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Donnerstag, 14. Dezember 2017

Logistik/Maschinenbau

Verpackungsbranche erreicht „neues Rekordniveau“

Von Heinz Wraneschitz | 18. Oktober 2013 | Ausgabe 42

Verpackt wird fast jedes Gut irgendwann einmal entlang seines Lebenszyklus. Zum Einsatz kommt eine Vielzahl teils hoch spezialisierter Materialen. Auf der Fachpack in Nürnberg, dem Treff der entsprechenden Branche, finden sich sowohl Maschinenhersteller wie Logistikexperten ein – ein vielfältiger, differenzierter Wirtschaftszweig.

Bisher ist es üblicherweise Einmal-Stretchfolie, die zum Schutz des Ladeguts um Rollcontainer gewickelt wird. Doch künftig soll das anders werden. Die Transportsicherung "Roll-Safe" soll verhindern, dass Äpfel, Haarspray oder Batterien auf dem Weg vom Großhandel zum Supermarkt vom Container fallen.

Martin Köllner von der Roll-Safe GmbH aus Neufahrn bei München hat die wiederverwendbare Transportsicherung gleichen Namens entwickelt. "Roll-Safe besteht aus zwei Kunststoffplatten mit zwei speziell angefertigten Haltegummis auf der einen und zwei Gummis mit speziellen Haken zum Verschließen auf der anderen Seite", beschreibt Köllner auf der Messe Fachpack Mitte September in Nürnberg seine Entwicklung. An der haben nach seinen Angaben inzwischen auch Handelsketten Interesse.

Messe Fachpack

Transportsicherung – nur ein Aspekt der Verpackungsbranche, den die Messe Fachpack in Nürnberg abbildet. Produkte und Dienstleistungen rund um Verpackung, Technik, Veredelung und Logistik, darum ging es Ende September.

Ingenieurwissen spielt dabei eine große Rolle. Bei Allsafe-Jungfalk zum Beispiel. Deren "TransSafeGo" ist ein automatisches Gepäcknetz für Kleintransporter. Es wird vom Fahrerhaus aus rauf- und runtergefahren. Damit sparen sich gerade Paketzusteller das ständig neue Schützen der Fracht vor Freiflug im Laderaum – und viel Zeit.

Für eine Investition von etwa 2500 € werden an den Versteifungen des Laderaums Schienen montiert. In denen werden per Motoren Haken und das daran befestigte Schutznetz bewegt. Das drückt die Ladung während der Fahrt nach unten. Ob Päckchen oder anderes: Alles ist so sicher zu transportieren.

Wagner-Kunstfiguren, Antibabypillen, Autorücklichter, Wurst, Renaults Zweisitzer-Elektroauto Twizy, Zweiräder, Goldfische, Wein, Zahnpasta: Es gibt eigentlich fast nichts, was nicht mindestens einmal auf dem Weg vom Produzenten zum Verbraucher verpackt werden würde. Dazu verwenden die Verpacker Folien, Tuben, Dosen, Schäume, Metalle, Papier, Holz und andere Materialien und Utensilien. Mit all dem müssen Maschinenhersteller, Dienstleister, Transportunternehmen oder Labelproduzenten umgehen.

Wegen der vielfältigen Spezialisierungen fällt ein genauer Blick auf die Wirtschaftsdaten der Gesamtbranche schwer. So nahm auf der Fachpack Logistik einen breiten Raum ein. Holzpaletten dominieren in diesem Segment mit etwa 95 % den Markt der hergestellten Transportuntersätze. "100 Mio. Stück im Jahr sind aus Holz, aus Kunststoff höchstens 5 Mio. Paletten", erklärt Joachim Hasdenteufel, Vorsitzender des Bundesverbands Holzpackmittel, Paletten, Exportverpackung (HPE).

Der Rohstoff Holz stammt meist aus deutschem Wald. Denn das relativ schwere Material aus Osteuropa herzutransportieren, sei oft teurer, als heimische Bäume zu nutzen, so der Verband. Doch laut HPE treiben Engpässe beim Holz derzeit die Preise hoch. Deshalb wünscht sich Hasdenteufel gerade von öffentlichen Waldbesitzern mehr Einschlag, "aber natürlich in nachhaltigen Grenzen".

Die 400 Mitglieder des HPE stehen für über 1,3 Mrd. € an Jahresumsätzen. Das klingt ebenso bescheiden wie die Aussage des VDMA, des Verbands der Maschinen- und Anlagenhersteller: Der gibt den Anteil der Verpackungsmaschinen- an der deutschen Gesamtmaschinenproduktion mit "zirka 3 %" an. Das entspricht einem Wert von 5,6 Mrd. €.

Doch sind unter den 300 Mitgliedsfirmen dieses VDMA-Fachverbandes Nahrungsmittelmaschinen und Verpackungsmaschinen beileibe nicht alle gelistet, von denen man landläufig annehmen könnte, dass sie zu diesem Verbandssegment gehören. "Produktionsmaschinen für Beutel beispielsweise oder Palettenmaschinen gehören nicht dazu", und oft sei nicht differenzierbar, wofür Maschinen eingesetzt werden. "Das ist generell das Problem", räumt Vera Fritsche, Referentin beim VDMA, ein.

Das Deutsche Verpackungsinstitut (DVI) hat genauso wenig übergreifende Branchenzahlen wie die Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung (GVM): Dort gibt es zwar Analysen über die Nutzung von Mehrwegsystemen, aber keine Umsatzzahlen.

Vom GADV wiederum, dem Gemeinschaftsausschuss Deutscher Verpackungshersteller, wird ein "neues Rekordniveau von 32,1 Mrd. € Umsatz der deutschen Verpackungshersteller" vermeldet. Doch die jüngsten Zahlen stammen vom Jahr 2011 und beschränken sich auf die Verpackungen selbst.

Die Innovationsstärke der Branche bildet sich seit 50 Jahren beim Deutschen Verpackungspreis ab, den das DVI vergibt – quer durch die verschiedensten Verpackungssegmente bis hin zum Maschinenbau.

In diesem Jahr ging im Maschinenbausegment die Auszeichnung an die sächsische Firma Gebrüder Leonhardt Blema Kircheis. Wichtig ist vor allem "eine hohe Wirtschaftlichkeit", so das DVI.

Der Rho III Metal Can Sealer dient dem Aufsiegeln von peelfähiger Aluminiumdeckelfolie auf Weißblechdosen, und zwar ohne dass die Deckelfolie zusätzlich mit einem Deckelring fixiert ist.

Das DVI attestiert dem Automaten "eine signifikante Packstoffeinsparung sowie verbesserte Convenience" – laut Hersteller entfallen zum Beispiele scharfe Kanten. Für das Heißsiegeln von Dose und Membran nutzt das Unternehmen Gebrüder Leonhardt Blema Kircheis eine energieeffiziente Induktionserwärmung. Wichtig ist aber, dass der Peel-of-Deckelring entfällt: das spare Material, vereinfache den Herstellprozess und senke die Investitionskosten, so der Hersteller. Gute Kunde für die Kunden: Die Technik ist auf anderen Maschinen nachrüstbar.

 HEINZ WRANESCHITZ

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