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Donnerstag, 19. Oktober 2017, Ausgabe Nr. 42

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IFA 2014

Zähes Ringen um mehr Datenschutz bei Smart-TV

Von Christiane Schulzki-Haddouti | 5. September 2014 | Ausgabe 36

Datenschutz soll künftig eine größere Rolle bei neuen Smart-TV-Fernsehern spielen. TV-Sender, Gerätehersteller und Datenschützer diskutieren, doch die notwendigen Veränderungen kommen nur sehr langsam voran.

Smart-TV-BU
Foto: Billerbeck

Internetinhalte auf dem TV-Bildschirmliefern den Herstellern der TV-Geräte zahlreiche Informationen über das Verhalten der Zuschauer. Datenschützer in Bund und Ländern arbeiten jetzt an Regeln für das sichere Surfen am TV-Gerät.

Vergangene Woche trafen sich erstmals Fernsehsender, Medien- und Datenschutzbeauftragte sowie Technikentwickler auf Einladung der Landesmedienanstalt NRW in Düsseldorf zu einem „Runden Tisch HbbTV und Datenschutz“. Dabei herrschte Konsens, dass der Datenschutz beim neuen Internet-TV-Standard HbbTV (Hybrid Broadcast Broadband TV) beachtet werden muss. Er gibt mit mit seinem ,Red Button‘ einen einheitlichen Weg aus den Fernsehsendungen ins Internet vor. Beanstandungen oder Bußgelder für TV-Sender und Hersteller, die ungefragt zu viele Nutzerdaten erheben, gibt es bislang keine. Die Datenschützer setzen erst einmal auf Dialog.

In den vergangenen Monaten hatten Studien und Untersuchungen der Technischen Universität Darmstadt, der Computerzeitschrift c’t und der Stiftung Warentest auf eklatante Lücken beim Datenschutz und der IT-Sicherheit bei neuen Fernsehgeräten hingewiesen. Beispielsweise riefen die Hersteller der Geräte viele Nutzungsdaten über die Internetschnittstelle ab. Wobei bis heute nicht klar ist, um welche Daten es sich genau handelt, da der Kommunikationsverkehr verschlüsselt ist.

 Bestenfalls sind es nur die Ein- und Ausschaltedaten, schlimmstenfalls auch die Nutzungsdaten sowie Informationen über genutzten Medienspeicher. Zum anderen werten verschiedene Fernsehkanäle über Cookies aus, wie die Nutzer fernsehen: Wann sie zuschalten, was sie ansehen und wann sie wegzappen. Dabei können sie die Informationen bestimmten Geräten zuordnen – der Fernsehzuschauer wird gläsern.

Möglich wird das mit dem neuen, maßgeblich in Deutschland entwickelten HbbTV-Standard. Er erlaubt es, das Fernsehbild mit Informationen aus dem Internet anzureichern. Mit seiner Hilfe können Fernsehsender auch die Nutzungsdaten mit Webanalysediensten wie etwa Google Analytics auswerten. Der Nutzer kann dies aber nicht wie in einem normalen Browser über Einstellungen unterbinden.

Nachdem Marco Ghiglieri von der Technischen Universität Darmstadtim Frühjahr 2013 erstmals darauf aufmerksam gemacht hatte, änderten die öffentlich kritisierten Sender ihre Auswertungspraxis. Arte ließ die Auswertung mit Google Analytics fallen und auch ProSieben wendet derzeit nur noch eigene Varianten für die Zuschauermessung an.

In einer neueren Untersuchung(Stand Februar 2014)stellte Ghiglieri aber fest, dass nicht alle Sender so handeln: RTL, Vox, N-TV sowie HomeshoppingQVCund Sonnenklar TVverwenden noch immer Google Analytics.RTL undVox nutzen zusätzlich auch IVW. Ghiglieri kommt zu dem Schluss: „Insgesamt sind es heute mehr Sender geworden, die HbbTV nutzen.Es sind jedoch weniger, die auf Google Analytics setzen.Das grundsätzliche Problem des unbemerkten Nutzertrackings bei HbbTV bleibt allerdings bestehen.“

Bei ARD und ZDF machten die betrieblichen Datenschutzbeauftragten schon rechtzeitig darauf aufmerksam, dass Anbieter wie Google Analytics nicht verwendet werden sollten. Sie verwenden eigene Auswertungsprogramme. „Was sie mit den auflaufenden Daten machen, ist nicht nachprüfbar,“ sagt Ghiglieri. Wenn dieDatenerfassung pseudonymisiert,mit deutschem Datenschutzrecht konform ist und die Nutzer den Datenstrom von sich aus unterbindenkönnten, wäre das für Ghiglieriin Ordnung. Doch so weit ist es noch lange nicht.

In einem ersten Schritt erarbeiteten im Frühjahr die Datenschutzaufsichtsbehörden und die Rundfunkdatenschutzbeauftragten ein gemeinsames Positionspapier, das die Anforderungen des Datenschutzes an Hersteller, Sender und sonstige Anbieter formuliert. Noch ist allerdings nicht bekannt, wie diese aussehen sollen, gleichwohl scheinen sich alle Parteien jetzt intensiv mit dem Thema zu befassen.

Der bayerische Landesdatenschützer Thomas Kranig sagte den VDInachrichten: „Wir werden auch mit den anderen Datenschutzbehörden darüber sprechen, wie wir gemeinsam mit dem Thema HbbTV umgehen und auch möglichst abgestimmt unsere Empfehlungen für die datenschutzkonforme Gestaltung der Smart-TV-Endgeräte den entsprechenden Herstellern gegenüber zum Ausdruck bringen.“

Im Institut für Rundfunktechnik (IRT) zeigt man sich jedenfalls bereits sensibilisiert. Das IRT war maßgeblich an der Entwicklung des HbbTV-Standards beteiligt. „Wir sind bei der Entwicklung des Standards nicht davon ausgegangen, dass es spezifische Probleme beim Internet im Fernsehen gibt, weil es nur darum ging, den Browser in den Fernseher zu bringen, der heute unabhängig von HbbTV ohnehin zur Standardausstattung von SmartTVs gehört“, sagt IRT-Mitarbeiter Klaus Merkel.

Die Weiterentwicklung des Standards soll aber Datenschutzrechte stärker berücksichtigen. So würden Anwendungsentwickler bei Geräteherstellern und Sendern künftig darauf hingewiesen, dass sie die nationalen Datenschutzbestimmungen einhalten müssen. Darüber hinaus will sagt Merkel nur so viel: „Der neue Standard wird ein paar für den Datenschutz relevante Funktionen festlegen. Darüber hinaus legt er die Realisierung weiterer Merkmale in die Verantwortung des Herstellers, insbesondere, was Einstellmöglichkeiten für den Zuschauer betrifft.“

Die Hersteller sollen dann auch Funktionen bereitstellen, mit denen Nutzer künftig etwa Cookies löschen können. So wird nach Auskunft von Marco Gighlieri das Cookie der ARD ein Jahr lang gespeichert, ohne dass die Nutzer es löschen können. Die HbbTV-Entwickler sind zwar in Kontakt mit verschiedenen Datenschützern, doch sind diese bislang nicht Mitglieder des HbbTV-Entwicklungskonsortiums geworden.

Die Datenschutzaufsichtsbehörden hielten sich bislang mit Maßnahmen stark zurück. Einzelne Aufsichtsbehörden suchten aber bereits das Gespräch mit den TV-Geräteherstellern: Die nordrhein-westfälischen Landesdatenschützer führten z.B. Gespräche mit LG und Toshiba. Die müssen nun Auskunft zu den Datenverarbeitungsprozessen geben, die ihren Smart-TV-Plattformen zugrunde liegen. Auch müssen sie über sonstige Datenströme, die bei der Nutzung der Geräte ausgelöst werden, informieren. In einem Fall gab es bereits einen Kontrollbesuch in der Niederlassung. Die Verfahren dauern noch an.

Der Hamburgische Landesdatenschützer sprach den Datenschutz bei Philips Deutschland an, reichte das Thema dann aber an den zuständigen niederländischen Kollegen weiter. Der bayerische sowie der hessische Landesdatenschützer sind bislang nicht aktiv geworden, obgleich Hessen für Samsung und Panasonic sowie Bayern für Loewe zuständig sind. Samsung fiel in den Tests von Fraunhofer SIT und der c’t als besonders datenhungrig auf.

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