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Donnerstag, 14. Dezember 2017

Logistik

Hermes-Versandzentrum wächst mit dem Onlinebestellboom

Von Manfred Schulze | 27. April 2012 | Ausgabe 17

Der Onlinehandel wird für die etablierten Versandhäuser immer wichtiger. So verweist zwar die Otto-Gruppe, Hamburg, darauf, dass für sie noch immer der Katalog die wichtigste Informationsquelle der Kunden bleibt – doch das Wachstum findet im E-Commerce statt, wie der Ausbau des Hermes-Versandzentrums in Haldensleben zeigt.

Gut 20 km nördlich von Magdeburg hat die Hermes Fulfilment GmbH in Haldensleben ihr größtes Versandzentrum kontinuierlich ausgebaut. Inzwischen füllen die Hochregallager- und Sortierhallen fast das gesamte Werksgelände und die Nutzfläche, die etwa 26 Fußballfeldern entspricht, lässt den Standort – nach dem Untergang der Quelle/Primondo-Kette – zum größten Versandhandelshaus Europas avancieren.

260 Mio. Warenbewegungen, die mit 60 Mio. Bestellungen ausgelöst wurden, sorgten im vergangenen Jahr für viel Umschlagsaktivität, längst aber nicht mehr nur für das Mutterhaus Otto. Wer heute einen Blick auf die Sortierbänder am Warenausgang werfen kann, sieht alle möglichen Produkte von Handelsmarken wie etwa Bonprix oder Bestbuy in Richtung der Laderampen gleiten. Fast 1 Mio. Artikel lagern hier in den beiden Hochregallagern. Dazu kommt noch die Ware für Mandantengeschäfte in einer neuen Halle am Hafen des Mittellandkanals. Dort werden seit vergangenem Jahr von Hermes Dienstleistungen für die Onlinesparten von Unternehmen wie Seidensticker, Tom Taylor oder HSE24 erbracht.

"Wir verstehen uns seit der Umfirmierung 2006, als aus dem Otto-Versandzentrum zunächst die Hermes Warehousing Solutions und aus der 2009 die Hermes Fulfilment hervorging, als neutraler Dienstleister", erklärt Thomas Herrlich, Versandhausleiter in Haldensleben, wo die Gruppe sämtliche Kleinwaren – von der Jeans über Bücher bis hin zu Kameras und kleinen Haushaltsgeräten konzentriert hat.

Die Öffnung von Hermes für Drittfirmen umfasst zahlreiche Einzelmodule und kann daher je nach Kunden individuell vereinbart werden. Laut Herrlich reicht dabei das Leistungsspektrum von der Entwicklung und dem Betrieb kompletter Webshops bis hin zu solchen Einzelleistungen wie das Debitoren- und Retourenmanagement, Finanzdienstleistungen oder auch die komplette Beschaffung und das Konfektionieren der Ware in Haldensleben.

Um rund 15 % legte 2011 nach Zahlen des Bundesverbandes des Deutschen Versandhandels (bvh) der Onlinehandel zu und erreichte 21,1 Mrd. €. Im Vergleich dazu stieg der Umsatz des gesamten Versandhandels inklusive des Onlinegeschäfts nur um 7 % auf 32,2 Mrd. €. Herrlich: "Das Wachstum kommt inzwischen aus dem Internet, aber viele unserer Kunden möchten dennoch ihre Auswahl am traditionellen Katalog treffen." Und so wird es den gedruckten Katalog von Otto und Bonprix wohl auch noch die nächsten Jahre geben.

Bei Otto, seit zwei Jahren auch Besitzer der Markenrechte von Quelle, gibt es mittlerweile rund 50 eigene Onlineplattformen, mit denen der Konzern weltweit 4,8 Mrd. € Umsatz erzielt, ein Plus von 25 %. Verglichen mit dem Gesamtumsatz der Gruppe kommt diese Sparte damit bereits auf gut die Hälfte der Gesamterlöse – und ein Ende des steilen Anstiegs ist nicht abzusehen.

Dabei wird im Versandlager Haldensleben an vielen Bereichen noch so gearbeitet, wie schon zur Eröffnung des ersten Bauabschnitts: Per Hand tippen etwa Mitarbeiterinnen die Etiketten der täglich bis zu 40 000 eingehenden Kartons ein, um die Strichcode-Etiketten für die Lagerlogistik zu erzeugen. RFID (Radio Frequency Identification) seien bei den oft nicht hochpreisigen Waren in der Summe zu teuer, erklärt Herrlich. Es würde jedoch bereits an einer einheitlichen IT-Plattform gearbeitet, um die Barcodes bereits bei den Versendern anzubringen.

Auf neuem Technikstand sind hingegen bereits die beiden Hochregallager mit jeweils 18 Gassen und insgesamt 1,2 Mio. Stellplätzen sowie das erst im vergangenen Jahr in Betrieb genommene automatische Retourenlager. Hermes gab darüber hinaus Ende Februar bekannt, dass die IT-Sparte in der Hamburger Unternehmenszentrale personell deutlich verstärkt werden soll.

Im Fluss ist auch die Beschaffung. Kamen noch vor wenigen Jahren die meisten Textilien und Schuhe aus China, so sind inzwischen Versandorte in Vietnam, Bangladesch oder auch Indien stark angewachsen. In Haldenleben werden die Waren derzeit komplett per Lkw angeliefert. Sie holen rund 85 % der Waren noch aus den Seehäfen in Rotterdam und Hamburg ab, aber der Rest entfällt inzwischen auch schon auf Luftfracht( vorwiegend mit Aerologic) über den 150 km entfernten Flughafen Leipzig-Halle.

Das sei zwar viel teurer als der Seeweg, doch der Faktor Zeit spiele gerade bei technischen Geräten eine immer wichtigere Rolle. Trotzdem will Herrlich auch die Belieferung mit Binnenschiffen im Nachlauf nicht gänzlich ausschließen. Haldensleben hat einen eigenen Hafen am Mittellandkanal und investiert gerade 13 Mio. € in den Ausbau. "Allerdings liegt das nicht in unserer Entscheidung, das müssten unsere Kunden festlegen", so Herrlich. MANFRED SCHULZE

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