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Donnerstag, 18. Mai 2017, Ausgabe Nr. 20

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Energieforschung

Wissenschaft fordert mehr Geld für Wärmewende

Von Hans-Christoph Neidlein | 13. November 2015 | Ausgabe 46

Die Bundesregierung könnte ihre Klimaschutzziele im Wärmesektor verfehlen, so der Forschungsverbund Erneuerbare Energien. Er fordert daher in der Forschung eine Verknüpfung mit der Stromwende.

w - FVEE BU
Foto: DLR

Forschung für neue Wärmetechnologie: Keramikkugeln für Wärmespeicherung im Labortest.

Während der Anteil des erneuerbaren Stroms am Energiemix stark zunimmt, dümpeln die regenerativen Energiequellen im Wärmesektor vor sich hin. Nur 1 % des Gebäudebestandes in Deutschland wird jährlich energetisch modernisiert. „Wenn die Bundesregierung ihre selbst gesteckten Klimaschutzziele erreichen will, muss die energetische Modernisierungsrate auf mindestens 2 % jährlich gesteigert werden“, forderte Gerhard Stryi-Hipp, Leiter Energiepolitik am Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE), letzte Woche zum Auftakt der Jahrestagung des Forschungsverbunds Erneuerbare Energien (FVEE) in Berlin. Wenn nicht mehr getan werde, werde das Ziel, den Anteil erneuerbarer Energien für Wärme und Kälte bis zum Jahr 2020 auf 14 % zu erhöhen, verfehlt. Derzeit liegt er bei knapp 11 %.

Zwar habe die Regierung versucht, mit einer Reihe von wichtigen Einzelmaßnahmen wie der KfW-Förderung die Wärmesanierung voranzubringen. Doch noch griffen diese zu kurz. Verstärkt müssen die Strom- und Wärmewende zusammen gedacht und miteinander verknüpft werden.

Die Energiewende im Wärmesektor sei wesentlich komplexer und damit anspruchsvoller als beim Strom, so Stryi-Hipp. „Es geht nicht mehr um technische Einzellösungen, sondern um eine Optimierung des gesamten Energiesystems, in dem sich die verschiedenen erneuerbaren Energien über die Sektorengrenzen hinweg sinnvoll ergänzen“, sagt Tagungsleiter Vladimir Dyakonov vom Bayerischen Zentrum für Angewandte Energieforschung (ZAE). Zudem müssten die Anwender mitgenommen werden.

Nötig sei beispielsweise eine verstärkte Forschung zum Potenzial von Power-to-Heat, unterstrich Stryi-Hipp. Dieses sei bisher noch nicht genau bezifferbar und hänge unter anderem von der Verfügbarkeit der Stromspitzen zu Zeiten des höchsten Wärmebedarfs, den Nutzergewohnheiten, den Speichertechniken oder vom Netzausbau ab. Er veranschlagt das Power-to-Heat-Potenzial für die Wärmeversorgung auf 2 % bis 3 % des Ökostroms, doch sei hier sicherlich noch viel Musik drin.

Viele Möglichkeiten biete die weiterentwickelte Wärmepumpentechnik, so in Kombination mit thermischen Speichern und Nahwärmenetzen. „Wir müssen über das einzelne Gebäude hinausschauen“, unterstreicht Stryi-Hipp. Er plädiert dafür, die energetische Modernisierung von Quartieren beziehungsweise eine ökologische Planung neuer Wohnsiedlungen stärker anzugehen.

„Quartierslösungen sind kostenmäßig oft attraktiver als Lösungen für Einzelgebäude“, sagt auch Dietrich Schmidt, stellvertretender Abteilungsleiter Energieeffizienz beim Fraunhofer-Institut für Bauphysik (IBP) in Kassel. Als Beispiel nennt er die Einbindung von Niedertemperaturquellen in die Nahwärmeversorgung.

So entsteht im Kasseler Stadtteil Harleshausen die Neubausiedlung „Zum Feldlager“ mit einem geosolaren Nahwärmenetz für 150 Wohneinheiten. Hierbei wird eine zentrale Wärmeversorgung mit Erdwärme mit dezentralen Wärmepumpen und Solarthermie kombiniert. Gegenüber konventionellen Lösungen könne so der Energiebedarf um über 60 % verringert und die Jahreswärmekosten pro Haushalt um 5 % reduziert werden, so Schmidt.

Doch der FVEE fordert auch mehr finanzielle Anreize. „Wir brauchen eine entschiedenere Förderung wie die steuerliche Abschreibbarkeit von Wärmesanierungsmaßnahmen“, so Stryi-Hipp. Dies sei angesichts des Preisverfalls bei Öl- und Gas umso wichtiger. Ausdrücklich zu begrüßen sei der Start des neuen Förderprogramms „Solares Bauen und energieeffiziente Stadt“ des Bundeswirtschaftsministerium ab Anfang kommenden Jahres.

 

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