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Donnerstag, 20. April 2017, Ausgabe Nr. 16

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Internet der Dinge

Start-ups profitieren von der Vernetzung in Haus und Fabrik

Von Ariane Rüdiger | 2. Oktober 2015 | Ausgabe 40

Von der umfassenden Vernetzung aller Geräte – ob im Haus oder in der Fabrik – erwarten Marktforscher neue Wachstumsimpulse. Sie bietet auch Chancen für innovative Start-up-Unternehmen, die kürzlich in München bei Intel ihre Lösungen präsentierten.

IoT BU
Foto: A. Rüdiger

IoT in der Fabrik: Njoin-Gründer Haim Piratinskiy präsentiert seine Lösung, die Daten aus der Fabrik zusammenführt und visualisiert.

IoT (Internet of Things) bedeutet, dass Massen bisher unvernetzter Gegenstände über das Internet miteinander verbunden werden. Dazu benötigen sie Intelligenz in Form von Prozessoren sowie je nach Bedarf Sensoren und Aktoren. Durch die Kommunikation mit anderen Dingen oder einer zentralen Instanz in der Cloud sollen dann Daten gesammelt, ausgewertet und wenn möglich in wertschöpfende Services umgemünzt werden. Das Marktforschungsunternehmen IDC geht in einer aktuellen Studie davon aus, dass schon 2020 alle Branchen IoT nutzen werden.

Doch vorläufig befindet sich der Markt noch in den Startlöchern. Es fehlen Basistechnologien und Standards, um die Gerätewelt von der Waschmaschine bis zur Produktionsstraße mit ihren heterogenen Protokollen und Datenformaten kommunikationsfähig zu machen.

Lösungen sind in Arbeit. So kann die Schweizer Softwareschmiede Nomos System nach eigenen Angaben beliebige Geräte unabhängig von Betriebssystem oder Protokoll miteinander verbinden und für IoT-Applikationen und -Services zugänglich machen.

Mozaiq Home Innovation, ein Start-up hinter dem ABB, Bosch und Cisco stehen, hat eine Art „Maschinenraum für IoT-Lösungen und -Services entwickelt“, so CEO Dirk Schlesinger. Mozaiq wendet sich an Geschäftskunden, die zwar IoT-Services anbieten, aber nicht alles selbst bauen wollen und die Hoheit über ihre Daten behalten wollen. Die Mozaiq Operations GmbH baut und betreibt solche Dienste für die Kunden in einer Cloud-gestützten IoT-Umgebung. Schlesinger: „Wir wollen Services mit den unterschiedlichsten Geräten und Geräte mit den Services unterschiedlicher Anbieter verbinden und die Serviceanbieter von allen Betriebsaufgaben entlasten.“

Servicedesign aus der Anwenderperspektive

Den IoT-Anwendungen für den privaten Bereich schlägt häufig das Misstrauen der Anwender entgegen. Vielen ist das Smart Home zu teuer und zu „neugierig“. Oliver Guth, Teamleiter Social Media Research beim Münchner Marktforschungsunternehmen Hyve: „Wenn es um Daten aus Geräten und Maschinen geht, die zu Hause arbeiten, kaputtgehen oder Schaden anrichten können, sind Anwender durchaus sensibel.“ Es komme also beim IoT-Servicedesign darauf an, die Anwenderperspektive einzunehmen. Nur so werde ein Angebot zum Erfolg. „Viele Smart-Home-Systeme sind heute vor allem eine komplizierte Methode, das Licht ein- und auszuschalten“, sagt Guth ironisch.

Nicht so die intelligente Alarmleuchte von Comfy: Sie wird wie normale Glühbirnen in die Fassung geschraubt, kommuniziert aber mit dem Smartphone des Besitzers, merkt sich dessen Schaltrhythmus und führt ihn fort, wenn er verreist ist. Dringt während der Abwesenheit jemand in die Wohnung ein, schickt die Birne eine Nachricht ans Smartphone des Bewohners und fängt an zu blinken. An Dritte werden dabei keine Daten übermittelt.

Ein anderes Start-up, Senic, widmet sich der Neugestaltung von Benutzeroberflächen. Erstes Produkt ist das frei programmierbare Steuergerät Nuimo mit zugehöriger Smartphone-App, mit dem sich beliebige drahtlos daran angebundene Geräte steuern lassen, etwa die häusliche Beleuchtung oder die Musikanlage. Gründer Tobias Eichenwald und sein Team interessiert vor allem die Benutzerfreundlichkeit. Ihr innovative Steuerknopf besteht aus solidem Material und reagiert sowohl auf Berührung als auch auf Gestensteuerung. Beide Unternehmen sind Finalisten des internationalen Start-up-Wettbewerbs ChallengeUp, den Intel, Cisco und die Deutsche Telekom veranstalten, um vielversprechende IoT-Anwendungen zu finden.

Neue Chancen auch für etablierte Player

Intel selbst bastelt im IoT Ignition Lab in Feldkirchen bei München mit Partnern an solchen Applikationen, in denen häufig auch seine Quark- oder Atom-Prozessoren eingesetzt werden. Unter den Finalisten des diesjährigen Wettbewerbs gibt es auch Industrietaugliches. Das israelische Unternehmen Njoin zeigt eine Lösung, die alle in einer Fabrik erzeugten Daten in Echtzeit zusammenführt und mithilfe lernender Algorithmen analysiert, um die Mitarbeiter im Leitstand zu unterstützen.

Das Münchner Start-up Proglove, ebenfalls ChallengeUp-Finalist und mit engen Verbindungen zu BMW, hat einen intelligenten Arbeitshandschuh entwickelt, der Sensoren, Aktoren, Mikrofon, Bildschirm und anderes mehr in sich vereinigt und seinem Träger dabei hilft, Arbeit zügig und ohne Fehler auszuführen.

Aber nicht nur Start-ups beschäftigen sich mit IoT. Der etablierte Logistikspezialist Knapp hat eine intelligente Arbeitsbrille mit angebundenem tragbaren Mini-PC entwickelt, die Servicekräfte bei der Reparatur von Systemen unterstützt, indem die gerade nötigen Informationen optisch in den Arbeitsprozess eingespeist werden. Die Lösung ist mittlerweile z. B. bei der Deutschen Bahn im Einsatz, die 680 000 Anlagen warten muss.

www.challengeup.eu

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