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Donnerstag, 16. November 2017, Ausgabe Nr. 46

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Informationstechnik

„Industrial Data Space muss ein globaler Standard werden“

Von Jens D. Billerbeck | 10. Juni 2016 | Ausgabe 23

Den sicheren Datenaustausch zwischen Unternehmen hat sich der Verein „Industrial Data Space e. V.“ auf die Fahne geschrieben. Der Vorsitzende Reinhold Achatz erläutert im Gespräch mit VDI nachrichten, welche Ziele seine Organisation verfolgt.

Achatz BU
Foto: Billerbeck

Datenaustausch wird in einer digitalen Wirtschaft immer wichtiger. Damit die Unternehmen auch die Souveränität über ihre Daten behalten, sollen jetzt Standards festgelegt werden.

VDI nachrichten: Was ist die Idee hinter dem Industrial Data Space? Welche Bedürfnisse der Anwender soll er adressieren?

Achatz: Die Grundidee hinter dem Industrial Data Space ist die folgende: Die Definitionen des Industrial Data Space gewährleisten einen sicheren Datenaustausch zwischen Firmen und Organisationen. Einen Austausch, bei dem derjenige, der die Daten generiert, auch die Souveränität über die Daten behält. Im Gegensatz zu sozialen Medien, wo ich praktisch alle Rechte an den dort geposteten Daten abgebe. Es wird mittlerweile überall verstanden, dass Daten einen hohen Wert haben. Im Industrial Data Space soll jeder Urheber von Daten auch im juristischen Sinne deren Eigentümer bleiben.

Zur Person: Reinhold Achatz

Wie soll das in der Praxis realisiert werden?

Die Partner vereinbaren einen Datenaustausch und legen dies in einem Vertrag fest. Dieser ist standardisiert und in Software implementiert und wird mit den Daten immer mitgegeben. Die Implementierung ist sehr einfach. An jedem Datum ist dieser Vertrag angehängt. Er beschreibt, was der Empfänger mit den Daten tun darf und was nicht. Der Sender bleibt Eigentümer, kann Bedingungen der Nutzung festlegen und auch den Zeitraum der Gültigkeit. Letzteres ist wichtig: Das ist praktisch der digitale Radiergummi. Und hinter dem Ganzen steht dann auch keine komplexe Organisation. Es ist praktisch die Standardisierung, mit der wir den Datenaustausch einfach gestalten.

Welche Rolle spielt dann der Verein, dessen Vorsitzender Sie sind?

Der Verein wurde von Anwendern gegründet, die von einem sicheren Datenaustausch profitieren wollen. Sie formulieren ihre Erwartungen an den Industrial Data Space. Natürlich laden wir auch Software- oder Diensteanbieter ein, die auf Basis der Standards dann Produkte entwickeln können, die diese Standards umsetzen. Dies erhöht letztlich die Auswahl für die Anwender.

Also ist die Mitgliedschaft Voraussetzung für die Nutzung des Industrial Data Space, des IDS?

Ja, denn die Mitglieder müssen sich verpflichten, sich an die Standards zu halten. Es wird natürlich auch eine Zertifizierung nötig sein, die die Selbstverpflichtung, sich an die Standards zu halten, untermauert.

Und das Ganze funktioniert dann in einer Cloud-Umgebung, oder bevorzugen Sie Ad-hoc-Verbindungen zwischen Firmen?

Es wird beide Varianten geben. Man wird sicher Daten unter den Bedingungen des IDS in die Cloud stellen können, aber auch aus eigener Datenhaltung transparent zur Verfügung stellen. Das gewährleisten Softwaremodule, die sogenannten Konnektoren.

Welche Sicherheit sollen die Standards des IDS bieten?

Wir gewährleisten praktisch alle Mechanismen für den Datenaustausch. Dazu gehören die gesicherte Identifizierung der Partner, der sichere Datenaustausch, sichere Netzwerkdienste, Skalierbarkeit, Offenheit, die Hersteller- und Anwenderneutralität sowie die Zertifizierung der Teilnehmer.

Der IDS wurde erstmals auf der Cebit 2015 vorgestellt, weitere Aktivitäten liefen zur Cebit 2016 und zur vergangenen Hannover Messe. Was antworten Sie Unternehmen, die fragen, warum das alles so lange dauert?

Sie haben Recht, die Idee zum IDS gibt es schon länger. Aber der Verein wurde erst im Januar 2016 gegründet und hat in den wenigen Monaten seither schon eine ganze Menge erreicht. Ursprünglich hatten die Fraunhofer-Gesellschaft und die Bundesregierung die Idee angeschoben. Das BMBF finanziert ein Projekt zur prototypischen Implementierung der Referenzarchitektur und der Schnittstellen des IDS bei der Fraunhofer-Gesellschaft. Der Verein kümmert sich um die Anforderung der Nutzer, die Standardisierung, die Kommunikation und den internationalen Auftritt.

Und wie ist der Status heute?

Die Architektur steht, die Definitionen stehen, die Implementierung hat begonnen. Der Verein stellte zwei Arbeitsgruppen zusammen. Eine für die Architekturdetails und eine für Anforderungen an Architektur und Implementierung. Das Ganze ist Work in Progress. Und jetzt suchen wir mit stabilen Aussagen weitere Partner.

Wie groß ist denn der Verein heute?

Wir haben uns mit 18 Mitgliedern gegründet, jetzt sind es 22. Seit der Hannover Messe führen wir Diskussionen mit weiteren Interessenten. Unser Ziel ist es, die Hürde für den Beitritt so gering wie möglich zu halten. Das ist gerade im Hinblick auf den Mittelstand ganz wichtig. Je mehr Mitglieder wir haben, umso besser. Das beginnt beim reinen „Mithören“ bis hin zur aktiven Mitarbeit in den Gremien. Dazu gehören natürlich auch gestaffelte Mitgliedsbeiträge, die sehr niedrig beginnen.

Streben Sie denn eine europäische oder gar internationale Standardisierung des IDS an?

Standardisierung im IT-Bereich macht in Deutschland allein keinen Sinn. Die Initiative wurde hier gestartet, weil die Themen Datensicherheit und sicherer Datenaustausch hierzulande den höchsten Stellenwert haben. Aber wir haben sehr großes Interesse, auch international zu wirken. Dazu gehören nicht nur Veranstaltungen auf europäischer Ebene. IDS muss ein globaler Standard werden, sonst macht das Ganze keinen Sinn.

Gibt es denn vergleichbare Aktivitäten in anderen Regionen der Welt?

In unserem Sinne – mit dem starken Fokus auf die Datensouveränität – sind mir keine anderen Initiativen bekannt.

Wie reagieren Google & Co.?

Google und die Betreiber von Social-Media-Plattformen richten sich eher an den Endverbraucher. Wir sind derzeit mit allen großen Playern im Markt im Gespräch, die den Fokus auf den industriellen Datenaustausch haben.

Wie treiben Sie die globale Standardisierung voran?

Um mit den internationalen Normungsgremien zu sprechen, ist es noch zu früh. Da habe ich persönliche Erfahren aus der OPC-Foundation (Open Platform Communications, Anm. d. Red.): Erst muss man einen De-facto-Standard etablieren und diesen dann festschreiben lassen. Sonst dauern die Prozesse sehr lange. Und Zeit ist ein sehr kritischer Faktor.

Wann ist denn der IDS fertig?

Wenn das Projekt den Erfolg hat, den wir wünschen und den wir als Industrie dringend benötigen, dann wird es ein kontinuierliches Projekt über die nächsten 20 Jahre werden. Fortschritte unserer Arbeit werden kontinuierlich kommuniziert. Erste konkrete Umsetzungen erwarten wir im Jahr 2017.

Und wer wird letztlich Anwender des IDS sein?

Wir haben uns bewusst sehr breit aufgestellt. Auch Banken und Versicherungen sind interessiert, nicht nur der klassische Industriebereich. Dort sind wir eine Ergänzung zu Industrie 4.0, keine Konkurrenz. Industrie 4.0 ist stark fertigungsorientiert, der Industrial Data Space ist breiter aufgestellt: Überall, wo es um Datenübertragung unter Unternehmen geht, kommt er ins Spiel.

IT in der Industrie gibt es seit Jahrzehnten. Warum kam das Thema IDS erst 2015 auf den Tisch?

Weil erst jetzt der reale Druck vorhanden ist. Man hat zwar schon lange über Cloud, Open Access und andere Themen diskutiert, aber die Durchdringung in der Industrie ist noch nicht sehr weit. Vieles wurde in der Vergangenheit proprietär gelöst, jetzt kommt der Druck der Standardisierung. Also ist jetzt der ideale Zeitpunkt, das Thema voranzutreiben. Die technischen Mittel zur Realisierung sind verfügbar und die Anwender spüren den Druck, einen sicheren Datenaustausch jetzt zu implementieren.

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