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Donnerstag, 16. November 2017, Ausgabe Nr. 46

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Mobilfunk

Highspeed-Turbo LTE mit Kinderkrankheiten

Von F. Erdle | 18. Januar 2013 | Ausgabe 3

2013 wollen die Netzbetreiber dem Mobilfunkstandard der vierten Generation endlich zum Durchbruch verhelfen. Doch nach wie vor sind nur wenige LTE-Smartphones zu haben, die teilweise noch mit technischen Einschränkungen kämpfen. Trotzdem lassen sich Telekom, Vodafone & Co. den Geschwindigkeitszuwachs von ihren Kunden fürstlich honorieren.

Highspeed-Turbo LTE mit Kinderkrankheiten

"Atemberaubend schnell: Jetzt im megaschnellen Netz mit bis zu 100 Mbit/s surfen", versprach ein großer deutscher Mobilfunknetzbetreiber in seinen Werbeanzeigen zum Jahresbeginn. Wer aber mit einem LTE-Datenstick oder -Smart-
phone in einer der ungefähr 100 bereits mit LTE versorgten Städte die Probe aufs Exempel macht, wird in vielen Fällen eine Enttäuschung erleben.

"Mehr als 10 Mbit/s sind in der Praxis momentan kaum drin", weiß Bernd Theiss, Test- und Technik-Chef beim Fachmagazin Connect, das jedes Jahr kreuz und quer durch die Republik kurvt, um den vermutlich aufwendigsten Mobilfunk-Netztest Deutschlands durchzuführen.

LTE im Auto: BMW drückt aufs Tempo

Wie bei der UMTS-Technik hängt die erzielbare Download-Geschwindigkeit auch bei LTE von der Zahl der Nutzer innerhalb einer Funkzelle ab. Da aber das UMTS-Netz zusehends durch Smartphone-Surfer verstopft wird und der Anteil an LTE-Geräten im Netz noch sehr gering ist, herrscht in den Zellen der vierten Generation deutlich weniger Verkehr.

Allerdings gibt es in Europa nach wie vor nur eine Handvoll Endgeräte zu kaufen. Besitzer eines LTE-Routers, -Datensticks oder High-End-Handys à la Samsung Galaxy S III LTE, Nokia Lumia 920 oder Apple iPhone 5 können also kräftig Gas geben.

Letztere freilich nur, wenn sie den passenden Mobilfunkprovider gewählt haben. Denn während die Konkurrenten wie Nokia, HTC oder Samsung alle hierzulande relevanten LTE-Frequenzen (800 MHz, 1800 MHz und 2600 MHz) bedienen, versteht sich das exklusive Apple-Modell – genau wie alle neuen iPads – nur mit LTE-1800-Basisstationen, die von der Deutschen Telekom in größeren Städten betrieben werden. Wer also mit Vodafone oder O2 unterwegs sein möchte, muss den Datenrausch auf die nächste iPhone-Generation verschieben und mit der schnellsten UMTS-Variante HSPA+ vorlieb nehmen.

Hier sind auch noch stattliche 42 Mbit/s drin – zumindest theoretisch. "Insgesamt hat Vodafone beim LTE-Ausbau in Deutschland die Nase vorn", weiß Bernd Theiss. "Wenn es aber um die erzielbare Geschwindigkeit geht, ist die Telekom die Nummer eins."

Dass der LTE-Motor vielerorts trotz der milliardenschweren Investitionen der Netzbetreiber Telekom, Vodafone und O2 stottert (E-Plus will erst 2013 mit LTE starten), hat aber noch andere Gründe. So schwankt die reale Netzabdeckung selbst in den Metropolen zwischen 50 % und 90 %.

"Bei unserem Praxistest mit einem aktuellen LTE-Smartphone in Stuttgart war der Turbo in fast 50 % aller Fälle nicht zu Diensten die Netzanzeige sprang immer wieder auf 3G (UMTS, die Red.) oder gar E für den deutlich langsameren Datenstandard Edge zurück. Besonders in geschlossenen Gebäuden macht sich LTE rar", erklärt Theiss.

Ein weiteres Manko der aktuellen Gerätegeneration ist die Tatsache, dass Gespräche über das UMTS- oder GSM-Netz geleitet werden. "Dazu muss das Handy erst mal eine Netzsuche starten, die oft so lange dauert, dass der Anrufer unweigerlich auf der Mailbox landet", berichtet Theiss.

Daneben sorgt der sogenannte Circuit-Switched Fallback, also der Rückgriff auf die leitungsvermittelten Verbindungen UMTS und GSM, dafür, dass Datenverbindungen jäh unterbrochen und nach dem Gesprächsende neu angestoßen werden müssen. Abhilfe kann hier erst ein Voice-over-LTE-Standard schaffen, dessen Einführung frühestens 2014 erwartet wird.

Ähnliches gilt für die Möglichkeit, den Daten-Schnellservice per Mobilfunk-Roaming in ausländischen Netzen zu nutzen. Bis auf Weiteres bleibt der LTE-Funk auf Businessreisen oder im Urlaub ein Wunschtraum, zumal es in Ländern wie Frankreich, Italien oder Großbritannien vorerst nur wenige LTE-Versorgungsinseln geben wird.

Trotzdem ist der mobile Surfgenuss der vierten Generation derzeit – abgesehen von befristeten Einführungsaktionen – nur in Verbindung mit hochpreisigen Laufzeitverträgen zu haben. So können beispielsweise bei der Telekom Kunden mit einem Complete-Mobil-Tarif (ab 39,95 €) im LTE-Netz mit bis zu 21,6 Mbit/s surfen. Wer jedoch die volle Bandbreite nutzen möchte, muss 9,90 € extra aufbringen. Als Zugabe wird das inkludierte Datenvolumen verdoppelt. Ist es aber verbraucht, fällt man auf GPRS-Niveau mit kümmerlichen 64 kbit/s zurück. E-Mails lassen sich damit zwar noch in Zeitlupentempo abrufen, doch Anwendungen wie Onlinevideo oder Videotelefonie kann man vergessen.

Ähnliche Einschränkungen bei ihren sogenannten "Flatrates" machen auch die anderen Anbieter. Vodafone hat für Smartphone-Besitzer mehrere LTE-taugliche Tarife im Programm, die mit maximal 21,6 Mbit/s ab 44,99 € Monatsgebühr angeboten werden, O2 empfiehlt seinen Kunden den Tarif Blue L inklusive LTE (ebenfalls bis 21 Mbit/s) für 49,99 € monatlich. Alternativ ist das kleinere Paket Blue M (39,99 €) mit einem LTE-Monatszuschlag von 9,99 € erhältlich.

Solche Preisbarrieren tragen dazu bei, dass das Kürzel LTE in der Mobilfunkszene vermutlich auch in diesem Jahr noch nicht für "Long Term Revolution" stehen wird.

Aber spätestens, wenn es das Internet der Dinge vom Whiteboard gut bezahlter Trendforscher in den Massenmarkt schafft und jeder bessere Kühlschrank, jede Fräsmaschine und jedes Blutdruck-Messgerät eine eigene Internetadresse erhält, führt am UMTS-Nachfolger keine Datenautobahn mehr vorbei.  F. ERDLE

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