Passwort vergessen?  | 
 |  Passwort vergessen?  | 
Suche
  • Login
  • Login

Donnerstag, 14. Dezember 2017

Geothermie

Lateinamerika größter Zukunftsmarkt für Erdwärme

Von Eckart Pasche | 29. November 2013 | Ausgabe 48

Die Messe Essen will der Branche mit einer neuen Industriemesse, der Geo-T Expo, eine Plattform geben. Im Export liegen dabei die größten Chancen für deutsche Technologieanbieter.

Geothermiekraftwerk
Foto: Uwe Anspach/dpa

Geothermiekraftwerk in Insheim: Deutschland liegt bei der geothermischen Wärmenutzung weltweit auf Rang fünf.

Bei der Wärmegewinnung aus Erdwärme nimmt Deutschland weltweit den fünften Platz ein, weil es in rund 3000 m Tiefe über Gesteins- und Wassertemperaturen von deutlich über 100 °C verfügt. So könnte sich das an Rohstoffen arme Deutschland mit der Nutzung der Erdwärme aus Gesteinsschichten ab 400 m Tiefe unabhängiger von Energieimporten machen.

Der Leistungsbereich geothermischer Energiesysteme umfasst ein weites Spektrum: von der 5-kW-Wärmeversorgung eines Einfamilienhauses bis hin zu Erdwärmekraftwerken mit thermischen und elektrischen Leistungen im MW-Bereich.

Frank-Michael Baumann, Geschäftsführer der Energieagentur NRW, bedauert, dass sich die Diskussion um erneuerbare Energien meist auf die Stromerzeugung bezieht: "Wenn in Deutschland über die Energiewende gesprochen wird, dann wird fast immer über Strom gesprochen. Die Erzeugung von Wärme, die mindestens genauso wichtig ist, wird nicht thematisiert. Und hier liegt der Vorteil der Geothermie, ich kann mit der Geothermie Raumwärme erzeugen."

Rund drei Viertel des Energiebedarfs in den privaten Haushalten Deutschlands wird zur Wärmeerzeugung benötigt und rund 12 % für warmes Wasser. Das sind zusammen 87 % des Energiebedarfs, der prinzipiell mit Geothermie gedeckt werden kann. "Wind, Wasser und Photovoltaik erzeugen Strom. Mit Geothermie aber kann man Wärme erzeugen und im Sommer auch kühlen", so Baumann.

Die Erdwärmeliga erstellt jährlich eine Rangliste auf Basis der Förderzahlen von Erdwärmesystemen mit Sonden, Kollektoren und Grundwasserbrunnen als Wärmequelle. Die Preisträger wurden Mitte Oktober im Rahmen der Eröffnung des Geothermiekongresses 2013 in Essen ausgezeichnet. Die Punkte ergeben sich aus der installierten Leistung pro 100 000 Einwohner. Die Datengrundlage bilden die Zahlen der vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) geförderten Erdwärmepumpen für das jeweils vergangene Jahr.

Nutzung und Förderung der Erdwärme sind in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich. Mit 90 Punkten lässt Bayern Brandenburg, den Gewinner der letzten drei Jahre, hinter sich. Der Vorjahressieger kommt auf 78 Punkte. Aufsteiger des Jahres ist Sachsen (58 Punkte). Der Freistaat klettert um drei Plätze auf den Bronzeplatz.

Sachsen, so Norbert Eichkorn, Präsident des Landesamts für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, erstellt derzeit einen landesweiten Geothermieatlas, der ab 2014 die regionalen Potenziale abbilden soll. "Außerdem bieten wir Leitfäden an."

In Nordrhein-Westfalen wurde das Web-Tool www.geothermie.nrw.de zur Planung von Erdwärmeanlagen entwickelt. "Für jedes Grundstück lässt sich jetzt schnell und kostenfrei prüfen, ob beim Neubau eines Gebäudes oder bei einem notwendigen Austausch der Heizungsanlage eine Wärmepumpenheizung mit Erdwärme wirtschaftlich ist", betont Uwe H. Burghardt von der Energieagentur NRW.

Partnerland der neuen Branchenmesse Geo-T Expo in Essen war bei der Premiere Mitte Oktober die Türkei. Sie verfügt über das weltweit fünftgrößte geothermische Potenzial und treibt den Ausbau der erneuerbaren Energien dynamisch voran.

Atilla Gürbüz, stellvertretender Generaldirektor im türkischen Ministerium für Energie und natürliche Ressourcen, warb in Essen intensiv um Investoren. Aufgrund des gestiegenen Energiebedarfs seines Landes müssten bis zum Jahre 2023 Energieinvestitionen in Höhe von 125 Mrd. $ bis 130 Mrd. $ getätigt werden, so Gürbüz.

Auch in Zentralamerika wächst der Energiehunger. Allein geothermische Ressourcen könnten die gesamte Region mit Strom versorgen, weiß Rolf Bracke, Direktor des GZB-International Geothermal Centre: "Regional betrachtet ist Lateinamerika mit seinen enormen Ressourcen und seinen vielen Verbrauchern in den Schwellenländern von Mexiko über Chile bis nach Argentinien der größte geothermische Zukunftsmarkt. Mehr noch als Fernost oder Afrika." ECKART PASCHE

stellenangebote

mehr