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Donnerstag, 14. Dezember 2017

Informationstechnik

Umstieg auf Windows 8.1 braucht gute Vorbereitung

Von Jens D. Billerbeck | 29. November 2013 | Ausgabe 48

Mit dem kürzlich erfolgten Update von Windows 8 auf 8.1 will Microsoft die Akzeptanz des Systems verbessern. Jochen Rapp vom IT-Consultingunternehmen Computacenter beleuchtet im folgenden Interview, welche Aspekte dabei für Anwender in Unternehmen besonders wichtig sind.

Windows 8
Foto: Billerbeck

Die Benutzeroberfläche von Windows 8 ist vor allem auf die Touchbedienung an mobilen Geräten optimiert. Mit dem Upgrade auf Windows 8.1 hat Microsoft nun auf zahlreiche kritische Anmerkungen der Anwender reagiert.

VDI nachrichten: In der Öffentlichkeit hat sich ja ziemlich schnell das Bild durchgesetzt, Windows 8 sei ein Flop. Wie sehen das Ihre Kunden?

Rapp: IT-Abteilungen in großen Firmen, also unsere Kunden, diskutieren da gar nicht so hitzig wie die Öffentlichkeit. Die müssen ja von langer Hand über Lösungen nachdenken und nüchtern analysieren, was auf sie zukommt. Und natürlich wurde Kritik geübt an Windows 8. Kritik, die Microsoft jetzt aufgenommen hat und in 8.1 hat einfließen lassen.

Jochen Rapp
Foto: Billerbeck

Jochen Rapp, Solution Manager bei Computacenter, berät Kunden beim Einsatz von Windows im Unternehmen. Foto: Computacenter

Was sind denn die wichtigsten Kritikpunkte gewesen?

Aus der Sicht der Benutzer, der Fachabteilungen in den Unternehmen, war es die veränderte Benutzeroberfläche. Vor allem für jene Anwender, die ihre Rechner nicht mit Touchfunktionalitäten benutzen. Da ist jetzt mit 8.1 einiges getan worden: Desktop und ModernUI (die "Kacheloberfläche", die Red.) haben jetzt einen einheitlichen Hintergrund. Da ist heute vieles zentral administrierbar, sodass z. B. ein Benutzer das ModernUI gar nicht mehr zu sehen bekommt. Außerdem kann der Rechner gleich in den Desktop durchstarten. Der vielzitierte, bei Version 8 fehlende Startknopf ist jetzt zwar da, da hat sich aber eigentlich nicht viel geändert, denn er schaltet nur auf ModernUI um. Dieses Thema wird sowieso überbewertet. Wir haben bei Kunden für Windows 8 eine Option angeboten, den Startknopf per Software nachzuladen. Den haben dann aber nur rund 2 % wirklich genutzt.

Und was hat sich für die Administratoren durch 8.1 geändert?

Es gibt z. B. diverse Vereinfachungen, unterschiedliche Geräte unter Windows 8.1 zu integrieren. Gerade der Trend, eigene Geräte der Nutzer in die Unternehmens-IT einzubinden – Stichwort: Bring Your Own Device (BYOD) – kann dadurch besser unterstützt werden. Der Administrator hat z. B. die Möglichkeit, auf dem privaten Gerät des Anwenders die beruflichen Anwendungen und Daten aus der Ferne zu löschen und die privaten unangetastet zu lassen.

Computacenter

Und der Sicherheitsaspekt?

Da war auch Windows 8 schon ganz gut, aber in 8.1 wurden jetzt noch zusätzlich einige Standardeinstellungen geändert. So ist z. B. die Verschlüsselung standardmäßig aktiv. Auch die Möglichkeit, Funktionalitäten am Desktop einzuschränken, wurden deutlich verbessert, z. B. für Kiosksysteme. Auch der Internet Explorer 11 wurde in weiten Teilen sicherheitstechnisch verbessert.

Ist der Schritt von Windows 8 zu 8.1 aus Ihrer Sicht eher ein klassisches Servicepack oder ein neues Release?

Ich sehe es persönlich wie ein großes Servicepack an. Eines, mit dem dann auch neue Features implementiert werden. "Punkt eins" beschreibt es sehr präzise. Bei Microsoft wird es intern bei den Regeln für den Support exakt wie ein Servicepack behandelt. Das heißt, die 8.0 verliert 24 Monate nach Erscheinen von 8.1 den Support, was die Nutzer zwingt, den Schritt zu 8.1 relativ zügig zu machen, um den normalen Support zu behalten.

War dieses Update denn nun ungewöhnlich schnell?

Ein großes Servicepack hat es auch früher schon im ersten Jahr gegeben. Und ein solches lässt sich leider nicht ganz trivial in den Unternehmen ausrollen, weil es bei der Fülle vorhandener Anwendungen zu viele Abhängigkeiten gibt.

In der ModernUI-Welt, bei den Apps, hat das Microsoft im aktuellen Fall sehr gut gelöst, aber in der Desktop-Umgebung ist die Lösungswelt so vielfältig, da muss man beim Update ganz genau hinschauen und vorher evaluieren. Gleiches gilt für viele Intranetanwendungen, die auf Kompatibilität mit dem Internet Explorer 11 getestet werden müssen. Das braucht schon gute Vorbereitung.

Wie sieht es mit der Akzeptanz auf Kundenseite aus?

Einige Kunden hatten bereits mit den Vorbereitungen für 8.0 begonnen und schwenken jetzt direkt auf 8.1 um. Bei den Kunden, die derzeit noch XP einsetzen, haben wir die ganze Bandbreite: Die, die ganz klar erstmal auf Windows 7 umsteigen, aber auch solche, die gleich den Schritt zu 8.1 gehen wollen. Nach dem Motto: Jetzt haben wir so lange gewartet, dann haben wir mit 8.1 auch am längsten Ruhe. Und natürlich gibt es auch Mischformen. Firmen, die im Außendienst Tablets verwenden, auf denen 8.1 gut funktioniert, auch wenn im Unternehmen sonst noch Windows 7 verwendet wird.

Werden denn die Eigenschaften des ModernUI schon in Unternehmensanwendungen genutzt?

Im mobilen Bereich ganz sicher. Da gibt es sowohl maßgeschneiderte Lösungen, als auch erste Apps im Store. Beispielsweise unsere elektronische Aktenlösung, bei der die Akten mobil nicht nur konsumiert werden, sondern auch bearbeitet und in die Workflows im Unternehmen zurückgespielt werden können.

Welches sind denn aus Ihren Erkenntnissen die wichtigsten, ernsthaften Alternativen zur Microsoft-Welt im Unternehmen?

Im Unternehmensumfeld sind das vor allem die Thin-Clients, obwohl da natürlich meist auch eine Microsoft-Welt im Rechenzentrum dahinter steht. Dann ist natürlich Apple eine echte Alternative, wenn auch mit kleinerem Marktanteil. Es gibt starke Apple-Branchen, aber das hängt vor allem von den Applikationen ab. Übrigens funktioniert heute auch dort die Integration der Welten – Apple und Microsoft – deutlich besser. Damit steht dann wirklich der Anwender im Mittelpunkt, Er kann das nutzen, was ihm am besten gefällt, technisch lässt sich das heute meist umsetzen.

Und Linux?

Linux sehe ich in diesem Zusammenhang gar nicht. Im Serverumfeld hat es in den Unternehmen eine sehr starke Bedeutung, aber auf dem Desktop ist es anders als noch vor fünf, sechs Jahren heute absolut kein Thema mehr. JENS D. BILLERBECK

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