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Donnerstag, 14. Dezember 2017

Navigation

Mit offenen Standards raus aus dem Stau

Von Bernd Müller | 29. November 2013 | Ausgabe 48

Mit OpenLR hat Tomtom einen offenen Datenstandard etabliert, der Navigationsgeräte mit präziseren Verkehrsinformationen versorgt. Jeder Navi-Hersteller und jeder Anbieter von Verkehrsinformationen kann ihn kostenlos nutzen.

Stau
Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

15 % kürzere Reisezeiten – das verspricht schon eine OpenLR-Ausstattung von nur 3 % aller Fahrzeuge in Deutschland.

Vom Regen in die Traufe: Viele Navis lotsen Autofahrer bei einem Stau auf der Autobahn auf eine Umleitung auf die Landstraße – und damit geradewegs in den nächsten Stau. Das liegt an TMC (Traffic Message Channel), das heute in den meisten Navigationsgeräten eingebaut ist: Rundfunksender übermitteln Stauwarnungen, das Navi errechnet damit eine Umleitung.

Doch TMC ist mit maximal 64 000 Ortspunkten für ganz Deutschland viel zu ungenau, es enthält nur Autobahnen und wichtige Hauptstraßen. Für ein besseres Staumanagement müssten auch Nebenstraßen einbezogen werden. Ideal wäre, wenn so ein System sogar das Ende eines Staus auf 100 m genau angeben könnte.

Mit OpenLR soll alles besser werden. Der Navi-Hersteller Tomtom hat den Datenstandard 2009 eingeführt, über 1 Mio. Geräte hat das niederländische Unternehmen bereits hier zu Lande damit verkauft. LR steht für Location Referencing, womit das Verknüpfen von Karten mit Informationen wie Staustellen, Unfällen, Tankstellen, Spritpreisen, Glatteiswarnung, freien Parkplätzen, Radarfallen und vieles mehr gemeint ist.

"OpenLR verknüpft das Was mit dem Wo", sagt Sven Baselau, Chefentwickler von OpenLR. Unstimmigkeiten, weil Karten beim Sender von Verkehrsinformationen und Karten beim Empfänger im Navi nicht völlig identisch sind, sind zwar auch mit OpenLR nicht ganz ausgeräumt, doch Tests zeigen, dass die Informationen und Empfehlungen viel genauer sind als bei TMC, das in einigen Jahren vom Markt verschwinden dürfte.

Die Chancen, dass sich OpenLR durchsetzt, stehen auch deshalb gut, weil es ein offener Standard ist. Jeder Hersteller von Navis und jeder Anbieter von Verkehrsinformationen kann ihn kostenlos nutzen.

OpenLR gilt als Schlüssel für den Erfolg von Connected Car: Fahrzeugen, die mit dem Internet und anderen Fahrzeugen vernetzt sind. Navis sind zunehmend mit dem Mobilfunknetz verbunden, entweder direkt oder über Bluetooth über das Smartphone.

Künftig kommen OpenLR-Informationen auch über den digitalen Rundfunk DAB. Die ARD will ihre Sender für OpenLR öffnen. Die Killerapplikation sind dabei zunächst Verkehrsinformation in Echtzeit – die nach einer Umfrage von Tomtom auf Platz eins in der Wunschliste von Autofahrern stehen.

Das kommt dem niederländischen Hersteller entgegen. "Wir verdienen nicht mit OpenLR Geld, sondern mit den Inhalten, die darüber transportiert werden", sagt Ralf-Peter Schäfer, Leiter Verkehrsprodukte bei Tomtom. Tatsächlich stecken die niederländischen Navis in vielen Autos, etwa in der S-Klasse von Mercedes, Tomtom liefert dazu die Verkehrsinformationen gegen Gebühr und nahezu in Echtzeit.

Die Kunst von Anbietern von Verkehrsmanagement-Software ist, aktuelle Informationen aus vielen Quellen zu sammeln und daraus Vorhersagen zu treffen. Quellen sind GPS-Positionsdaten von Navis oder Mobiltelefonen, Anrufe von Staumeldern, Temperatursensoren im Auto und viele mehr. Werden mehrere Fahrzeuge auf einer Straße langsamer, deutet das auf einen Stau hin, die Warnung geht in Sekunden zurück an die Autofahrer. Künftig werden die Informationen so genau sein, dass das Auto automatisch vor einem Stau abbremst, den der Fahrer noch gar nicht sehen kann.

Damit die Warnungen und Empfehlungen tatsächlich einen Mehrwert bringen – nämlich kürzere Reisezeiten – sollten 3 % der Navis mit OpenLR ausgestattet sein. Das ist allein schon mit den Tomtom-Geräten der Fall. Eine Studie zeigt, dass das die Reisezeit im Schnitt um 15 % verkürzt. Steigt die Marktdurchdringung auf über 10 %, profitieren auch Autofahrer ohne ein Navigationsgerät. Denn wenn 10 % der Fahrzeuge umgeleitet werden, wird der Stau auch für alle anderen kürzer.

OpenLR entlastet auch die Budgets der Verkehrsplaner. Beispiel Berlin: In Tempelhof betreibt die Stadt ein Traffic Control Center, das alle Ampeln und Infotafeln im Verkehr der Stadt steuert, sowie unter der Leitung von Siemens ein Traffic Information Center, das Verkehrsinformationen herausgibt. In Tempelhof laufen Daten etwa aus Kontaktschleifen an Ampeln sowie der Flow-Data-Service von Tomtom zusammen. Das Center steuert die Ampeln und Anzeigen je nach Verkehrslage.

Jeden Tag sehen 700 000 Autofahrer diese Displays. Weil die Vorhersagen immer besser werden, entfällt der Zwang, immer neue Sensoren in die Straßen zu bauen. "OpenLR hilft uns, künftig Kosten zu sparen", sagt Ralf Kohlen, Projektmanager beim Verkehrsmanagementzentrum Berlin.  BERND MÜLLER

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