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Dienstag, 12. Dezember 2017

Produktion

115 Mio. € für 3-D-Druck

Von Georg Dlugosch | 27. April 2017 | Ausgabe 17

General Electric (GE) kündigte auf der Hannover Messe umfangreiche Investitionen in die additive Fertigung an.

Der US-Traditionskonzern General Electric (GE) setzt mit Volldampf auf eine junge Technologie: den 3-D-Druck von Metallen.

Das erste große Ausrufezeichen setzten die Amerikaner schon Ende Oktober 2016: Innerhalb weniger Tage übernahmen sie jeweils 75 % der Concept Laser GmbH aus Bayern sowie der Arcam AB aus Schweden. Während Concept Laser feines Metallpulver mittels Laserstrahlen zu Bauteilen verschmilzt, setzt Arcam auf Elektronenstrahlen. Beide Firmen zählen zu den Technologieführern in ihren Bereichen. Für die Akquisitionen legte GE insgesamt satte 1,3 Mrd. € auf den Tisch. Doch das ist scheinbar nur der Anfang.

Auf der Hannover Messe erklärte Mohammad Ehteshami, ehemaliger Chefingenieur bei GE Aviation und jetziger Kopf der jungen Geschäftssparte GE Additive, dass das Unternehmen schon in ein paar Jahren sämtliche Technologien der additiven Fertigung mit Metallen abdecken will. Bis 2019 soll beispielsweise eine Variante angeboten werden, welche dem MPA-Ansatz (Metallpulverauftrag) der Hermle Maschinenbau GmbH aus Ottobrunn ähnelt. Dabei wird Metallpulver mittels hoher Geschwindigkeit schichtweise zu soliden Festkörpern kompaktiert.

Außerdem kündigte Ehteshami die Eröffnung eines Customer Experience Centers in München an. Spätestens bis Ende des Jahres soll es seine Türen öffnen. Auf die Nutzer warten dann bis zu 50 GE-Ingenieure, die erklären, was mit der jungen Technologie möglich ist. Dabei geht es beispielsweise um grundlegende Designprinzipien, die Bedienung der Maschinen und Materialkunde. Für den Praxisteil stehen zehn Drucker zur Verfügung. GE investiert 15 Mio. $ in das Center. Weitere solcher Einrichtungen sollen kurzfristig folgen – in aller Welt.

Carlos Härtel, CTO & Chief Innovation Officer GE Europe, ist überzeugt: „Das wahre Potenzial der additiven Fertigung wird sich erst offenbaren, wenn es auf breiterer Front genutzt wird.“ Er erwartet eine ähnlich rasante Entwicklung wie bei Smartphones: „Mit der Zahl der Nutzer stieg die Zahl der Apps – und damit das Interesse von bisherigen Nicht-Nutzern.“

Die Ziele, die GE Additive mit den Investments verfolgt, sind hoch: Bis 2020 soll der Umsatz der Sparte 1 Mrd. $ überschreiten. Bis 2026 sollen weltweit über 10 000 Drucker verkauft werden. Alleine bei Concept Laser soll die Mitarbeiterzahl dafür von 200 auf 300 anwachsen – in diesem Jahr. Außerdem sollen bis 2019 neue Produktionshallen errichtet werden. Dafür nimmt GE weitere 100 Mio. € in die Hand. Rund 25 000 m2 sollen Raum für knapp 700 hochqualifizierte Arbeitsplätze bieten. Damit wird der oberfränkische Standort Lichtenfels seine aktuelle Kapazität mehr als verdoppeln. Forschung und Entwicklung sowie Produktion, Service und Logistik für die 3-D-Metalldrucktechnologie werden dadurch zukünftig unter einem Dach vereinigt.„Mit dem neuen 3-D-Campus legt GE ein starkes Fundament für die weitere Expansion und das Wachstum im Bereich des industriellen 3-D-Drucks“, sagt Frank Herzog, Vorsitzender Geschäftsführer von Concept Laser.

Ehteshami sieht eine rosige Zukunft für GE Additive. Derzeit sei die Geschäftssparte noch so etwas wie ein Teenager mit einer starken Mama. „Aber wir werden wachsen und irgendwann ein großes, eigenständiges Unternehmen sein.“

Wenn der gebürtige Iraner vom 3-D-Druck spricht, leuchten seine Augen. Schwärmerisch erinnert er sich an seine ersten Erfahrungen mit der jungen Technologie: Vor zehn Jahren entwickelte er mit seinem Team eine neue Einspritzdüse für ein Flugzeugtriebwerk. Was am Computer wunderbar funktionierte, war in der Umsetzung aber zu komplex: 20 Einzelteile mussten gelötet, geschweißt und geklammert werden. „Wir haben es achtmal versucht – und sind achtmal gescheitert.“

Der heute 61-Jährige gab aber nicht auf. Er wendete sich an den 3-D-Druck-Pionier Greg Morris. Das Ergebnis übertraf alle Erwartungen: Aus den 20 kaum zu beherrschenden Einzelteilen wurde eines. Es hatte zudem 25 % weniger Gewicht und war fünfmal haltbarer als konventionelle Lösungen. „Ich habe sofort unsere Business-Development-Abteilung angerufen und denen gesagt, dass wir Morris Technologies kaufen müssen – egal, was es kostet.“

Heute fertigt GE unter anderem einen Helikoptermotor weitgehend mittels 3-D-Druck. Aus ehemals 900 Teilen wurden 16, das Gewicht wurde um 40 % reduziert. Die Produktionskosten konnten gleichzeitig um 60 % reduziert werden. „Man braucht weniger Zulieferer, weniger Logistik, weniger Montagearbeiten, weniger Material. Und das Endprodukt hat weniger Toleranzen – was es langlebiger macht“, erklärt Ehteshami – und seine Augen leuchten wieder.

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