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Donnerstag, 14. Dezember 2017

Internet

Neue Trackingmethoden sollen Surfverhalten besser analysieren

Von Chr. Schulzki-Haddouti | 29. November 2013 | Ausgabe 48

Cookies als Instrument, das Surfverhalten von Internetnutzern auszuspionieren, könnten bald ausgedient haben. Microsoft, Google und Facebook setzen auf eigene, neue Tracking-Methoden, um an Nutzerdaten zu kommen.

Tracking
Foto: ddp

Personenverfolgung: Verbesserte Tracking-Methoden erlauben es Werbetreibenden, Nutzer überall zu identifizieren und ihnen zu folgen.

Die Web-Konzerne Microsoft, Google und Facebook entwickeln nach eigenen Angaben derzeit neue Tracking-Systeme, um das Surfverhalten der Nutzer auszukundschaften.

Die zunehmende Beliebtheit mobiler Geräte treibt die Entwicklung voran. Denn Cookies funktionieren auf Smartphones und Tablets nur eingeschränkt. Werbeagenturen wollen aber wissen, wer in der Mittagspause mit seinem Smartphone gerade online shoppen geht oder wann eine Anzeige in einer mobilen Spiele-App eingeblendet werden muss, damit sie vom Nutzer auch beachtet wird.

Microsoft kündigte jetzt an, jedem Kunden mit einer "Advertising ID" eine eindeutige Kennzahl zuzuweisen. Damit sollen Kunden über alle möglichen Anwendungen hinweg beobachtet werden können. Funktionieren soll das bei Apps auf dem Windows-Betriebssystem 8 und 8.1 auf Tablets und PCs.

Ähnliches hat Apple schon vor einigen Monaten angekündigt: Auch hier sollen Nutzer auf Smartphones und Tablets eindeutig identifiziert, um dann mit passenden Werbeanzeigen beglückt zu werden. Sowohl Microsoft als auch Apple wollen es dem Surfer ermöglichen, die eindeutige Kennung auszuschalten.

Google setzt laut "USA Today" auf eine exakte Nutzerkennung namens AdID, die Cookies von Drittanbietern ersetzen soll. Der Konzern könnte Nutzerdaten über alle Unternehmensprodukte hinweg verfolgen und verknüpfen. So etwa über Googlemail, den Chrome-Browser und das mobile Android-Betriebssystem hinweg.

Ob Nutzer die eindeutige Kennung blockieren können, ist noch nicht bekannt. Allerdings sollen sie verschiedene AdID-Profile anlegen können. Auch sollen sie das Tracking bei Werbeanzeigen einschränken und bestimmte Tracking-Unternehmen mit neuen Browser-Einstellungen blockieren können. Weil Chrome bereits einen Anteil von rund 40 % am Browser-Markt hat und Google ein Drittel des weltweiten Onlineanzeigenmarkts kontrolliert, würde Google mit einem Alleingang bereits einen beträchtlichen Anteil des Tracking-Markts kontrollieren.

Die AdID-Daten könnte Google dann mit Werbetreibenden und Anzeigennetzwerken teilen, die Google-Nutzungs- und Datenschutzrichtlinien zustimmen. Eine offizielle Bestätigung von Google dazu gibt es noch nicht, außer einem Statement, dass man einer Verbesserung des Tracking-Systems arbeite.

Facebook ist bereits einen Schritt weiter: Der neue Anzeigendienst wurde Anfang Oktober gestartet. Er kommt ohne Cookies von Drittanbietern aus und erledigt alles über hauseigene Cookies. "Wo auch immer dein Publikum ist, ob es sich offline in der realen Welt befindet, auf deiner Website oder auf deiner mobilen App, du kannst es auf Facebook erreichen", behauptet Facebook-Produktmarketingmanager Scott Shapiro.

So soll das Facebook-Cookie den Nutzer bereits beim Onlineshopping erkennen und als mögliches Facebook-Mitglied identifizieren, wenn er sich zuvor mit dem Browser bei Facebook angemeldet hat. Der Onlineshop kann dann eine Werbeanzeige auf die mobile Facebook-App schicken, auch wenn sich der Nutzer bei dem Shop selbst gar nicht registriert hat. Immerhin bietet Facebook seinen Mitgliedern die Möglichkeit, Cookie-basierte Anzeigen nicht zuzulassen.

Gegenüber den herkömmlichen Cookies haben diese neuen Tracking-Methoden den Vorteil, dass sie den Nutzer über verschiedene Geräte hinweg wesentlich genauer erfassen.

Für die digitale Werbebranche ist angesichts der neuen Tracking-Techniken der großen Internetkonzerne wohl eine Neuaufstellung nötig. Gerade Unternehmen, die Technologien für die Auswertung und Platzierung von Onlinewerbeanzeigen entwickeln, stehen vor einer ganz neuen Herausforderung. Denn wer den Zugang zu den Tracking-Daten kontrolliert, wird auch den Werbemarkt kontrollieren. CHR. SCHULZKI-HADDOUTI

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