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Freitag, 18. Juli 2014, Ausgabe Nr. 29

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Internet

Facebook-Engagement für Unternehmen nicht empfehlenswert

Von Chr. Schulzki-Haddouti | 1. Juli 2011 | Ausgabe 26

Facebook wird von Unternehmen zunehmend als Marketingplattform entdeckt. Doch Juristen und Sicherheitsexperten warnen: Auch auf Facebook gilt das Internetrecht. Doch kaum eine Firma hält sich daran, der Impressumspflicht kommt so gut wie niemand nach. Auch aus anderen Gründen raten die Experten Unternehmen, Facebook zu meiden.

Thomas Hoeren vom Institut für Informations-, Telekommunikations- und Medienrecht der Universität Münster warnt Unternehmen im "Deutschen Anwaltspiegel" ausdrücklich vor Facebook: "Facebook ist gefährlich – und das nicht nur datenschutzrechtlich."

Hoeren macht darauf aufmerksam, dass alle Regeln des Internetrechts auch für Facebook gelten. Zurzeit gebe es jedoch kaum ein Unternehmen, das die Impressumspflicht nach dem Telemediengesetz auf seinen Facebook-Seiten berücksichtigt. Es genüge nicht, wenn Händlerportale wie mobile.de nur ein allgemeines Por-
talimpressum erstellen. Sie müssen auch ein Händlerimpressum angeben.

Ein weiterer Punkt ist, dass die
Facebook-Seiten dem Gegendarstellungsrecht genügen müssen, wenn das Unternehmen über ausgewählte Neuigkeiten berichtet oder Pressemitteilungen zugänglich macht. Kritisch sieht der Münsteraner Rechtsexperte auch gefälschte Aufrufe. Die können darin bestehen, dass ein Unternehmen die eigenen Mitarbeiter damit beauftragt unter Pseudonym für den Facebook-Auftritt zu werben. Fliegt eine derart verschleierte Werbung auf, führt dies "sofort zu wettbewerbsrechtlichen Unterlassungsansprüchen", warnt Hoeren.

Für Hoeren steht fest: "Unternehmen haben dort nichts zu suchen, denn ihre Geschäftsinteressen beißen sich regelmäßig mit den Besonderheiten des Web 2.0 und den dort gängigen interaktiv-privaten Umgangswünschen." Sein Fazit fällt daher hart aus: "Der Rat des Juristen kann nur sein, Facebook zu meiden."

Der Medienrechtler denkt, dass die juristischen Risiken mit einigem Aufwand lösbar sind. Hoeren sagte gegenüber den VDI nachrichten: "Die Frage ist, ob der Ertrag den Aufwand lohnt." So sei es verständlich, dass ein Großkonzern wie Coca Cola seit Jahren in Social-Media-Diensten aktiv ist, doch für kleine und mittlere Unternehmen könnte sich das unter Umständen nicht lohnen. Hoeren: "Neulich habe ich die Facebook-Seite einer örtlichen Bank besucht: Zwölf Freunde konnte die Bank gewinnen, sieben Beiträge einstellen. Einer kam vom Vorstandsvorsitzenden. Was bringt das?" Nach einschlägigen Veranstaltungen würden sich immer Leute finden, die "hinterher zugeben, dass Facebook eben gerade angesagt sei und dass man deshalb mitmache". Hoeren: "Mich erinnert das an die BMW-Dependance bei Second Life vor einigen Jahren, von der heute keiner mehr spricht."

Kritik an Facebook wird auch aus der IT-Sicherheitsszene lauter. So verbreiten sich zunehmend sogenannte Facebook-Scams. Dabei handelt es sich um gefälschte Nachrichten, die sich über die Freundesnetzwerke ausbreiten. Dazu gehörte die Nachricht von der angeblichen Einführung eines Dislike-Buttons oder Links, in denen Nutzer aufgefordert werden, einen schädlichen Java-
script-Code in die Adresszeile ihres Browsers zu kopieren, um ihren Namen aus den Tags von Youtube-Videos zu löschen. Der vom IT-Sicherheitsunternehmen Sophos betriebene Blog "Naked Security" stellte für den 16. Mai gleich drei solcher Facebook-Scams fest.

Sicherheitsexperten kritisieren, dass nur Facebook weiß, wie viele Nutzer auf Scams hereinfallen – die Zahlen aber nicht veröffentlicht. Jeder Klick der Nutzer bringt Facebook nämlich Geld. Gleichwohl führte das Unternehmen einige Sicherheitsmechanismen ein, die die Ausbreitung von Scams erschweren sollen.

Zu weiteren Risiken gehören auch Ausspähversuche: Hacker versuchen Informationen über Nutzer zu erhalten, die beim Eindringen in Unternehmensnetzwerke behilflich sein könnten. Dazu könnten beispielsweise der Name des Haustiers und das eigene Geburtsdatum gehören, da viele Nutzer aus solchen Daten ihre Passwörter generieren. Dagegen hilft kein Mechanismus, sondern nur der gesunde Menschenverstand. CHR. SCHULZKI-HADDOUTI

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