ltd. empfangen zwei Löwen die Besucher an der Laderampe. 150 Leute beschäftigt er in einem mehrstöckigen Gebäude, das, umrahmt von Highway und Bahntrasse, hinter einem gigantischen Möbelzentrum in einem Wohngebiet der 23-Mio.-Einwohner-Metropole liegt.

Im Erdgeschoss im Druckraum arbeitet Pushun Printing mit vier Druckmaschinen – allesamt "made in China" by Heidelberger Druckmaschinen. "Pushun Printing ist ein typisches kleines Start-up, wie sie hier in China zu Hunderten jeden Tag neu gegründet werden", erklärt Schreier und ergänzt: "Ein typischer Kunde unserer Produkte aus Qingpu kauft simple Standardmaschinen mit vier Druckfarben." In Shanghais östlichstem Stadtbezirk Qingpu fertigt Heidelberg nämlich seit 2005 Maschinen für den chinesischen Binnenmarkt, erst Falzmaschinen, seit 2006 dann Druckmaschinen.

"Wir verbreitern damit unsere Kundenbasis in China", betont Stephan Plenz, bei Heidelberger Druck für die Produktion zuständig. Der Standort Qingpu ist sein Kind; erkennbar ist er ein bisschen stolz, dass es sich so gut entwickelt, das sieht man dem Maschinenbauingenieur an. Inzwischen fertigen rund 450 Mitarbeiter in Qingpu eine dritte Baureihe, die Speedmaster 102. "Das Brot- und Buttermodell im chinesische Druckereimarkt", betont Schreier.

Chen Jian Feng hat Geräte aller drei Speedmaster-Reihen aus Qingpu bei sich im Einsatz. Er will noch ausbauen, Geld investieren in den Druck von Verpackungen. Da braucht es dann jedoch andere Maschinen. Denn die Standardmaschinen aus Qingpu arbeiten nur mit den vier Druck-Grundfarben: Schwarz, Cyan, Magenta und Gelb.

Für den Verpackungsdruck braucht es eine Maschine mit mehr als vier Farben, und noch ein Lackierwerk vielleicht – Maschinen mit Sonderfunktionen, die Heidelberger nicht in China, sondern im Hauptwerk im baden-württembergischen Wiesloch herstellt. Und so soll das im Wesentlichen auch bleiben, betont Schreier. Allerdings erwäge man für Qingpu, ob man dort nicht Fünffarbmaschinen herstellen könne. Die Kapazitäten wären da, hat der Konzern in Qingpu doch gerade erst Ende letzter Woche eine Halle eigens für die Produktion der Speedmaster 102 eingeweiht.

"China ist der Markt, auf dem derzeit die Post abgeht", sagt Schreier anlässlich der Eröffnung der Halle. Binnen zehn Jahren kletterte der Branchenumsatz um das Dreifache auf rund 31 Mrd. € im Jahr 2010. Über 100 000 Druckereien mit 3,7 Mio. Beschäftigten bedienen diesen Wachstumsmarkt – in Deutschland sind es rund 10 000 Betriebe. Dabei war Deutschland bisher immer der umsatzstärkste nationale Markt für Heideldruck gewesen. Seit dem letzten Geschäftsjahr (Ende: März 2011) nicht mehr: 420 Mio. € setzten die Kurpfälzer allein in China um, 70 % mehr als noch 2004. Im gleichen Zeitraum lag der Gesamtumsatz bei 2,63 Mrd. €. In Deutschland erzielte Heidelberger noch 400 Mio. €.

"Jede dritte von Heidelberg in China verkaufte Maschine stammt aus der Produktion in Qingpu", sagt Schreier. Heidelberg wollte mit den Standardmaschinen aus Qingpu zusätzliche Kunden in China gewinnen. Das Wagnis einer eigenen Produktion hat sich scheinbar gelohnt.

Einen Kunden wie Pushun Printing habe man wohl nicht mit den wesentlich teureren Maschinen aus Deutschland gewinnen können, räumt Stephan Plenz ein. Die renommierten Konkurrenten aus Deutschland und Japan haben sich bisher nicht nach China getraut. Ein Vorsprung, auf den Schreier setzt. Denn in Zukunft will Heidelberg den gesamten asiatischen Markt mit den Druckmaschinen von der Stange aus Qingpu bedienen.

Doch zwei Drittel der in China verkauften Maschinen kommen noch immer aus Deutschland. Und die Käufer sind international aktive Kunden, wie Shanghai Tobacco Package Printing, "praktisch eine Fabrik, in der Druck produziert wird", wie Bernhard Schreier betont.

Kaum ein Konsumgut wird in China nämlich so aufwendig verpackt wie Zigaretten für die 400 Mio. Raucherinnen und Raucher. Und die Schachtelpapiere dafür druckt Shanghai Tobacco – täglich 20 Mio. – auf einem riesigen Werksgelände. 1650 Menschen arbeiten hier. Auch Firmenchef Zhang Gou Shing setzt wie sein Kollege Chen Jian Feng auf Expansion. Schließlich wachse der Druckmarkt in China stärker als das gesamte Bruttoinlandsprodukt, da ist sich Zhang sicher. In Verpackungsdruckmaschinen wolle er investieren. Von Heidelberger. swe

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