Passwort vergessen?  | 
 |  Passwort vergessen?  | 
Suche
  • Login
  • Login

Dienstag, 12. Dezember 2017

Finanzen

Blockchain weckt Fantasie in Finanzwelt

Von Stefan Terliesner | 9. Februar 2017 | Ausgabe 06

Die Technologie hinter Kryptowährungen kann Verwaltung und Geldwirtschaft revolutionieren. Was ist möglich und wie funktioniert die Blockchain?

Blockchain BU
Foto: Reuters/Kim Kyung-Hoon

Autonomes Fahrzeug: Wenn künftig jemand ein Auto per Kredit kauft und die Rate trotz Mahnung nicht bezahlt, wird das per Blockchain vernetzte Fahrzeug lahmgelegt. Das Vehikel lässt sich mit dem digitalen Schlüssel nicht mehr öffnen. Möglicherweise fährt es sogar automatisch zum Händler zurück.

Sie gilt als die spektakulärste Entwicklung seit dem Internet: die Blockchain. Kryptowährungen wie Bitcoin, Litecoin und Neucoin basieren auf dieser Technologie zur Abwicklung von Transaktionen innerhalb eines dezentralen Netzwerkes. Doch das ist erst der Anfang, sind die Anhänger der „Blockkette“ überzeugt. Tatsächlich befassen sich immer mehr Akteure und Branchen mit ihr. Die ersten waren die Banken und Notenbanken – das überrascht nicht, wenn am Horizont vor allem mit Bitcoin eine konkurrierende Währung auftaucht.

Digitales Geld für die Börse 4.0

Vor gut einem Jahr schlossen sich unter dem Dach des Startups R3 CEV einige große Geldhäuser – darunter die Deutsche Bank – zusammen, um die Technologie zu erforschen. Börsen und Abwicklungsdienstleister loten ebenfalls Möglichkeiten aus, wie sie mithilfe der Blockchain ihre Transaktionspraxis verbessern können. Und aktuell plant die DZ-Bank-Tochter Reisebank im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr Verbuchungen in Echtzeit.

Neben Börsen und Banken befasst sich die Immobilienwirtschaft zunehmend mit dem Thema. „Die Blockchain öffnet Tür und Tor für kreative Geschäftsmodelle“, sagt Viktor Weber, Gründer des Future Real Estate Institute. Zum Beispiel könnten Immobilienbewertungen automatisiert werden, wenn alle mit einem Objekt zusammenhängenden Zahlungen direkt zugeordnet werden. „Vorbei wären die Tage von Excel-Modellen und langwierigen Mietvertragsprüfungen im Rahmen einer Risikoprüfung.“

Konkreter sind die Absichten des schwedischen Grundbuchamtes, sämtliche Daten in Echtzeit in der Blockchain zu speichern. Das Unternehmen ChromaWay zeigt eine Demoversion auf seiner Homepage. Schon bald könnten Grundbuchauszüge via Smartphone einsehbar sein.

Richtig spannend wird die Technologie in Verbindung mit dem Internet der Dinge. Dann nämlich werden intelligente Verträge (Smart Contracts) möglich. Autos, Kühlschränke, Waschmaschinen, Alarmanlagen usw. – alles wird vernetzt und mit Wenn-Dann-Beziehungen verknüpft: Wenn der Kühlschrank leer ist, geht eine vordefinierte Online-Bestellung an den Lieferservice raus. Sobald die Post die Zustellung der Ware bestätigt, erfolgt automatisch die Bezahlung.

Auch Versicherer erkunden das Potenzial digitaler Verträge. Allianz, Aegon, Munich Re, Swiss Re und Zurich haben sich zum Konsortium Blockchain Insurance Industry Initiative zusammengetan. Aus Sicht der Assekuranzfirmen könnten Smart Contracts „den Aufwand für die Dokumentation und Verwaltung von Versicherungsverträgen beträchtlich reduzieren sowie Informations- und Geldflüsse beschleunigen“. Auch böten sie großes Potenzial für neue Produkte.

Ohnehin sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Wenn in Zukunft z. B. jemand ein Auto per Kredit kauft und die Rate trotz Mahnung nicht bezahlt, wird das vernetzte Fahrzeug einfach lahmgelegt; schließlich hat der Käufer seine vertraglichen Verpflichtungen nicht eingehalten.

Das Auto lässt sich dann mit dem digitalen Schlüssel nicht mehr öffnen. Möglicherweise fährt das Vehikel sogar autonom zum Autohändler zurück und steht dem Käufer erst wieder zur Verfügung, wenn dieser die ausstehenden Kreditraten bezahlt hat.

Doch wie funktioniert die Blockchain überhaupt? Ausgangspunkt sind die Blocks. Dabei handelt es sich um Transaktionsdatenpakete, die über das Internet verschickt und auf unterschiedlichen Rechner gespeichert werden. Eine Blockchain ist also eine internetbasierte Datenbank.

Zwischen den Nutzern transferiert werden z. B. Grundbuchrechte, Geld oder sonstige Werte. Die Daten werden gleichberechtigt auf den Rechnern aller Teilnehmer des Netzwerkes abgelegt (Peer-to-Peer-Konzept). Es entsteht ein dezentrales Register (Distributed Ledger), das für jeden Teilnehmer zu jeder Zeit einsehbar ist. Das ist das innovative an der Blockchain. Das dezentrale Kontobuch kann öffentlich oder – nach einer Registrierung – nur einem privaten Club zugänglich sein.

Nur der erste Block des Registers wird von einem Software-Entwickler programmiert. Alle weiteren Datenbündel werden von einem Netzwerkknoten errechnet. Der Ablauf ist wie folgt: Anstehende Transaktionen werden von allen Rechnern im Netzwerk überprüft. Dies geschieht durch Abgleich mit der Transaktionshistorie. Eine Transaktion ist legitim, wenn die Mehrheit sie als widerspruchsfrei einstuft. Nun schreibt der schnellste Rechner (Miner) die Daten für die anstehende Transaktion in einen neuen Block. Hinzugefügt werden noch eine Prüfsumme (Hash-Wert) und ein Zeitstempel. Das ganze Datenbündel verlängert dann die bisherige Blockchain und steht allen Netzwerkteilnehmern zur Verfügung. Das Ergebnis dieses Prozesses ist eine eindeutige „Datenliste“.

Da mitunter an mehreren Knoten neue Blocks entstehen, können auch mehrere Ketten existieren. Das System ist daher darauf ausgerichtet, dass die Knoten sich schnell auf einen Konsens einigen. Ketten, in denen weniger Arbeit steckt, werden eliminiert. So gibt es immer nur eine „aktive“ Kette.

Die Merkmale einer Blockchain – Dezentralität, Redundanz, Einhelligkeit und Transparenz – machen es fast unmöglich, die Daten einer Kette zu fälschen. Ein Betrüger müsste mindestens 51 % aller Kopien gleichzeitig ändern. Das benötigte nach Auffassung von IT-Experten so viel Rechnerkapazität, dass es unwirtschaftlich wäre.

Wegen ihrer Fälschungssicherheit ist die Blockchain prädestiniert für die Übermittlung von Werten und Fakten. Was die Technologie letztlich für die Finanzinstitutionen, Versicherer, Grundbuchämter und andere Branchen bedeutet, ist noch unklar. Disruptiv wirkt die Innovation, weil sie ohne zentrale Prüfinstanzen, ohne Ausgleichs- und Abrechnungsstellen (Clearing) und ohne Mittelsmänner auskommt. Sie belohnt die Kette ihre Nutzer mit Effizienz- und Kostenvorteilen – ein ziemlich schlagkräftiges Argument.ps

stellenangebote

mehr