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Freitag, 28. November 2014, Ausgabe Nr. 48

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Mobilfunk

Neue Runde im Kampf um die mobile Geldbörse

Von Frank Erdle | 20. Januar 2012 | Ausgabe 3

Mit einem gemeinsamen Kraftakt wollen die deutschen Mobilfunker endlich das Bezahlen per Handy durchsetzen. Mächtige Finanzdienstleister wie die Sparkassen-Finanzgruppe halten dagegen und wollen mit eigenen Konzepten bargeldloses Bezahlen forcieren. Diese basieren jedoch auf Karten und nicht auf Smartphones.

An der Côte d''Azur hat die Zukunft schon begonnen: Etwa 5000 Einwohner von Nizza können an über 1800 Kassenterminals mit ihren Handys bezahlen und viele weitere komfortable Dienste nutzen – vom Fahrkartenkauf für den öffentlichen Nahverkehr über den Empfang digitaler Rabattmarken bis zum Zugangsmanagement für Immobilien. Die südfranzösische Hafenstadt gilt als heimliche europäische Metropole in Sachen Near Field Communication, kurz NFC, – jener zukunftsweisenden Technologie, die den sicheren drahtlosen Datenaustausch über eine Entfernung von etwa 15 cm ermöglicht.

Hinter dem ehrgeizigen Projekt, das unter der Bezeichnung "Cityzi" vermarktet wird, steht der französische Mobilfunkanbieter Orange, eine Tochter von France Télécom. Anfang 2012 will der Konzern sein NFC-Netz auf weitere Großstädte wie Straßburg ausdehnen.

Hierzulande steckt der Nahfunk für mobile Bezahldienste trotz interessanter Ansätze wie das Bahnsystem "Touch & Travel" noch immer in den Kinderschuhen. Dabei interessiert sich einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) zufolge bereits jeder zweite Deutsche für das Handy-Payment.

Auf die Frage, welchem potenziellen Dienstleister sie beim Bezahlen mit dem Mobiltelefon vertrauen würden, nannten 86 % der befragten Bundesbürger ihre Hausbank. 74 % könnten sich auch Kooperationsmodelle zwischen Mobilfunknetzbetreibern und Kreditinstituten vorstellen. Letztere zieren sich aber noch, ein Zweckbündnis mit den Mobilfunkern einzugehen, um die Smart-
phones der Nation mit komfortablen Bezahlfunktionen auszustatten.

Tatsächlich sind die Herausforderungen groß: Schließlich gilt es künftig, die Daten von vielen Millionen Kunden gemeinschaftlich zu verarbeiten. Ohne eine intelligente Vernetzung der IT-Systeme und dem Festzurren verbindlicher Schnittstellen geht da nichts.

Womöglich wollen Vodafone, T-Mo-
bile und Telefónica O2 deshalb in diesem Jahr erst mal allein losmarschieren und Kunden für die funkende Variante ihres SMS-Lastschriftverfahrens mpass einsammeln, das bisher trotz einer möglichen Reichweite von über 70 Mio. Mobiltelefonierern nur auf bescheidene Resonanz stieß.

Zunächst steht aber die Gründung einer gemeinsamen Gesellschaft an, um die NFC-Einführung nicht zu vermasseln. "Im zweiten Quartal 2012 geht mpass dann in den stationären Handel und kann von Kunden via NFC genutzt werden", verrät Telefónica-Sprecher Ralf Opalka den VDI nachrichten. Nach dem Pilotbetrieb soll der Ausbau vorangetrieben werden: "Wir führen intensive Gespräche mit allen wichtigen Marktteilnehmern. Hierbei sprechen wir verstärkt den nationalen Einzelhandel an, beispielsweise Kinos oder Restaurantketten", berichtet Opalka.

Auch bei Telekom und Vodafone laufen in diesen Wochen die Vorbereitungen für den NFC-Start an. Showcases auf der CeBIT sind denkbar, aber noch nicht beschlossen. Dafür wird ein anderes interessantes Detail aus den Bonner und Düsseldorfer Firmenzentralen bestätigt: Weil es aktuell nur wenige NFC-Smartphones von Google/Samsung, Samsung selbst und Nokia gibt, wollen die Netzbetreiber bald kostenlose NFC-Sticker verteilen, die man unter den Akku schieben oder auf den Handyrücken kleben kann – attraktiv verpackte Innovationen sehen anders aus.

Die Eile kommt nicht von ungefähr: Finanzdienstleister und Sparkassen buhlen ebenso um den lukrativen Zukunftsmarkt, können die technischen Herausforderungen aber kaum stemmen. "Bei der Verzahnung der Prozesse für das M-Payment kommt es entscheidend auf Branchenerfahrungen in den sehr unterschiedlichen IT-Welten von Telekommunikationsunternehmen und Banken an", weiß Volker Klünter von der Unternehmensberatung Steria Mummert Consulting. Der Kern eines mobilen Payment-Systems sei die sichere Datenübertragung am Point of Sale. Somit erfordere der NFC-Einsatz an der Kasse eine mobile Transaktionssicherheit, die bisher in der Abrechnungskette bei Handytarifen unnötig war.

Wie das Ganze funktionieren kann, demonstriert seit Herbst Google mit seinem Payment-Service "Wallet" – bis auf Weiteres aber nur für die Kunden des US-Mobilfunkanbieters Sprint, die zudem im Besitz einer Mastercard sein müssen. Verbraucherschützer sehen solche Lösungen wegen der möglichen kommerziellen Auswertung und Weitergabe von Kundendaten mit Sorge.

Handys können aber auch ohne speziellen Chip zur funkenden Geldbörse werden. Der Onlinebezahldienst Paypal möchte in den nächsten Monaten den stationären Handel mit einer Einkaufs-App erobern. Dabei werden alle Infos für den Kaufvorgang als QR-Code, zweidimensionaler Barcode, gespeichert, der von der Handy-Kamera ausgelesen wird.

Fachleute sind sich jedoch einig, dass der Near Field Communication wegen ihrer zahllosen Anwendungsmöglichkeiten die Zukunft gehört. Zumal die Bauteile immer besser und winziger werden. So hat Samsung Electronics vor Kurzem einen serienreifen NFC-Chip mit eingebettetem "Secure Element" zum Speichern sensibler Daten und Sicherheitsschlüssel präsentiert, der über 760 kByte Flash-Memory und eine "Battery off"-Funktion verfügt. Schließlich sollen Konsumfreudige auch dann mit ihrem Smartphone shoppen gehen können, wenn der Akku leer gesaugt ist.

  FRANK ERDLE

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