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Donnerstag, 14. Dezember 2017

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Künstliche Intelligenz im Rechenzentrum

Von Harald Weiss | 29. November 2013 | Ausgabe 48

Vor zwei Jahren gewann IBMs Supercomputer "Watson" eine mehrteilige Quizshow gegen die besten Kandidaten. Jetzt soll Watson schon bald auch den Rechenzentrumsbetrieb deutlich verbessern.

"Wir stehen an der Schwelle einer völlig neuen Ära bei der Informationsverarbeitung", sagt IBMs Softwarechef Steve Mills. Damit meint er die neuen Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz (KI), bei der die Computersysteme lernen, verstehen, vorhersagen und selbstständig entscheiden können. "Kognitive Systeme" (KS) nennt IBM diese neuen Computer, von denen Watson das Paradebeispiel ist. Dieses System findet derzeit eine breite Anwendung in der medizinischen Diagnose, doch weitere Betätigungsfelder sind schon in der Vorbereitung.

So soll es bald mit neuer Software möglich sein, die gesamte Infrastruktur eines Rechenzentrums (RZ) mittels KS zu optimieren. "Server, Netzwerke, Anwendungen sowie die vielen mobilen Endgeräte produzieren pro Tag bis zu 1,3 TBytes, die von Systemwarnungen, Logfiles, Fehlermeldungen und Performance-Daten generiert werden", heißt es in einem IBM-Statement.

Vieles davon ist unwichtig, doch viele dieser Daten enthalten wichtige Informationen, mit denen sich die Leistung, die Produktivität und die Systemverfügbarkeit deutlich verbessern lassen. Das Problem ist jedoch, dass die Systemadministratoren immer seltener in Lage sind, diese immense Informationsflut auszuwerten, um die entsprechenden Schlussfolgerungen daraus zu ziehen. Folglich werden die meisten Daten ganz einfach gelöscht, da man mit solchen Datenbergen nichts mehr anzufangen weiß.

Jetzt aber soll in Zukunft Watson die wichtigen von den unwichtigen RZ-Informationen automatisch trennen und analysieren "Watson kann das, was er liest verstehen, er kann die richtigen Rückschlüsse daraus ziehen und er kann darüber hinaus geeignete Verbesserungen automatisch einleiten – und er ist lernfähig, sodass seine Arbeit und seine Entscheidungen immer besser werden", sagt IBM-Forschungsdirektor John Kelly, unter dessen Regie das System entwickelt wurde.

Doch noch ist es nicht so weit. Vorläufig konzentriert man sich bei der Weiterentwicklung von Watson auf den Einsatz im Gesundheitswesen und in der Pharmaindustrie. IBM hat aber bereits eine Software in Vorbereitung, mit der sich die IT-Daten automatisch analysieren und für entsprechende Entscheidungen aufbereiten lassen. Dieses Paket wird schon bald als Cloud-Lösung auf den Markt kommen. Es hat einen entsetzlich langen Namen: IBM SmartCloud Analytics – Predictive Insights.

Diese Cloud-Software soll in der Lage sein, die riesigen RZ-Daten in Echtzeit aufzunehmen, zu bearbeiten, zu analysieren und sofort alles auf die wenigen wichtigen Informationen und notwendigen Entscheidungen zu reduzieren. Auch diese Software wird mit den Aufgaben und mit den zur Verfügung stehenden Informationen hinzulernen. Ändert sich beispielsweise die Infrastruktur, so reagiert das System sofort und passt alle betroffenen Konfigurationseinstellungen automatisch an.

Eines der größten Probleme beim Einsatz von derart kognitiven Systemen im RZ-Betrieb ist, dass die meisten Rechenzentren heterogene Gemischtwarenläden sind. Es gibt keine einheitliche Plattform, von der alle Performance-Daten, Logfiles und Alarmmeldungen abgerufen werden können. Hinzu kommen sehr viele unterschiedliche Datenformate, die auf den verschiedensten Speichereinheiten abgelegt werden, denn bislang haben die Betriebssystementwickler diesen Dateien keine besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Hier ist also für eine effiziente Implementierung und für eine schnelle Marktakzeptanz noch einiges an Basisarbeit zu leisten. HARALD WEISS

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