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Dienstag, 12. Dezember 2017

Geld

Bezahlsysteme gesucht

Von Sabine Philipp | 16. März 2017 | Ausgabe 11

Onlineshopping boomt. Beim Bezahlen setzen die Leute auf Klassiker. Aber der Markt ist im Umbruch.

BU Bezahlen im Internet
Foto: panthermedia.net/duiwoy

Je einfacher desto beliebter: Handhabung und Preis sind für die Nutzer von Paymentlösungen die ausschlaggebenden Argumente und ihnen deutlich wichtiger als der Datenschutz.

Beim Onlineshopping kennen viel keine Grenzen. Wenn es darum geht, die Artikel aus dem Warenkorb zu bezahlen, ist der Deutsche aber ein Gewohnheitstier. Laut Kurzbefragung „Vorkassezahlung im Internet: Quo vadis?“ von ibi Research nutzen Onlinekäufer am liebsten Bekanntes wie Kreditkarte (75 %), PayPal (72 %) und Kauf auf Rechnung (65 %). Der Datenschutz (24 %) war weniger wichtig als die Kosten (57 %) und die einfache Nutzung (55 %).

So funktionieren Onlinezahlverfahren

„Jeder Klick zu viel minimiert die Kaufrate“, erklärt Andreas Gebauer, Chefredakteur von test.de. Das Stiftung-Warentest-Portal setzt seit Jahren auf Bezahlinhalte im Netz. Dem Kunden müsste man außerdem verschiedene Zahlverfahren anbieten, aus denen er die Option wählen kann, die er ohnehin nutzt. Das findet auch Michael Fries, Geschäftsführer von Das E-Commerce-Unternehmen betreibt weltweit 16 Onlineshops. Und muss dabei auch die markt- und länderspezifischen Unterschiede im Auge behalten.

Unterschiede gibt es auch bei den Käufergruppen. Nach der Erfahrung von Fries bevorzugen in Deutschland Selbstständige und kleinere Unternehmen PayPal, größere die Rechnungszahlung. „Viele Unternehmen haben zwar auch eine Firmenkreditkarte, es ist aber unüblich, damit gedruckte Werbemittel einzukaufen; sie werden eher für Reisen genutzt“. Einige Zahlarten wurden auch schon wegen mangelnder Nachfrage aus dem Programm genommen, wie die Zahlung per Nachnahme.

Ob B2B oder B2C: „Der Online-handel brummt. Nur bei Kleinstbeträgen, den Micropayments, fehlt es noch an weitverbreiteten und akzeptierten Bezahlsystemen“, so das Fazit von Marco Liesenjohann, Bereichsleiter Banking, Financial Services & FinTechs beim Verband Bitkom. Dabei geht es um den Einzug von Centbeträgen, die z. B. beim Abruf von bezahlpflichtigen Zeitungsartikeln anfallen. „Bei den bisher verbreiteten Bezahlsystemen übersteigen die Transaktionskosten die Einnahmen oft deutlich.“ Ein Beispiel: Vor einiger Zeit hatten AfD-Gegner der Partei schaden wollen, indem sie Centbeträge über PayPal oder per Sofortüberweisung spendeten. Denn aufgrund der für den Zahlungsempfänger anfallenden Kosten musste die AfD bei jeder dieser Überweisung drauflegen.

Aber bei den Micropayments gibt es Bewegung. Ein Beispiel dafür ist LaterPay, das Spiegel online einsetzt. Neue Systeme stehen allerdings vor der Herausforderung, eine kritische Masse zu erreichen. Käufer möchten mit einem System viele Shops abdecken, Seitenbetreiber, dass viele Kunden das System nutzen. „Gerade bei Micropayments wägen viele Verbraucher Risiko und Nutzen ab. Sie fragen sich: Lohnt es sich für ein paar Cent, seine Daten preiszugeben?“, meint dazu Mario Vesper, Product Owner und Quality Manager beim Omni-Channel-Commerce-Lösungsanbieter Intershop. Er ist überzeugt, dass Subcription-Modelle, also das monatliche Abbuchen einer Gebühr, immer beliebter werden. Vor allem für Internetdienste oder für die Nutzung von Software.

Zudem zahlen Leser ungern für Ware, die bisher kostenlos war. Bei Stiftung Warentest kam es nie so weit. „Wir haben keine Werbeeinnahmen und können es uns nicht leisten, Inhalte zu verschenken“, so Gebauer, der das Geschäftsmodell für entscheidend hält. Die Printartikel als PDF anzubieten ist für ihn wenig überzeugend. „Für das Internet arbeiten wir die Texte onlinegerecht auf. Zudem lassen sich die Testergebnisse filtern. So findet jeder mit nur wenigen Klicks seinen individuellen Testsieger.“ Aktuell gleicht die Stiftung den Rückgang von Printabos durch das Wachstum bei den Online-Flatrates aus.

2018 kommt Bewegung in den Markt. Dann muss die zweite Zahlungsdiensterichtlinie (PSD2) der EU von den Mitgliedstaaten in nationales Recht umgewandelt werden. Ebenso wie die neue EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO). Letztere droht Unternehmen bei Datenschutzverstößen mit Bußgeldern in Höhe von bis zu 4 % des weltweiten Umsatzes. In diesem Zusammenhang werden sogenannte Pull-Payments wie Lastschriftverfahren abnehmen, bei denen der Händler die Zahlung vom Kundenkonto abholt. Da ist sich Ralf Ohlhausen sicher. Der Business Development Director beim Payment-Lösungsanbieter PPRO Group sieht stattdessen Push-Payments auf dem steigenden Ast. Bei dieser Bezahlmethode löst der Käufer die Zahlung aus. Ohlhausen erklärt das Prinzip am Beispiel von Giropay: „Beim Bestellvorgang loggt sich der Käufer bei seiner Onlinebank ein und löst aktiv die Zahlung aus. Der Händler erhält nur die lieferrelevanten Daten wie Adresse und Name.“ Für Verkäufer ist das Verfahren aus zwei Gründen attraktiv. „Der Kunde kann die Zahlung nicht mehr rückgängig machen. Rücklastschriften können den Händler locker 10 € bis 20 € kosten. Und sie müssen keine sensiblen Kundendaten speichern“, so der Diplom-Mathematiker. Darüber hinaus vereinfacht die neue Zahlungsdiensterichtlinie Push-Verfahren; Banken müssen Drittanbietern dann eine Schnittstelle anbieten, damit der Kunde eine Zahlung initiieren kann. Allerdings befürchten einige Akteure, dass das Geschäft einbrechen wird, da die Richtlinie auch einen obligatorischen zweiten Sicherheitsfaktor wie die Eingabe einer TAN zwingend vorsieht. Bislang ist die Sicherheitsbilanz aber nicht so schlecht. Laut der repräsentativen Studie „“ von eays Credit haben 91 % der befragten Einkäufer noch keine negativen Erfahrungen mit Onlinebezahldiensten gesammelt.

Und was bringt die Zukunft? Marco Liesenjohann vom Bitkom ist überzeugt, dass Bezahlsysteme aus dem Internet in den Alltag wandern. Seien es die Systeme der großen Internetunternehmen wie Apple oder Google, oder die von großen Onlinebezahlanbietern. „Gleichzeitig werden etablierte Dienstleister aus der realen Welt wie Banken, Sparkassen oder Kreditkartenunternehmen versuchen, ein führendes Bezahlsystem im Onlinebereich aufzubauen.“ Ingo Dahm, CEO Digital & Innovation bei dahm & partner und Erfinder des Handy-Tickets, meint, dass es in Zukunft verschiedene konkurrierende Verfahren geben werde. „So wie Menschen verschiedene Kreditkarten besitzen oder besaßen, werden sie verschiedene e-payment-Dienstanbieter nutzen“. Ob die Authentifizierung via Fingerprint, Retina-Scan wie HoloLens oder Google Glas, Passwort oder Kamera erfolgt, ist für ihn unerheblich. „Die Software wird auf ein Profil zurückgreifen und der Nutzer wählt mit zwei Berührungen Adresse und Konto aus.“ 

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