Passwort vergessen?  | 
 |  Passwort vergessen?  | 
Suche
  • Login
  • Login

Dienstag, 12. Dezember 2017

Kommentar

Automobiler Weckruf

Von Regine Bönsch | 4. Mai 2017 | Ausgabe 18

Deutschland fährt in Sachen Elektromobilität hinterher. Zwar investieren mittlerweile hiesige Branchenriesen eine Menge – es sollen 2 Mrd. € sein – in neue E-Modelle.

Regine Bönsch, Ressortleiterin, hofft auf mehr deutsche Erfolge in Sachen Elektromobilität.

Doch so recht möchte niemand mit Strom fahren. Von dem mit 1,2 Mrd. € angefüllten Fördertopf für den Kauf von E-Mobilen und Hybridfahrzeugen wurden bislang erst 55 Mio. € abgerufen. Diese Zahlen nannte jüngst das Branchenblatt Automobilwoche. Ein Armutszeugnis für Deutschland, an dem sich deutlich erkennen lässt, wie die hiesige Branche den Trend jahrelang verschlafen hat und erst jetzt erwacht.

Wäre da nicht ein kleiner Elektrolieferwagen namens Streetscooter, man könnte den Glauben an die automobile Innovationskraft der letzten Jahre verlieren. Doch die Aachener, mittlerweile ein Unternehmen der Deutschen Post, haben nicht nur in einer Marktnische ein attraktives, kostengünstiges Produkt entwickelt. Sie verkündeten letzte Woche auch ihren ersten Großkunden: Der Fischhändler Deutsche See will 80 Wagen kaufen. „Volkswagen konnte und wollte uns in zehn Jahren keine Elektrolösung für unseren Nutzfahrzeugbedarf bieten“, erklärte Firmenchef Egbert Miebach.

Ob das die Wolfsburger ärgert? Fest steht, der VW-Konzern dürfte seinen Blick längst auf ganz andere Märkte gerichtet haben. Deutschland kommt wie „Peanuts“ daher, verglichen mit dem chinesischen oder dem indischen Markt. Während im Reich der Mitte bis 2020 laut Staatsratsbeschluss mindestens 5 Mio. Autos mit alternativen Antrieben fahren sollen, geht jetzt der indische Energieminister Piyush Goyal noch einen Schritt weiter: Bis 2030 sollen auf dem Subkontinent nur noch Elektromobile, aber kein einziges Benzin- oder Dieselfahrzeug verkauft werden.

Die Fahrzeughersteller dort wie Maruti Suzuki seien mit von der Partie, verkündete Goyal. Bleibt zu hoffen, dass sich Volkswagen, BMW, Daimler und andere rechtzeitig ein Stück vom Kuchen sichern können. Europas Automobilindustrie jedenfalls sollte hellwach in das asiatische Rennen gehen. Und vielleicht brauchen die Konzerne dafür ja ein wenig Angstschweiß.

stellenangebote

mehr