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Freitag, 29. August 2014, Ausgabe Nr. 35

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Automobil

Kleinwagen Adam startet mit großen Hoffnungen

Von Jutta Witte | 18. Januar 2013 | Ausgabe 3

In Eisenach ist die Produktion für den Opel Adam gestartet. Das neue Lifestyle-Auto soll nicht nur dem Fiat 500 und dem Mini Konkurrenz machen. Für das kriselnde Automobilunternehmen, das rote Zahlen schreibt und vor wenigen Wochen das Aus für sein Bochumer Werk verkündet hat, ist der Kleinwagen auch ein Hoffnungsträger.

Der Andrang in der Endmontagehalle des Opel-Werks in Eisenach war riesig. Journalisten aus aller Welt drängelten sich ebenso hinter dem Absperrband wie um Optimismus bemühte Opel-Mitarbeiter in grauen Hosen und weißen Hemden. Es ging nicht nur um den Start der Serienfertigung des neuen Modells, vor allem soll davon ein Signal ausgehen für eine bessere Opel-Zukunft.

Stephen Girsky, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Opel-Mutterkonzerns General Motors (GM) und Chef des Opel-Aufsichtsrats, sprach denn auch von einem besonderen Moment für Eisenach und das gesamte Unternehmen: "Der Adam ist mutig, innovativ und vielfältig – er steht damit für die Aufbruchstimmung bei Opel."

Der Opel "Adam"

Das Auto, dessen Startmodell Girsky schließlich an der Seite von Hochspringerin Ariane Friedrichs selbst in die Halle fuhr, soll im A-Segment vor allem durch zwei Alleinstellungsmerkmale punkten: vielfältige Personalisierungsoptionen mit rund 61 000 Kombinationsmöglichkeiten im Exterieur und 82 000 im Interieur und einem Infotainment-System namens IntelliLink, das seinen Fahrer über Bluetooth oder USB mit dem Internet und seinem Mobiltelefon verbinden kann. Auch die Apple-Sprachsteuerung Siri soll in Kürze verfügbar sein. LED-Sterne im Dachhimmel, 12 Karosseriefarben, 31 Rad- und Reifendesigns und ein beheizbares Lenkrad gehören unter anderem zu den vielen Details, die den Adam für junge und trendbewusste Kunden attraktiv machen sollen.

"Fast jeder Adam wird ein Unikat sein", verdeutlichte Thomas Sedran, der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Adam Opel AG. Weltweit gebe es kein Fahrzeug mit so vielen Ausstattungsvarianten. 16 000 Bestellungen gibt es nach seinen Angaben schon für das Auto "made in Eisenach". Opel geht davon aus, dass knapp 80 % der Kunden Privatkäufer sein werden. Davon sollen Neukunden die Hälfte ausmachen. Aber auch "Imageträger" für Firmen und Betriebe soll der Adam werden.

Nachdem kurz zuvor kolportiert wurde, der französische Autokonzern PSA Peugeot Citroën würde Opel kaufen und während der "Bochum-Schock" noch tief sitzt, geht es Sedran auch um den Produktionsstandort Deutschland. Das Hochlohnland, in dem der Adam als einziges Auto seines Segments gebaut werde und wo Opel insgesamt 20 000 Menschen beschäftige, bezeichnete er als Heimat und Rückgrat des Unternehmens und dessen "wichtigsten Markt". Die Verkaufsgerüchte dementierte er.

"Der Adam ist ein klares Bekenntnis zum Standort Eisenach und zum gesamten Industriestandort Deutschland." Das Werk in Thüringen mit seinen 1600 Mitarbeitern sei eines der effizientesten Kleinwagenwerke der Welt, lobte der stellvertretende Vorstandschef. In Eisenach wird auch der Corsa produziert, angesichts des kriselnden Marktes in Südeuropa derzeit allerdings nur im Zweischichtbetrieb. Der Adam sei also nicht nur ein "Kleinod", das alle mit Stolz erfüllt, wie der Eisenacher Betriebsratschef Harald Lieske sagte, sondern auch "Teil des Standortsicherungsvertrags für die deutschen Werke". Auf Gehaltssteigerungen von bis zu 10 % hätten die Mitarbeiter verzichtet, um das Adam-Projekt zu verwirklichen. Nun will Lieske, der den Gemeinschaftsgeist der Opelaner beschwörte, "nach vorne schauen".

3 Mio. Opel-Fahrzeuge sind in Eisenach in 20 Jahren gebaut worden. Mehr als 1 Mrd. € hat das Unternehmen nach Sedrans Worten in dieser Zeit in das Werk investiert, allein 190 Mio. €, um zusätzlich zum Corsa den Adam auf die Produktionslinie zu bringen. Binnen zwölf Monaten ist hier eine neue Mehrzweckhalle mit 22 000 m² Nutzfläche aus dem Boden gestemmt worden, in der 234 Mitarbeiter sieben Rohbaukomponenten – unter anderem die Radgehäuse, die Rückwandklappen und die Türen – direkt vor Ort anfertigen. Diese Erhöhung der Fertigungstiefe gilt als eines der Qualitätsmerkmale des Adam. Innovative Produktionstechniken wie das adaptive Schweißen kommen hier zum Einsatz.

Modellfabrik und Trainingszentrum zugleich sei das Eisenacher Werk jetzt, sagte Betriebsrat Lieske. Hier werde handwerkliche Fertigung verlangt. "Das ist Neuland." Auch Thüringens Wirtschaftsminister Matthias Machnig weiß den Produktionsstandort, der in der Region so viele Arbeitsplätze sichert, zu schätzen. Die Landesregierung, beteuerte der Minister, unterstütze den Standort und auch Opel, aber sie habe auch Erwartungen an GM, z. B. die volle Auslastung des Werkes über das Jahr 2016 hinaus, den Bau weiterer Autotypen in Eisenach und Investitionen in Zukunftsmärkte wie Asien, Russland oder Brasilien. Diese Botschaft solle Girsky mit in die USA nehmen.

"Wir ruhen uns nicht aus", betonte Sedran. Exportbeschränkungen gebe es nicht, sagt er mit Blick auf Machnigs Forderungen, solange man nachweisen könne, dass man damit Geld verdienen könne. Im Rahmen eines klaren Zehnjahresplans gehe nun die milliardenschwere Modelloffensive weiter. Sedran verweist auch auf den neuen Geländewagen "Mokka", für den derzeit mehr als 65 000 Bestellungen vorlägen. Mit dem Cabrio Cascada stehe schon der "nächste Neuling" in den Startlöchern, so Sedran weiter. 23 neue Fahrzeuge und 13 neue Motoren will Opel nach seinen Angaben von 2012 bis 2016 auf den Markt bringen. JUTTA WITTE

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