Passwort vergessen?  | 
 |  Passwort vergessen?  | 
Suche
  • Login
  • Login

Donnerstag, 16. November 2017, Ausgabe Nr. 46

Donnerstag, 16. November 2017, Ausgabe Nr. 46

Automation

Virtuelle Welle erfasst Bedienkonzepte

Von Dietmar Kippels/Iestyn Hartbrich | 27. September 2013 | Ausgabe 39

Immer mehr Arbeitsschritte im Umfeld von Werkzeugmaschinen - so eine Erkenntnis auf der Messe EMO in Hannover – wandern in den virtuellen Raum. Dort müssen sich deshalb auch die Maschinenbediener in Zukunft zurechtfinden. Ob sie dadurch unterm Strich mehr Entscheidungskompetenz erhalten, darüber gehen die Meinungen auseinander.

Virtuelle Welle erfasst Bedienkonzepte

Viele Tasten an der Maschinensteuerung oder doch nur die unbedingt notwendige Anzahl? Wie auch immer in Zukunft Bedienkonzepte aussehen, viele Arbeitsschritte rund um die Werkzeugmaschinen werden sich im virtuellen Raum vollziehen. Diesen zu beherrschen wird eine der Aufgaben des Bedieners sein. Foto: D. Kippels

"Je komplexer die hochautomatisierte Fertigung inklusive sinkender Losgrößen wird, umso effektiver und gleichzeitig übersichtlicher müssen die Konzepte für den Bediener gestaltet sein", so Stefan Brand, Geschäftsführer bei Vollmer, Biberach, vergangene Woche auf der EMO 2013 in Hannover. Das hat einen einfachen Grund: Der Trend im Werkzeugmaschinenbau geht hin zur Virtualisierung.

Die Vorteile virtueller Strategien in der industriellen Fertigung liegen für Brand auf der Hand: "Beispielsweise werden die Einfahrzeiten im virtuellen Raum optimiert, was die Kollisionsbetrachtung bereits mit einschließt." Beim eigentlichen Werkzeugeingriff seien oftmals bereits die physikalischen Grenzen erreicht. Ein Produktionsschub sei dadurch erwachsen, dass Programme für die maschinelle Werkstückbearbeitung auf der virtuellen Maschine eingefahren werden können.

Für den Fertigungsexperten ist klar, dass Werkzeuge wie die Simulation und der Smartphone-Einsatz weiter auf dem Vormarsch in der Fertigung sind. "Der Maschinenbediener ist hier datentechnisch gefordert und muss gleichzeitig die Fertigungsprozesse genauso beherrschen, wie es schon immer von ihm verlangt wurde." In dem Maße, wie Prozesse in der Fertigungsindustrie parallelisiert würden, werde auch der Bediener simultan mehrere Maschinen bedienen.

Die grundlegende Tendenz bei Maschinensteuerungen geht laut Geschäftsführer Brand hin zu immer mehr Visualisierung. Während die Maschinen zunehmend komplexer werden, gewinnt dabei für Vollmer die Mensch-Maschine-Interaktion an Bedeutung. Mit dem Einzug von Touchscreens in die Werkhallen sei die Frage aufgekommen, über wieviele Tasten künftig eine Steuerung verfügt. "Meine Vorstellung ist, dass es in Zukunft nur noch wenige, unbedingt notwendige Tasten geben wird. Auf den Not-Aus kann man nicht verzichten, auf weite Teile der CNC-Tastatur hingegen schon."

Vollmer will besonders auch Maschinenbediener der jüngeren Generation ansprechen: "Für sie liegt hier eine Chance, sich weiter zu qualifizieren." Generell stellt Brand große Unterschiede in den Ausbildungsniveaus der Maschinenbediener fest. Ernste Probleme erwartet er künftig aber weniger in Westeuropa. "Wir können nicht davon ausgehen, weltweit das gleiche Ausbildungsniveau wie in Deutschland vorzufinden", sagte Brand in Hannover.

Eine weitere Herausforderung sieht der Vollmer-Geschäftsführer darin, den Bedienern rund um den Globus den Umgang mit der Maschine zu erleichtern. Ein großes Thema ist dabei die Verständigung: "Allein in Europa müssten wir in 27 Sprachen ausliefern, grafisch-interaktive Elemente und Symbole hingegen muss ich nicht übersetzen", sagte der Fertigungsexperte auf der weltgrößten Werkzeugmaschinenmesse.

Für Eberhard Abele, der das Institut für Produktionsmanagement, Technologie und Werkzeugmaschinen an der TU Darmstadt leitet, wird die Arbeit des Maschinenbedieners mit der zunehmenden Virtualisierung zwar einfacher, aber auch vielfältiger. Er müsse sich souverän im virtuellen Raum bewegen. "Immer mehr Entscheidungskompetenz landet beim Bediener", sagte der Wissenschaftler gegenüber den VDI nachrichten.

Mehr Verantwortung für den Bediener in der Werkhalle schließt Dieter Kollmar, Geschäftsführer beim Werkzeugmaschinenbauer Emag, Salach, aus. "Wir wollen die Bedienung im Produktionsbereich nicht weiter verkomplizieren", so der Experte für Zerspanung auf der EMO. Geht es um weniger Komplexität bei steigenden Ansprüchen an den Bediener, hat er einen praktischen Rat: "Alle unsere Maschinen haben das gleiche Bedien-Interface. Der Werker arbeitert mit der gleichen Bedienoberfläche – unabhängig von einer Siemens- oder Fanuc-Steuerung."

Den Weg zur Fertigungsoptimierung anhand der virtuellen Maschine sieht der Emag-Chef vorgezeichnet: Die virtuelle Maschine rückt an die Praxis heran – wenn auch nicht in alle Anwendungen. Der Emag-Geschäftsführer betonte in Hannover: "Ein einfacher Drehspan ist auch ohne Simulation beherrschbar. Bis das simuliert und programmiert wäre, ist das Teil längst fertig." KIP/HAR

stellenangebote

mehr