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Donnerstag, 18. Mai 2017, Ausgabe Nr. 20

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Telekommunikation

Tschüss Routerzwang!

Von Regine Bönsch | 13. November 2015 | Ausgabe 46

Lange hat es gedauert, doch jetzt hat das Parlament einen Gesetzentwurf verabschiedet, der Kunden von Internetprovidern und Telekommunikationsanbietern die freie Wahl bei ihren Endgeräten lässt. Stimmt der Bundesrat noch zu, dann ist der Routerzwang endlich Geschichte.

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Foto: ddp Images

Freie Routerwahl für Verbraucher: Geht alles gut, dann muss niemand mehr die vorkonfigurierten Geräte seines Netzanbieters einsetzen.

„Wir können Ihren Anschluss leider nicht durchmessen, wenn Sie nicht unseren Router nutzen“, diese Ansage oder ähnliche hörten Kunden von Vodafone, Telekom & Co. in den letzten Jahren nur allzu oft von den Hotlines. Wer beispielsweise eine Fritzbox der Berliner AVM – und damit den häufigen Testsieger und deutschen Marktführer – nutzte, musste bei Leitungschecks in die Röhre schauen. Und muss das, auch ohne technische Begründung, manchmal immer noch. Anders sieht das aus, wenn Kunden die vom Netzanbieter mitgelieferten Router einsetzen – mehrheitlich von chinesischen und taiwanischen Firmen gefertigte Modelle.

Mehr noch: Ein Blick ins Kleingedruckte vieler Anbieter zeigt, dass DSL- und Kabelkunden oft keine Zugangsdaten für ihren Internet- und VoIP-Anschluss erhalten. Sie müssen also mit einem vorkonfigurierten Router des Anbieters klarkommen.

Doch das soll sich ändern. Diese politische Absicht hatte es Ende 2013 schon bis in den Koalitionsvertrag beschafft. Jetzt hat am Donnerstag letzter Woche der Bundestag einstimmig und ohne weitere Aussprache einen Regierungsentwurf gegen den Routerzwang beschlossen.

Telekommunikationsanbieter dürfen ihre Kunden danach nicht länger zwingen, bei der Einwahl ins Netz eine bestimmte Hardware zu verwenden. Dafür wird die Anschlussdose an der Wand künftig als „Netzabschlusspunkt“ definiert, so dass die angeschlossenen Router oder vergleichbare Endgeräte wie Kabelmodems nicht mehr der Hoheit der Zugangsanbieter unterstehen. Diese müssen ihren Kunden auch technische Zugangsdaten mitteilen.

Damit reagierte die Politik auf die massive Kritik von Verbraucherschützern an der Praxis von Telefónica, Vodafone, Telekom und diversen Kabelgesellschaften. Aber auch die Routerhersteller – von AVM bis hin zu Lancom, dem Aachener Anbieter von Businessroutern – hatten in einem Positionspapier „die gesetzlich vorgeschriebene Offenlegung der Netzzugangsschnittstelle an der TAE-Dose und eine freie Routerwahl“ gefordert. „Wir befinden wir uns nun auf der Zielgeraden“ , freut sich Lancom-Chef Ralf Koenzen.

Sprecher der CDU-/CSU-Fraktion gehen davon aus, dass das Vorhaben zu einem erweiterten Angebot an Endgeräten und so zu einem „verstärkten Wettbewerbsdruck“ führen wird. Da sich folglich die „besten Produkte“ durchsetzten, wirke dies auch „der Gefahr flächendeckender Sicherheitslücken“ entgegen und erhöhe den Verbraucher- und Datenschutz. Das erklärten sie gegenüber dem Onlinedienst Heise.

Bevor das neue Gesetz gegen Routerzwang in Kraft treten kann, muss es noch einmal den Bundesrat passieren. Koenzen: „Sollte auch hier alles gut gehen, heißt es ab Ende April 2016: Endgerätewahlfreiheit für alle!“ RB

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