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Sonntag, 17. Dezember 2017

CES 2017

Automobil trifft IT in der Wüste

Von Johannes Winterhagen | 12. Januar 2017 | Ausgabe 01

Immer mehr Autohersteller und -zulieferer setzen auf Partner aus der IT-Industrie. Erste Ergebnisse zeigt die Consumer Electronics Show in Las Vegas.

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Foto: BMW

Sprachsteuerung: In Zukunft hilft Cortana nicht nur Smartphone-Besitzern. BMW stellte auf der Elektronikmesse ein neues Konzept mit Microsofts Sprachassistenten im Auto vor.

In Las Vegas stehen 150 000 Hotelzimmer zur Verfügung, doppelt so viele wie in New York City. In der ersten Januarwoche ein Bett für eine einzelne Nacht zu bekommen, ist trotzdem schier unmöglich. Denn mehr als 150 000 Menschen kommen dann für die Consumer Electronics Show (CES) in die Stadt – trotz ihres Namens eine reine Fachmesse. Diente sie ursprünglich den Einkäufern großer Handelsketten dazu, Fernseher und Haushaltsgeräte zu ordern, ist sie in den letzten Jahren zu einer der wichtigsten Veranstaltungen für die Automobilindustrie geworden.

Autos waren bis Sonntag auf der CES 2017 allerdings nur wenige zu finden. So stand bei Volkswagen die Benutzerkennung im Zentrum. Das Smartphone dient dabei der eindeutigen Identifikation. Wer eine persönliche ID hat, kann über die Hardware des Mobiltelefons das Auto aufschließen – oder den elektronischen Schlüssel sogar an einen beliebigen Nutzer zeitlich befristet weitergeben.

Alle Einstellungen des Nutzers, etwa zur Sitzposition oder für das Infotainment, stehen sofort zur Verfügung, auch wenn es sich um einen Mietwagen handelt. Die Benutzerkennung ist aber vor allem der Schlüssel für das künftige Geschäftsmodell. Volkmar Tanneberger, Leiter der Elektronikentwicklung von Volkswagen, beschreibt es als „Fahrzeuge plus x verkaufen“. Das x steht für mobile Dienste jeder Art. Als Beispiel dient bei Volkswagen das digitale Assistenzsystem von Amazon, das ablenkungsfrei über die Fahrzeug-Spracheingabe angesteuert werden kann.

Das Logo des Internetgiganten prangt auf dem Volkswagen-Stand – keine Ausnahme. Die Automobilindustrie nutzt die räumliche Nähe der CES zum Silicon Valley, um Partnerschaften mit der IT-Industrie zu schmieden oder zu vertiefen. So gab der Zulieferer ZF Friedrichshafen AG einen Tag vor Eröffnung der Messe eine Partnerschaft mit dem Chiphersteller Nvidia bekannt. Bereits Ende 2017 soll das Steuergerät „ProAI“ für hochautomatisierte Fahrzeuge zur Verfügung stehen.

Es nutzt die „Drive PX2“-Plattform von Nvidia, die mit zwölf Prozessorkernen arbeitet. Hauptaufgabe des von ZF entwickelten Steuergeräts ist die Interpretation der Daten, die von Radar, Video- und künftig auch Lasersensoren stammen. Zudem steuert Nvidia Algorithmen für das maschinelle Lernen bei. ZF-Chef Stefan Sommer zeigte sich überzeugt davon, dass automatisiertes Fahren auf künstliche Intelligenz angewiesen ist: „Nur lernende Algorithmen sind dazu in der Lage, komplexe Verkehrssituationen richtig zu interpretieren.“ Dass man eine solche Technologie mit einem spezialisierten Partner entwickelt, steht für Sommer außer Frage: „Was Nvidia entwickelt hat, ist fernab dessen, was wir können und können wollen.“

Die Suche nach Partnern ist auch für Helmut Matschi, Vorstand des Automobilzulieferers Continental, ein Grund dafür, dass das Unternehmen sich seit elf Jahren an der CES beteiligt. „Indem wir uns mit Partnern zusammen tun, kommen wir schneller zum Ergebnis. Und wir machen weniger Fehler.“ Die klassischen Wertschöpfungsstrategien mit mehrstufigen Zulieferketten tragen nach Meinung von Matschi in einer digitalisierten Welt nicht mehr: „Im Silicon Valley arbeitet man sehr projektbezogen zusammen.“ So will Continental mit Inmarsat, einem Anbieter für mobile Satellitenkommunikation, eine Infrastruktur schaffen, die sichere Software-Updates für Fahrzeugsteuergeräte ermöglichen soll. Satelliten erlauben es, Fahrzeuge in aller Welt gleichzeitig zu erreichen, unabhängig von der lokalen Qualität des Mobilfunknetzes. Die dafür benötigte Antenne soll in der für den GPS-Empfang ohnehin verwendeten Dachfinne Platz finden.

 Aus Sicherheitsgründen wird die neue Software nicht sofort auf dem jeweiligen Steuergerät gespeichert, sondern die Daten werden in einer zentralen Einheit zunächst noch überprüft. Eine weitere Partnerschaft, die Continental zur CES ins Rampenlicht holt, besteht in der gemeinsamen Entwicklung eines Head-up-Displays mit Digilens. Das aus dem Silicon Valley stammende Unternehmen hat eine Technik für holografischen Bildtransport entwickelt. Im Auto könnten damit Informationen in die komplette Windschutzscheibe eingespiegelt werden. Die bisher in Serie gefertigten, auf optischen Spiegeln basierenden Systeme würden dafür in der Instrumententafel zu viel Platz beanspruchen. Zu Materialien und Verfahren wollten Vertreter von Digilens wegen laufender Patentierung noch keine Details nennen.

Soft- und Hardware aus der IT-Branche müssen, wenn sie in das Auto sollen, neuen Anforderungen genügen. Das gilt für die Sicherheit genauso wie für einfache Bedienbarkeit während der Fahrt. Der Ingenieurdienstleister IAV aus Berlin, ebenfalls Aussteller auf der CES, sieht das als Chance. „Wir arbeiten als Vermittler zwischen den Welten“, sagte Bereichsleiter Christian Müller-Bagehl. „Allerdings ist IT nicht gleich IT.“ Man müsse drei Stufen der Absicherung unterscheiden: extrem sicherheitsrelevante Assistenzsysteme, fahrrelevante Systeme und das Infotainment, laut Müller-Bagehl „die Abteilung für Jubel, Trubel, Heiterkeit“.

Das trifft auch auf die neue Partnerschaft mit dem Bezahldienstleister Concardis zu, die das Einkaufen bei Einzelhändlern erleichtern soll, die nicht an große Ketten gebunden sind. Während der Fahrt soll man künftig Angebote von Läden abrufen können, an denen man ohnehin vorbeifährt – und diese bei Gefallen sofort bezahlen. Wenn sich das System bewährt, wäre für die IAV sogar eine Ausgründung als eigenständige Tochtergesellschaft denkbar.

Das CES-Highlight vom Automobilzulieferer Bosch entstammt ebenfalls einer Partnerschaft: Der für den Haushalt gedachte Roboter „Kuri“ ist eine Entwicklung des von Bosch unterstützten Start-ups Mayfield Robotics, ebenfalls aus dem Silicon Valley. Der etwa 50 cm hohe Roboter soll von Bosch in den USA 2017 bereits zum Weihnachtsgeschäft verkauft werden. Kuri ist keine Haushaltshilfe, sondern ein selbstständig durch das Haus laufender Roboter, der alles überwacht, solange die Bewohner auf Reisen sind – zum Beispiel, weil sie in Las Vegas nach Technologiepartnern Ausschau halten.

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