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Donnerstag, 14. Dezember 2017

Solar

Hoffen auf den weltweiten Boom

Von Eva Augsten | 29. November 2013 | Ausgabe 48

Mit Photovoltaiksets fürs Eigenheim müht sich die deutsche Solarbranche, die schwindende Förderung hierzulande auszugleichen. China dagegen lockt Solarinvestoren mit neuen Einspeisetarifen. Europäische Firmen hoffen, davon zu profitieren.

Photovoltaik
Foto: Solar Promotion GmbH

Als Zukunftsmodell für die Photovoltaik in Deutschland diskutiert die Branche die Kombination mit Batteriespeichersystemen, im Bild ein Lithium-Ionen-Speicher auf der diesjährigen Fachmesse Intersolar.

Nimmt man die Schlange am Abendbüfett als Indikator für die Wirtschaftslage einer Branche, sieht es düster aus für die deutsche Photovoltaikindustrie. So einfach war es noch nie, beim "Forum Solarpraxis" nicht nur etwas zu essen, sondern auch einen Sitzplatz zu bekommen. Rund 600 Teilnehmer zählte der Veranstalter Solarpraxis AG bei Deutschlands wichtigster nicht technischer Solarkonferenz, die letzte Woche in Berlin stattfand. Im vorigen Jahr waren es noch 850.

Mit welchen Geschäftsmodellen Unternehmen in der Photovoltaik in Deutschland noch Geld verdienen können, war dementsprechend das Thema, das sich durch nahezu alle Debatten und Präsentationen zog. "Photovoltaikanlagen als Konsumgut werden an Bedeutung gewinnen," ist Holger Krawinkel überzeugt, Leiter des Bereichs Verbraucherpolitik beim Bundesverband der Verbraucherzentralen.

Schon in zwei bis drei Jahren könnten sich Stromspeicher für Privathaushalte rechnen, schätzt Günter Haug, Geschäftsführer von BayWa.

Als wichtigeres Verkaufsargument sehen die meisten Diskussionsteilnehmer die gefühlte Unabhängigkeit der Hausbesitzer vom Stromnetz. Das macht diesen Markt weniger abhängig von politischer Unterstützung als das bisherig auf der Einspeisevergütung beruhende finanzielle Grundkonzept der Anlagen.

Direkt um die Gunst der Endkunden zu werben, hatten Photovoltaikunternehmen viele Jahre lang nicht nötig. Daher müssen sie sich nun um den Aufbau neuer Vertriebswege mühen. "Mit billigen Modulen allein kann man diesen Markt nicht mehr bedienen," sagt Alexander Kirsch, Vorstandsvorsitzender der Centrosolar Group. Den Vertrieb über Photovoltaik-Großhändler oder den Solarteur sieht Kirsch als Auslaufmodelle.

Ähnlich argumentiert Haug von BayWa: "Wer den Endkunden erreichen will, muss die gesamte Haus- und Energietechnik einbeziehen und Komplettlösungen anbieten". Dazu gehören Stromspeicher, aber auch die Wärmeversorgung oder Komplettverträge, die Eigenerzeugung und den Einkauf des Reststroms kombinieren.

Die Hoffnung, mit dem Endkunden-Markt die Abhängigkeit von der Politik zu überwinden, teilten bei weitem nicht alle. Auf Dauer hängt das Wohl und Wehe der Photovoltaik zu einem großen Teil am künftigen Strommarktdesign.

Felix Christian Matthes, Forschungskoordinator Energie- und Klimapolitik am Ökoinstitut, sieht den Strommarkt der Zukunft als eine "Welt der Flatrates". Infrastruktur wie Netze und der Bau von fossilen und erneuerbaren Kraftwerken würden immer stärker über einen Leistungspreis finanziert. Der Energiemarkt an der Strombörse würde vor allem für die zeitliche Koordinierung von Angebot und Nachfrage sorgen. Ein unerfreulicher Gedanke für die Solarbranche – nicht nur, weil man mit nahezu kostenlosem Strom kaum konkurrieren kann.

Für die Entwicklung der weltweiten Photovoltaikbranche wird die Frage der Konkurrenzfähigkeit auf dem deutschen Markt immer weniger wichtig. Dieser beginnt, seine Leitfunktion zu verlieren. Henning Wicht, Photovoltaikanalyst bei der IHS Global, schätzt, dass schon 2013 nur noch 10 % aller Photovoltaik-Anlagen weltweit in Deutschland installiert wurden. Nach und nach werde der Anteil auf 5% sinken.

Getrieben wird das weltweite Wachstum vor allem durch eine große Dynamik in China und Japan. "Wir haben unsere Prognosen für 2013 gerade noch einmal von 6 GW auf 8 GW erhöht", ergänzt Wicht. Im kommenden Jahr sollen es schon 9,4 GW sein, bei einem geschätzten Weltmarkt von 40 GW bis 42 GW. China zahle seit August für Solarstrom Einspeisetarife von umgerechnet rund 0,15 $/kWh (ca. 0,1108 €/kWh), Renditen von 8 % bis 10 % locken Banken und Investoren, berichtet Wicht. Für Dachanlagen werden in Deutschland derzeit maximal 0,1368 Cent/kWh gezahlt.

"Auch deutsche Photovoltaikfirmen können auf dem wachsenden chinesischen Solarmarkt gute Geschäfte machen," sagt Raymond Wong, Vice President des chinesischen Wechselrichterherstellers Sungrow Power Supply. Einig sind sich die Photovoltaikexperten, dass die Preise weiter sinken werden, wenn auch auf Dauer nicht mehr so schnell wie in den letzten Jahren. Wicht schätzt, dass Solarmodule 2020 für 0,42 $/W angeboten werden. Die Produktionskosten der Marktführer würden dann bei 0,30 $/W liegen.

Angesichts der Perspektive auf dem Weltmarkt und der langfristigen Aussichten gibt sich die Photovoltaikindustrie in Berlin auf dem "Forum Solarpraxis" noch immer optimistisch, auch für den Produktionsstandort Europa.

"Die lokale Produktion lohnt sich, denn der Lohnanteil an den Kosten ist gering und der Transport teuer", sagt Alexander Kirsch von Centrosolar. "In den nächsten Jahren werden die produzierenden Unternehmen hier aber eine Überwinterungsstrategie brauchen."

Während die Photovoltaikfirmen den Frühling wittern, sieht es für die hiesige Solarthermiebranche eher nach einem langen Winter aus. Die solare Wärmeerzeugung ist in Berlin aus dem Tagungsprogramm nahezu komplett verschwunden, lediglich ein Workshop zum Thema solare Wärmenetze ist übrig geblieben. EVA AUGSTEN

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