Passwort vergessen?  | 
 |  Passwort vergessen?  | 
Suche
  • Login
  • Login

Donnerstag, 14. Dezember 2017

Erdgas

Gasbranche setzt auf Energiewende

Von Thomas Gaul | 18. Oktober 2013 | Ausgabe 42

Gasspeicher in Deutschland

Die Märkte für den Energieträger Erdgas befinden sich in Deutschland im Umbruch. Das wurde auf der Gasfachlichen Aussprache-tagung (gat) deutlich, die Anfang Oktober in Nürnberg stattfand. Die Experten treibt derzeit vor allem um, wie das Zusammenspiel von Gas, Strom und erneuerbaren Energien mit Blick auf Versorgungssicherheit und die Ziele der Energiewende in Deutschland verbessert werden kann.

A42 S15

Noch ist nicht klar, wie die von der künftigen Bundesregierung zu erwartende Neujustierung der Energiepolitik aussehen wird. Im Energiekonzept der bisherigen Bundesregierung spielte Gas zumindest keine große Rolle. Jürgen Lenz, Vorstandsmitglied im Deutschen Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW), sieht dagegen im Gas den Schlüssel zur "Green Economy".

Gas und seine Infrastrukturen wie Speicher und Leitungen könnten ein wesentlicher Bestandteil eines Gesamtenergiekonzepts sein, glaubt DVGW-Vorstand Lenz. Das ist aus Sicht der Branche auch sicher erforderlich, denn der Gasabsatz im Wärmemarkt wird wegen besser gedämmter Gebäude und effizienterer Gasheizungen zurückgehen. "Wenn sich das Gas nicht verändern und sich nicht an neuen Anwendungen mit höherer Wertschöpfung orientieren würde, spielte Gas ab 2040 keine Rolle mehr", befürchteter.

Angesichts einer zunehmenden Stromerzeugung aus Wind und Photovoltaik bekommt das Gasnetz eine wichtige Funktion als Energiespeicher. In Europa verfügt Deutschland über die größten Gasspeicherkapazitäten. Die Zahl der Erdgasspeicher hat sich von 48 Anlagen auf mittlerweile 51 erhöht, das Speichervolumen ist damit um 11 % gestiegen. Hinzu kommt ein Gasnetz mit einer Gesamtlänge von 477 000 km.

Diese europäische Gasinfrastruktur kann als Bindeglied zwischen einer zunehmend vom Bedarf entkoppelten Stromproduktion und den Verbrauchern dienen. Als Lösung mit großem Potenzial wird dabei die Power-to-Gas-Technologie gehandelt. Regenerativ erzeugter Strom, beispielsweise aus Windkraftanlagen, wird mit Elektrolyse für die Produktion von Wasserstoff genutzt. Dieser kann entweder direkt in das Erdgasnetz eingespeist werden – eine Beimischung bis zu 10 % wird als technisch unkritisch gesehen – oder mit dem Kohlendioxid aus einer Biogasanlage zu synthetischem Methan weiterverarbeitet werden.

Dabei geht es nicht um ein Entweder/Oder, wie Lenz auf der gat in Nürnberg betonte: "Ich bin hier für einen technologieoffenen Ansatz, also nicht Wasserstoff oder Methan, sondern Wasserstoff und Methan."

Forschungsbedarf besteht noch bei den Fragen, wie sich Wasserstoff in den Kavernenspeichern verhält und in den Tanks von Erdgasfahrzeugen sowie in Gasturbinen. Wissenschaftliche Untersuchungen dazu finden im Rahmen der "DVGW Innovationsoffensive" statt, die sich mit der Systemintegration erneuerbarer Energien und den Lösungspotenzialen innovativer Gastechnologien befasst.

Auf der gat wurden auch Ergebnisse einer vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) erarbeiteten Studie vorgestellt. Demzufolge kann Power-to-Gas bei einem Verzicht auf Carbon Capture and Storage (CCS) eine wichtige Option für den Klimaschutz werden.

Die Autoren entwerfen einen Szenariorahmen "Kontinuität", der eine fortdauernde Stromerzeugung mit Kohlekraftwerken bis an das Ende ihrer Laufzeit und nur moderate Fortschritte bei der Energieeffizienz sieht. "Dann könnten bis 2050 bis zu 50 GW Elektrolyse installiert und damit bis zu 70 TW Wasserstoff produziert werden", erklärte Falko Ueckerdt, Mitautor der PIK-Studie.

Kontrovers diskutiert wird die Förderung von Gas mit sogenannten unkonventionellen Methoden wie dem Fracking. Unabhängig davon, ob das Fracking-Verfahren in Deutschland eingesetzt wird, sind Veränderungen der Märkte zu erwarten. In den USA, wo das Verfahren in großem Umfang genutzt wird, ersetzt unkonventionell gefördertes Erdgas zunehmend Kohle, die als preisgünstiger Energieträger auf den Weltmarkt drängt.

Nach Ansicht von Lenz wird der Preisunterschied auch eine Veränderung und Verlagerung der Industriestrukturen zur Folge haben. Denn Erdgas ist ein wichtiger Grundstoff als Synthesebaustein für die chemische Industrie und für die Herstellung von Kunststoffen.

Der Industriestandort Deutschland sollte die Potenziale nicht vergeben, die die Fracking-Technologie bietet, mahnte Lenz. Allerdings gibt es auch innerhalb des Verbandes Gegenstimmen, denn der DVGW versammelt Gasförderer und Wasserversorger, die aufgrund der beim Fracking eingesetzten Chemikalien um das Grundwasser fürchten.

Beim Klimaschutz sollte sich die Politik aus Sicht der Branche stärker an der Wirtschaftlichkeit der Maßnahmen orientieren, zum Beispiel über die CO2-Vermeidungskosten. Um die CO2-Minderungspotenziale im Wärmemarkt möglichst kosteneffizient erreichen zu können, müssten die Rahmenbedingungen aus Sicht der Gaswirtschaft technologieoffen und energieträgerneutral gestaltet werden.

Anke Tuschek, als Mitglied der Hauptgeschäftsführung für gasspezifische Fragen beim BDEW zuständig, forderte eine Öffnung des Wärmemarktes für Bio-Erdgas. Diese sollte bei der anstehenden Novelle des Erneuerbare-Energien-Wärmegesetzes umgesetzt werden, so die BDEW-Managerin. Förderprogramme wie das Marktanreizprogramm gelte es zu verstetigen.

Statt des "Stop-and-go" der vergangenen Jahre sollten für die energetische Sanierung steuerliche Anreize geschaffen werden, mahnte Tuschek. 83 % des Gebäudebestands in Deutschland bestünden aus Ein- und Zweifamilienhäusern, wovon ein großer Teil in dieser Hinsicht noch nicht saniert sei. "Hier könnten schnell und bezahlbar CO2-Einsparungen erreicht werden", gab sich Tuschek überzeugt.

Durch den vermehrten Einsatz von kleinen Anlagen zur Kraft-Wärme-Kopplung, den sogenannten Mikro-KWK-Anlagen, erhoffen sich die Gasversorger zusätzliche Absatzchancen. Weil hier zugleich die Abwärme genutzt werde, könne der Isolationsaufwand für die Gebäude gesenkt werden. THOMAS GAUL

stellenangebote

mehr