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Dienstag, 12. Dezember 2017

CeBIT 2011

„Wenn wir eine der führenden Industrienationen bleiben wollen, müssen wir in Breitband investieren“

Von Regine Bönsch | 11. März 2011 | Ausgabe 10

Lydia Sommer, Geschäftsführerin von Nokia Siemens Networks in Deutschland, freut sich über die zunehmende Breitbandversorgung in Deutschland. Doch die Projektleiterin der Deutschen Breitbandbandinitiative weiß auch, dass es noch Nachholbedarf gibt. Zumal die kommenden Ziele der Bundesregierung ambitioniert sind.

VDI nachrichten: Glaubt man den Aussagen einiger Experten, dann scheint Deutschland auf dem richtigen Weg hin zum Breitbandland zu sein. Werden Sie demnächst als Projektleiterin der Deutschen Breitbandinitiative arbeitslos?

Sommer: Das glaube ich nicht. Die Breitbandinitiative gibt es als Projekt seit rund neun Jahren und ich denke, man könnte das als Dauerbrenner sehen – als kleiner Stachel im Fleisch, der immer wieder fordert und eine Plattform für Diskussionen bietet.

Und, wie ist es um den Breitbandausbau in Deutschland bestellt?

Die Ziele der Bundesregierung in Sachen Breitbandausbau mit 1 Mbit/s bis Ende 2010 sind nicht ganz erreicht. Wir haben nur 98,5 % der Bevölkerung angeschlossen. Jedes andere Land würde sich freuen und sagen, dass das Ziel erreicht wurde, aber vielleicht sind wir hier überkorrekt und ein bisschen zu deutsch.

Dennoch kann das nicht darüber hinwegtäuschen, dass es noch Nachholbedarf gibt. Das nächste Ziel ist weitaus komplexer und ambitionierter: Bis 2014 sollen 75 % mit 50 Mbit/s versorgt werden. Laut Bundeswirtschaftsministerium soll bis 2018 die gesamte Bevölkerung mit 50 Mbit/s surfen können.

Glauben Sie, dass das zu schaffen ist?

Ich bin vor allem der Überzeugung, dass es notwendig ist. Als Volkswirtschaft müssen wir in diese Richtung gehen. Die Ansprüche der Anwender steigen. Ob im privaten Bereich bei IP-TV und Video-Download oder im kommerziellen Bereich von E-Health bis E-Education, überall brauchen wir diese Bandbreiten.

Was ist nach Ihrer Definition Breitband?

Zurzeit sind das 1 Mbit/s bis 2 Mbit/s. Je mehr Zeit ins Land geht, desto höher werden die Anforderungen. Wenn wir heute mit 8 Mbit/s oder 16 Mbit/s schon gut ausgestattet sind, dann brauchen wir dafür in zwei Jahren die 50 Mbit/s.

Freuen Sie sich zurzeit über die Deutsche Telekom, die in zehn Städten den Glasfaserausbau vorantreibt?

Ich bin froh, dass es einen Wettbewerb gibt. Da ist zum einen der Festnetzausbau von Telekom, Telefónica und anderen. Und glücklicherweise auch die Kabelanbieter. Allein mithilfe von Kabel Deutschland und Kabel Baden-Württemberg lassen sich 40 % der Bevölkerung mit wirklichen Breitbandanschlüssen ausstatten.

Klarer Treiber in Sachen Breitband ist der Ausbau von LTE 800 auf der Frequenz der Digitalen Dividende. Der schnelle Mobilfunk hilft sehr, auch kleinere Einheiten von 100 bis 500 Menschen anzuschließen. Das funktioniert jedoch nur, wenn es im Hintergrund ein breitbandiges Transportnetz gibt, das die Basisstationen mit dem Netz verbindet. Zurzeit läuft noch vieles über Richtfunk, aber auch hier heißt die Zukunft Glasfaser.

Zum Wettbewerb gehören zudem neue Player wie die Stadtwerke. Wenn es um Fibre-to-the-Home oder Fibre-to-the-Building geht, dann kann das für sie zu einem interessanten Geschäftsmodell werden. Als kommunale Einrichtung können die ihre Investitionen über 25 Jahre abschreiben. Was ihnen fehlt, sind Dienste, die z. B. Telekom und Vodafone haben. Hier wird deutlich, wie wichtig Kooperationen und Synergien sind.

Wo sehen Sie die Rolle der Breitbandinitiative?

Ich sehe sie durchaus gesellschaftspolitisch. Wenn wir als Deutschland eine der führenden Industrienationen bleiben wollen, müssen wir in Breitband investieren. Der Bedarf ist da, jeder sieht ihn mittlerweile. Jetzt kommt es noch auf die Geschwindigkeit an.

Ich bin überzeugt: Gebt den Menschen erst einmal den Anschluss an die digitale Welt, dann wird der Bedarf automatisch steigen und dann rechnet sich irgendwann auch ein Business Case. RB

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