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Mittwoch, 13. Dezember 2017

Kommentar

A380 im Winterschlaf

Von Iestyn Hartbrich | 26. Januar 2017 | Ausgabe 04

Journalistinnen und Journalisten scheuen Nicht-Aussagen. Es sei denn, das „nicht“ ist die Aussage.

Iestyn Hartbrich, Redakteur: Manchmal hilft nur ein Winterschlaf, auch in der Luftfahrt.

 Ein solcher Fall ist nun beim Airbus A380 eingetreten, dem größten Passagierflugzeug der Welt. Der ist offenbar doch „nicht“ tot. Dieses Signal ging Anfang Januar überdeutlich von der Airbus-Jahrespressekonferenz aus. John Leahy, Chief Operating Officer des Flugzeugbauers, sagte dort, die Zeit des A380 werde noch kommen.

Das ist ein klares Bekenntnis in deutlichen Worten für ein Programm, das dem Konzern in den vergangenen Jahren große Probleme gemacht hat – und weiter Sorgen bereiten dürfte. Zwar erreichte Airbus 2015 erstmals den Break-even im A380-Programm, die Erlöse deckten also die laufenden Kosten. Jedoch kamen in den vergangenen Jahren kaum noch neue Bestellungen hinzu und 2016 gar keine mehr.

Airbus lebt zurzeit von seinem Auftragsbestand von derzeit 319 Maschinen vom Typ A380. Im Juli kündigte das Unternehmen deshalb an, die Jahresproduktion bis 2018 von knapp unter 30 auf zwölf zu drosseln.

Airbus scheut außerdem Investitionen in die Weiterentwicklung des Fliegers. So hatte zum Beispiel Emirates-Chef Tim Clark eine neu motorisierte Variante gefordert. Clarks Wort hat in Toulouse Gewicht: 142 der 319 A380-Orders stammen von ihm. Trotzdem ist aktuell von einem „A380neo“ nicht mehr die Rede.

Das ist die wirtschaftliche Entsprechung des Prinzips Winterschlaf. Der Versuch, mit möglichst geringem finanziellen Aufwand einige Jahre zu überbrücken.

Und das ist clever. Denn irgendwann, in den 2020er-Jahren vielleicht, könnte sie tatsächlich kommen, die Zeit des A380. Dann nämlich, wenn die großen Drehkreuze dieser Welt allesamt vom rasant wachsenden Flugverkehr verstopft sind. Wenn nichts mehr geht in London Heathrow und an den Flughäfen JFK und Charles-de-Gaulle. Tritt dieser Fall ein, hofft Airbus, hilft nur noch eins. Wenn nicht mehr Flugzeuge landen können, müssen die Flugzeuge eben größer werden. Glücklich ist da, wer schon einen Riesenflieger wie den A380 im Programm hat.

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