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Donnerstag, 14. Dezember 2017

Forschung

Ein Weltraumteleskop für jedermann

Von Silvia von der Weiden | 17. Oktober 2013 | Ausgabe 42

Ein Amateurastronom aus München arbeitet an der Realisierung eines Pionierprojektes – mit einem kleinen, technisch ausgefeilten Teleskop, das per Satellit in den Erdorbit geschossen wird, will er die Wunder des Weltalls in die Wohnstuben der Menschen holen. Interessenten können Beobachtungszeit buchen. Ganz billig ist das allerdings nicht und deshalb bislang noch ein Traum.

Wer hat nicht schon einmal davon geträumt, im Weltall spazieren zu gehen, fremde Galaxien zu erkunden und vielleicht sogar einen unbekannten Kometen zu entdecken, mit dem man seinen eigenen Namen am Himmel verewigen kann? Doch auch Hobbyastronomen kommen ohne ein leistungsfähiges Fernrohr nicht weit.

Wie wäre es, wenn jeder die Wunder des Weltraums zu sich nach Hause holen könnte, unabhängig von Tageszeit und Witterung und in bester Bildqualität, dachte sich der Münchner Amateurastronom und ehemalige Siemens-Manager Heiko Wilkens.

Scharfer Blick ins All

Die Idee: Der PC-Monitor als Fenster ins All mit direktem Draht zu einem im Erdorbit stationierten kleinen Weltraumteleskop, das via Internetsteuerung allen Interessierten, ob Amateurastronom, Student, Schüler oder Gelegenheitsgucker, weltweit zur Verfügung steht.

Das klingt nach einem Pioniervorhaben, an dem man sich leicht verheben kann. „Mit Public Telescope, dem ersten öffentlichen Weltraumteleskop, wird der Blick ins Universum für alle Menschen möglich. Das ist unsere Vision. Dafür arbeiten wir“, bekräftigt Wilkens.

Für die Umsetzung des Traums hat Technikenthusiast Wilkens eigens ein „Institut für Astronomie und Weltraumtechnik“ gegründet, das nun, wie sein Marketingreferent Christian Wiederer sagt, „mit verschiedenen wissenschaftlichen Institutionen und Stiftungen Gespräche führt“. Dabei dürfte es vor allem um die Finanzierung des Projekts gehen.

Nach einer ersten, nicht offiziellen Abschätzung, die beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt und bei der Europäischen Weltraumagentur ESA durchgeführt wurde, belaufen sich die Kosten für das etwa 300 kg schwere 80-cm-Weltraumteleskop inklusive Satellitenstart und Unterhalt auf rund 100 Mio. €. Die Betriebszeit ist auf fünf Jahre ausgelegt.

„Um die Kosten nicht noch mehr in die Höhe zu treiben, wollen wir, wo es möglich ist, auf redundante Systeme verzichten und Gewicht einsparen“, erläutert Wiederer. Eine stattliche Summe, für die nun eine Art Finanzierungsplan erstellt wird. „Wir setzen natürlich auf private und öffentliche Förderer“, sagt Wiederer.

Auch wenn das Vorhaben bei Amateurastronomen auf große Zustimmung trifft, weil man Beobachtungszeit am Weltraumteleskop einfach ordern kann, so sind doch nicht wenige skeptisch, ob sie sich das auch leisten können.

Um die Betriebskosten wieder hereinzubekommen, kalkulieren die Planer des öffentlichen Weltraumteleskops mit Nutzungsentgelten im drei- bis vierstelligen Bereich. Geboten wird dafür eine Beobachtungszeit von rund einer halben Stunde.

„Denkbar ist auch ein Abonnement, das im Monat umgerechnet 40 € bis 140 € kosten würde“, sagt Wiederer und gibt sich zuversichtlich: „Das Teleskop eröffnet aufgrund seines hohen Auflösungsvermögens neue Möglichkeiten bei der Beobachtung von kleinen oder weit entfernten Objekten.

Damit wird beispielsweise möglich, die Entwicklung der Planeten unseres Sonnensystems und ihrer Monde genauer zu untersuchen. Instrumente für die verschiedenen Spektralbereiche wie Infrarot und Ultraviolett erlauben die Aufnahme von Bildern, Spektroskopie und Photometrie. Zusätzliche Kameras sollen die Übertragung von Bildern der Erdoberfläche erlauben.“

Keine Frage, das Vorhaben klingt verführerisch, aber: „Es ist ehrgeizig, erscheint derzeit aber vollkommen unrealistisch“, urteilt die Gesellschaft für volkstümliche Astronomie aus Hamburg in ihrem Vereinsblatt angesichts der enormen Kosten ernüchtert.

Auch Projektinitiator Wilkens sieht das als große Herausforderung und hat sich bei der Suche nach Fürsprechern und Geldgebern prominente Verstärkung an Bord geholt. Neben ESA-Astronaut Gerhard Thiele sollen auch ausgewiesene Experten wie die Tübinger Astrophysiker Hanns Ruder und Klaus Werner sowie der in Fachkreisen bekannte, niederländische Optik- und Teleskopentwickler Harrie Rutten das Projekt mit Rat und Tat unterstützen.

Im kommenden Frühjahr soll zudem eine Studie zu konkreten Fragen der technischen Ausrüstung abgeschlossen sein. Dann könnten, wenn denn das Gerüst für die Finanzierung steht, erste Ausschreibungen für die Instrumentierung erfolgen. Wenn alles klappt, könnte das Teleskop in vier Jahren seinen Betrieb aufnehmen.

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