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Freitag, 12. September 2014, Ausgabe Nr. 37

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Industrie

Weltweite Datennetze richten Logistikketten neu aus

Von O. Klempert | 9. November 2012 | Ausgabe 45

Auf den weltweiten Transport und die nötige Logistik kommen gewaltige Herausforderungen zu: Denn bis 2030 sollen 60 % der Erdbevölkerung in Städten leben und der Onlinehandel geht auf die Überholspur inklusive perfekter Vernetzung von Informations- und Warenströmen, wie auf dem 29. Deutschen Logistik-Kongress in Berlin kürzlich zu hören war.

Weltweite Datennetze richten Logistikketten neu aus

223 Mrd. € Umsatz waren es im vergangenen Jahr - für 2012 erwartet die deutsche Logistikbranche einen neuen Spitzenwert von 228 Mrd. €. Gleichzeitig aber steigt die Diskrepanz zwischen den Zukunftserwartungen der Unternehmen und der tatsächlichen Geschäftslage: "Hier schlagen sich Unsicherheiten und Volatilitäten auf den Kapitalmärkten besonders stark nieder", so Raimund Klinkner, Vorsitzender des Vorstands der Bundesvereinigung Logistik auf dem Berliner Kongress. Tatsache sei aber, dass der Welthandel weiter wachse und insbesondere von den für die Exportnation Deutschland wichtigen Volkswirtschaften wie Brasilien, Russland, Indien und China starke Impulse sowohl in den Beschaffungs- als auch in den Absatzmärkten gesandt würden.

Gut aufgestellt zu sein und in einem sich drastisch ändernden globalen Marktumfeld vorausschauend agieren zu können, ist daher die größte Aufgabe vor der die Branche steht, wie in Berlin deutlich wurde. So orientieren sich Unternehmen verstärkt an den Zielmärkten. Netzstrukturen und Wertschöpfungsketten werden dafür zunehmend global aufgestellt. Zwar hat die weltweite Logistik in den vergangenen Jahren von einer zunehmenden internationalen Arbeitsteilung profitiert. Vor dem Hintergrund steigender Transportkosten wird die Wirtschaftlichkeit globaler Wertschöpfungsketten aber bereits heute bei einigen Produkten infrage gestellt.

Sind die Kostenvorteile durch die Fertigung an Niedriglohnstandorten ausreichend, um die steigenden Transportkosten mindestens auszugleichen? Dieser Frage ging Ottmar Gast, Sprecher der Geschäftsführung der Containerreederei Hamburg-Süd sowie Mitglied des Vorstandes der Bundesvereinigung Logistik nach. "Zweistellige Wachstumszahlen, die bis zum Beginn der weltweiten Wirtschaftskrise im Jahr 2008 vorhanden waren, sind Vergangenheit", sagte er.

Derzeit finde allerdings eine Neuausrichtung gleich an mehreren Punkten statt. So lege die Containerschifffahrt bereits heute Strategiepläne für die Zukunft fest, ein Augenmerk liege dabei auf der Attraktivität Afrikas als letztem unerschlossenen Kontinent. "Gleichzeitig haben wir mit der Produktionsverlagerung der Autoindustrie nach China und Osteuropa umzugehen", so Gast.

Mehr noch: Bis 2030 werden zirka 60 % aller Menschen in Städten leben, parallel dazu ergibt sich eine Verschiebung von stationärem zu Onlinehandel und insgesamt werde die Bedeutung der Logistik in Ballungsräumen drastisch steigen. "Die Vernetzung der Informations- und Warenströme und der Menschen verstärkt sich mit großem Tempo. Daher ist es in jeder Hinsicht wichtig, gut vernetzt zu sein. Dies ist ein entscheidender Erfolgsfaktor", ergänzte Klinkner. Um für weiteres Wachstum der Wirtschaft in Deutschland gute Rahmenbedingungen zu schaffen, mahnte er denn auch Investitionen in die Infrastruktur an – jedem Materialfluss gehe schließlich ein Informationsfluss voraus. Er verwies auf eine aktuelle Umfrage der Bundesvereinigung Logistik, nach der die zukünftige Geschäftsentwicklung für gut 90 % der Unternehmen direkt von der Qualität der Infrastruktur abhängt.

"Wir empfehlen, Investitionen in Infrastruktur zu verdoppeln, Planungssicherheit zu schaffen sowie Infrastrukturfinanzierung langfristig zu sichern. Weiterhin sind Nadelöhre in Wertschöpfungsketten zu beseitigen." Dabei gelte es auch, die Ablauforganisation zu verbessern und Engpässe bei der Zollabwicklung zu beseitigen.

Diese Nadelöhre können überall bestehen. So haben zum Beispiel industrielle Freiflächenlager mitunter ein Problem. Sie können recht raumgreifend sein, was das Auffinden von dort gelagerten Bauteilen oder eine realistische Einschätzung des Lagerbestandes aufwendig machen kann – die Suche nach einzelnen Teilen kann wertvolle Zeit und Ressourcen verschlingen. Oft findet heute die Identifizierung eines Bauteiles noch manuell anhand einfacher optischer Markierungen statt. Liegen diese jedoch ungünstig oder sind verdeckt, dann müssen schnell mehrere Tonnen schwere Bauteile bewegt werden. Am Fraunhofer-Institut für Fabrikbetrieb und -automatisierung (IFF) in Magdeburg hat man dafür eine Lösung entwickelt, bei der die Bauteile unter anderem mit GPS-Empfängern sicher und jederzeit geortet werden.

"Zur Identifizierung werden dazu alle Bauteile mit einem RFID-Funk-Chip versehen. Dieser ermöglicht es einerseits, Teile individuell zu bestimmen", so Tobias Kutzler, Projektleiter im Bereich Logistik- und Fabriksysteme am IFF. Zum anderen werde der Chip auch zur "Verknüpfung" der Bauteile und den daran befestigten Ortungssystemen genutzt. In bestimmten Abständen oder bei Lagerstandort-Änderungen lasse sich so der aktuelle Standort der Bauteile übermitteln. Für Lager könnten somit Logistikprozesse durch Zeiteinsparung und Aktualität der Informationen verbessert werden. In Echtzeit und auf den Meter genau wüssten die Lagermitarbeiter dann, wo sich welches Bauteil befindet. Darüber hinaus könne der RFID-Chip alle relevanten Daten zum Bauteil speichern, wie etwa Baureihe, Material oder auch Herkunft. O. KLEMPERT

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